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Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

24.09.2009

Quae medicamenta non sanant ...

Konzept gibt es nicht. Interessante Fragen werden nicht gestellt. Das Casting glänzt mit einigen Fehlbesetzungen. Uninspiriertheit und Leidenschaftslosigkeit charakterisieren die Leistungen sämtlicher Beteiligter. Von WERNER BUSCH

 

Die Äbtissin vom Rupertsberg ist in den letzten Jahrzehnten zu einer der bekanntesten Frauenfiguren des Mittelalters geworden. Der Esoterik nicht unferne Kreise haben ihre auf Ganzheitlichkeit gerichtete, naturheilkundliche Philosophie wieder verstärkt ins Bewusstsein der Allgemeinheit gerückt. Gleichsam große Bedeutung hat Hildegard von Bingen aber auch als selbstbestimmte Frauenfigur, die in der gottgegeben männerbestimmten Welt des abendländischen Hochmittelalters auf eine durchaus eigene Weise Einfluss auf Politik und Religionslehre ausübte. Dazu legitimiert wurde sie durch die Niederschrift ihrer Visionen, die sie von Gott empfangen haben will. Die Berufung auf diese höchste Instanz und eine gleichzeitige Selbststilisierung als Ungebildete schützten sie – zusammen mit ihrer schnell wachsenden Popularität – vor dem Argwohn vieler Mißgönner, die im Laufe ihres langen Lebens auf den Plan traten.

Auch wenn politische Ränkespiele Gelegenheit für dramaturgische Konstruktionen bieten, lassen sich Geist und Stimmung der Epoche vielleicht nur in Verbindung mit einer aufbrechenden Neuzeit allgemeinbefriedigend filmisch umsetzen – wie etwa in Annauds Der Name der Rose gekonnt vorgeführt. Doch immerhin kann man mit dieser Prämisse – wenn auch mit Abstrichen – treffend von der völlig andersartigen Welt des Mittelalters erzählen.

Treffend ist auch der hölzerne Untertitel »Aus dem Leben der Hildegard von Bingen«. Das vermeintliche Biopic kleckert sich episödchenweise durch Eckdaten von Hildegards Leben, ein übergreifendes dramaturgisches Konzept gibt es nicht. Interessante Fragen, die der Stoff bietet, etwa nach den titelgebenden Visionen und ob diese nicht Mittel zum Zweck wurden, werden nicht gestellt. Das Casting glänzt mit einigen Fehlbesetzungen, die von einer unterdurchschnittlichen Make-up-Arbeit unterstrichen werden. Uninspiriertheit und Leidenschaftslosigkeit charakterisieren die Leistungen sämtlicher Beteiligter. Immerhin müssen Schulklassen keine Angst vor einem Kinoauftrieb haben, da kein ausreichender, edukativer Informationsgehalt vorhanden ist. Zuletzt bringt nur das Feuer Heilung.

 

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