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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 22. Juni 2017 | 18:34

    Julie & Julia

    03.09.2009

    Bouffe bourguignon

    Julie & Julia hat alle Ingredienzien für einen gelungenen, beschwingenden Kinoabend im Gepäck. Von EVA TÜTTELMANN

     

    Sich darüber auslassend, was Meryl Streep für eine unfassbar wandel- und wunderbare Schauspielerin ist, könnte man locker ein paar tausend Zeichen für eine solche Rezension generieren. Doch das wäre redundant und auch irgendwie bequem und soll sich deshalb auf ein Minimum reduzieren. Es muss jedoch gesagt werden, dass Streep sie in Julie & Julia alle an die Wand spielt; sie ist der unangefochtene Star in Nora Ephrons neuestem Streich und katapultiert das Kinoerlebnis aus der – durchaus bewährten – Ephronschen Seichtigkeit in etwas, das bleibt. Es gelingt ihr ganz fabelhaft, die Figur der Kochikone Julia Child, die auf den ersten Blick wie eine fleischgewordene Parodie wirkt, sowohl urkomisch als auch grenzenlos liebenswert darzustellen und vereint so Eigenschaften, die nicht immer in harmonischem Einklang miteinander existieren. Sie ist zu groß, zu laut, zu amerikanisch (grandios, wie ihr Akzent das französische Paradegericht B½uf bourguignon versehentlich zum „Fressen“ degradiert) und dabei nie zu viel. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Zuschauer, die sich für die Synchronfassung entscheiden, des Wahnsinns fette Beute sind und den wahren Witz des Films versäumen werden.

    Doch auch abgesehen von Lady Streep hat Nora Ephron ein beeindruckendes Ensemble um sich geschart, sei es die sich immer nachhaltiger beweisende Amy Adams und Six Feet Under-Veteran Chris Messina auf der Leinwand, aber auch der preisgekrönte Kameramann Stephen Goldblatt sowie Komponist Alexandre Desplat und Editor Richard Marks im gern unterschätzten Hintergrund. Die dramaturgische Verarbeitung zweier zeitlich nicht parallel stattfindender Geschichten gelingt meist recht gut, wobei der Plot um die vom Alltag gebeutelte Julie Powell im direkten Kontrast oft Tiefe vermissen lässt. Die grundehrliche Liebe zwischen den ungleichen, schrulligen Eheleuten Julia und Paul Child ist behutsam und erfrischend unaufdringlich erzählt: Alle figurencharakterisierenden Details werden vermittelt, ohne dass man dem Eindruck erliegt, die Regisseurin hielte einen für begriffsstutzig.

    Julie & Julia hat alle Ingredienzien für einen gelungenen, beschwingenden Kinoabend im Gepäck – falls die bisher aufgezählten nicht überzeugen konnten, sollen hier noch zwei fabelhafte Serienzitate angepriesen werden. Zum einen Amy Adams nämlich, der eine gehirngewaschene Kollegin bei einem Sex and the City-Salad Lunch geistesgegenwärtig die Kohlenhydrate aus der Hand schlägt, zum anderen Meryl Streep beim Verzehr eines offensichtlich atemberaubenden Stück Bries, das sie gemeinsam mit ihrer Schwester lautstark lobt („Isn’t this the best brie you have ever had in your whole life?“ – Na, welche Serie?). Une grande bouffe.

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