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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 12:39

     

    Duplicity - Gemeinsame Geheimsache

    30.04.2009

    Man lebt nur zweimal

    Regisseur Tony Gilroy erweitert mit Duplicity sein Portfolio um einen elegant-leichten Caper-Film, der sein Stilgespür und sein inszenatorisches Geschick eigentlich unterfordert. Von Daniel Bickermann

     

    Der Kalte Krieg ist nicht vorbei, er hat nur die Ebenen gewechselt: Im zweiten Film des Bourne-Autors Tony Gilroy, der mit dem hintersinnigen Wirtschaftsthriller Michael Clayton mal eben eines der besten Regiedebüts des letzten Jahres vorgelegt hat, graben statt Reagan und Chruschtschow zwei angegraute Vorstandsvorsitzende von konkurrierenden Kosmetikkonzernen das Kriegsbeil aus.

    Wilkinson und Giamatti amüsieren sich prächtig mit diesen beiden Westentaschennapoleons, die ihre ultrageheimen Hightech-Spione auf die Suche nach Faltencremes und Nasensprays schicken. Im Zentrum aber stehen natürlich Roberts und Owen, die hier zwar keine Glanzleistungen hinlegen, aber den Champagnerkorken immer schön am Schwimmen auf der Schaumkrone halten. Roberts kriegt zwar weiterhin keine rechte Bedrohlichkeit hinter ihre Auftritte, und Owen spielt die Rolle des Doppelagenten mit dem kleinen linken Finger, aber für eine kurzweilige Gaunerkomödie reicht’s allemal.

    Tony Gilroy erweitert mit Duplicity sein Portfolio um einen elegant-leichten Caper-Film, der sein Stilgespür und sein inszenatorisches Geschick eigentlich unterfordert: Die gediegenen Kontraste, die die Anzugträger in ihren Marmorbüros beinahe schwarzweiß wirken lassen, und James Newton Howards erneut pulsierende Musik, die nur kurzzeitige Ausflüge in den Flamenco wagt, betonen eher die ernsten Untertöne einer Gesellschaft, in der selbst Tiefkühlpizzafirmen millionenschwere Wirtschaftsspionage betreiben.

    Philosophisch nimmt das Gilroy-Universum immer klarere Formen an: Es ist eine Welt der Spezialisierung ohne Kooperation oder Überblick. Man ist von anderen Fachkräften abhängig, kann ihnen aber nicht vertrauen. Für die Liebe heißt das einerseits, dass man das ständige Misstrauen genießen und zu einer erotischen Spielart erklären muss, um emotional funktionabel zu bleiben; und dass es andererseits im Moment der gegenseitigen Erkenntnis, der schon immer der Grundtopos der Liebe war, statt „Ich liebe dich“ nur noch heißen kann: „Ich liebe dich trotzdem“.

    Daniel Bickermann


    Duplicity – Gemeinsame Geheimsache. Duplicity. USA 2009. R,B: Tony Gilroy. K: Robert Elswit. S: John Gilroy. M: James Newton Howard. P: Laura Bickford, Universal. D: Julia Roberts, Clive Owen, Tom Wilkinson, Paul Giamatti, Ulrich Thomsen, Carrie Preston, Thomas McCarthy, Wayne Duvall u.a.
    125 Min. Universal ab 30.4.09


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