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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 17:35

     

    Che - Revolución

    11.06.2009

    Hasta la victoria siempre

    Nichts für Fans von schicken „Che“-T-Shirts: Stevan Soderbergh ließ sich weder dazu verführen, der Legende und Pop-Ikone zu huldigen, noch den ewigen Revolutionär vom Sockel zu stoßen. Von Stefan Volk

     

    Nein, für hippe Fußballfans, die Che Guevaras Konterfei auf einem schicken roten T-Shirt tragen, ist dieses Mammutwerk nicht gedreht worden. Hartnäckig hat sich Regisseur Steven Soderbergh (Traffic) bei seinem Herzensprojekt den Forderungen des Mainstreams widersetzt. Das fängt schon bei der Länge an. In satten vier Stunden, verteilt auf zwei Filme, erzählt er im ersten Teil (Che – Revolución) – von Guevaras Wandel vom Arzt zum Revolutionär, seinem Aufstieg zum Truppenführer und Staatsmann in Kuba und – im zweiten Teil (Che – Guerrilla) – seiner Rückkehr zur Revolution in Bolivien mit dem bekannten tödlichen Ende.

    Auf dem dramaturgischen Weg dahin bricht Revolución ziemlich unvermittelt ab, nachdem das Batista-Regime zuvor in einem langwierigen Guerillakrieg bezwungen wurde. Produzentin Laura Bickford (Traffic) räumt ein, dass dieser erste Teil vor allem deshalb entstanden sei, weil der zweite Teil sonst unverständlich geblieben wäre. Che – Guerrilla kommt am 23. Juli in die deutschen Kinos.

    Eins aber wird bereits nach der Ansicht von Revolución deutlich: Soderbergh ließ sich nicht dazu verführen, der Legende und Pop-Ikone Che Guevara pathetisch zu huldigen, weigert sich aber auch, sie auf Teufel komm raus vom Sockel zu stoßen. Der Preis, den er für dieses honorige Bemühen um objektive Darstellung zahlt, ist allerdings hoch. Nicht nur Soderberghs Kamera hält einen auffälligen Abstand zu dem von Benicio Del Toro (Traffic, 21 Grams) verkörperten „Commandante“. Auch Peter Buchmanns Drehbuch dringt nie zum Menschen hinter der Uniform durch. Stattdessen versachlicht es Guevara bis zur Unkenntlichkeit, treibt ihm jede Individualität jenseits revolutionärer Rhetorik aus.

    Man sieht den strengen, aber integeren Anführer im Regenwald, man hört den Redner in einem Interview mit einer US-Journalistin und kann ihn in täuschend echt wirkenden Schwarzweißaufnahmen vor den Vereinten Nationen in New York beobachten. Ein wahrer Revolutionär, hört man Guevara an einer Stelle aus dem Off sagen, werde in erster Linie von der Liebe zu den Menschen geleitet. Gleichzeitig sieht man, wie er mit seinen Männern aus dem Hinterhalt auf Soldaten schießt. Solche irritierende Momente bleiben jedoch allzu flüchtige Ausnahmen.

    Auch Del Toro gelingt es nicht, hinter der historischen Patina einen Menschen mit Widersprüchen und inneren Kämpfen – von denen in Guevaras Tagebüchern durchaus zu lesen ist – zum Leben zu erwecken. Geschlagene sieben Jahre will Del Toro, der auch als Produzent an Revolución beteiligt war, für das „Che“-Projekt recherchiert haben. Eine erdrückende Faktenlast, von der er sich nie frei zu spielen vermag. Bei seiner spröden, nüchternen Darstellung bleibt das Charisma auf der Strecke. Überhaupt ist von der Begeisterung, die das Projekt initiierte, im fertigen Film kaum noch etwas zu spüren. Langweilig gerät der handwerklich routiniert inszenierte Guerillastreifen deshalb zwar nicht. Das, was ihm aber fehlt, ist ausgerechnet die erzählerische Leidenschaft.

    Stefan Volk


    Che - Revolución. Che: Part o­ne (The Argentine). USA/Frankreich/Spanien 2008. R: Steven Sonderbergh. B: Peter Buchman. K: Peter Andrews, Steven Soderbergh. S: Pablo Zumárraga. M: Alberto Iglesia. P: Laura Bickford, Benicio del Toro. D: Benicio del Toro, Demián Bichir, Rodrigo Santoro, Julia Ormond, u.a.
    131 Min, ab 11.6.09



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