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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 04:32

     

    Hilde

    12.03.2009

    Schlecht singen kann sie gut

    Hilde ist ein »Biopic« – und dennoch deutlich besser gelungen, als zu erwarten gewesen wäre. Das erstaunt umso mehr, als Hildes Leben, also das der vor ein paar Jahren verstorbenen Frau Knef, gar nicht mal besonders interessant war.

     

    Knefs gerade drei filmhistorisch bedeutsamen Filme (Die Sünderin ist übrigens entgegen einer weit verbreiteten Auffassung gar nicht mal so übel) sind alle in dem knappen Zeitraum zwischen 1946 und 1951 entstanden, ein paar spätere wie Wartezimmer zum Jenseits sind sicher etwas zu unrecht in Vergessenheit geraten; vor allem aber einige ihrer Chansons sind in Erinnerung geblieben. So richtig viel ist das freilich nicht, wenn man bedenkt, welche Bedeutung man ihr dereinst zugeschrieben hat. Selbst Knefs Privatleben ist aus heutiger Sicht nicht wirklich außergewöhnlich; ihre Skandälchen, die auch in Hilde abgearbeitet werden, erheben die Protagonistin für sich kaum über die Bedeutung einer Verona Pooth oder eines Boris Becker (allerdings immer wieder bemerkenswert zu sehen, wie Themen der zurecht wenig geachteten Yellow Press Jahrzehnte später zu Biopics verarbeitet werden, die sich eigentlich an das gehobenere Publikum richten).

    Knef ist aber ihrer Generation mit ihrem häufig harsch und stets affektiert wirkenden Auftreten als Persönlichkeit im Gedächtnis geblieben. Genau hier setzt Kai Wessels Film an, und das sogar recht beeindruckend. Das verdankt er einerseits seiner Hauptdarstellerin Heike Makatsch, die sich in ihrer Verkörperung der Titelfigur zwar auf Imitation des Originals beschränkt – das aber macht sie großartig. Insbesondere die Künstlichkeit der späteren Knef (der Film endet 1966 mit Knefs Konzert in der Berliner Philharmonie) vollzieht sie nach, ohne dass es wie schlechtes Schauspiel wirkt, und sogar schlecht singen kann sie gut, wenn ihre junge Hildegard noch unbeholfen »Irgendwo auf der Welt« intoniert.

    Der Film selbst konzentriert sich darauf, dieses Imitat von Künstlichkeit glaubhaft und lebendig werden zu lassen. Die ersten Filmbilder zeigen Knefs Landung in Tempelhof vor dem Konzert in der Philharmonie, in die Wessel, statt das Berlin der 1960er teuer nachzustellen, einfach alte Super8-Aufnahmen und entsprechend grobkörnige Bilder einer von Komparsen umringten Makatsch einschneidet, um den Einstieg durch den pseudodokumentarischen Look zu erleichtern – sicher nicht sonderlich originell, aber es funktioniert. Den 1966 spielenden Szenen gelingt es dabei, auch durch Einbinden der ebenfalls kunstvoll-abweisend wirkenden Nachkriegsarchitektur aus Stahlbeton die Persönlichkeit der Protagonistin begreifbar zu machen.

    In Rückblenden ab 1943 und über ein überbelichtetes künstliches Hollywood der 1950er beschreibt Wessel Knefs Entwicklung – mit Sprüngen und Brüchen, die ausklammern, was nur bloße Nacherzählung und nicht relevant wäre. Ob dies schon im Drehbuch so geplant war oder Ergebnis des Schnitts ist, um den sowieso schon langen Film auf kinotaugliche Laufzeit zu bringen, kann auch der Rezensent nur mutmaßen – geschadet hat es nicht. Wenn Knef in einer Szene noch vor der einfallenden Roten Armee wegrennt und ohne Erklärung einen Schnitt später schon im Gefangenentross marschiert, wenn zwischendurch mal ein paar Jahre übersprungen werden und manche Nebenfigur einfach unbekannten Schicksals verschwindet, oder wenn die Knef schon wieder den Lebensabschnittsgefährten wechselt, obwohl man sich doch gerade erst an den letzten gewöhnt hat, ist das eine durchaus angenehme Holprigkeit, denn zum einen hätte das Weggelassene doch sowieso nicht interessiert, zum zweiten passt diese Direktheit des Schnitts hervorragend zur Direktheit der Protagonistin. Der deutlich schwächste Moment ist dementsprechend auch eine ziemlich schlimme Montagesequenz, die einen solchen Bruch umgehen will, indem zum Lied »After Eight« Filmplakate und Zeitungsausschnitte vorüberfliegen. Auch der Versuch, den Film durch Zitateinblendungen aus »Für mich soll’s rote Rosen regnen« zu gliedern ist nicht wirklich gelungen, und gerade in der zweiten Filmhälfte hätte nicht geschadet, das Erzählte noch etwas knapper zu fassen.

    Für das Genre erwähnenswert ist im Übrigen, wie wenig freundlich Hilde gelegentlich mit seiner Hauptfigur umgeht. So wird, als deutlichstes Beispiel hierfür, die Umjubelung der Knef bei der Premierenfeier von Die Mörder sind unter uns durch eine alles andere als dezente Parallelmontage mit der Exekution ihres abgelegten ersten Liebhabers Ewald von Demandowsky verbunden. Der stärkste Moment liegt hingegen am Schluss, in einer Einstellung Makatschs im Profil, wie sie zum Finale des Films zum »Für mich soll’s rote Rosen regnen« ansetzt, und in diesem einen Bild diese künstliche Figur zum echten und schlüssigen, zufriedenen Ergebnis der Biographie wird. Das macht Hilde zwar weder zu einem herausragenden noch zu einem sonderlich ambitionierten Film, aber zumindest zu einem Werk, das durch sein Vertrauen in die Leistung seiner Hauptdarstellerin bei weitem aus der Masse routiniert abgedrehter Biopics herausragt.

    Carsten Tritt


    Hilde. D 2009. R: Kai Wessel. B: Maria von Heland. K: Hagen Bogdanski. S: Tina Freitag. M: Martin Todsharow. P: Egoli Tossell, MMC. D: Heike Makatsch, Dan Stevens, Monica Bleibtreu, Michael Gwisdek, Hanns Zischler, Anian Zollner, Sylvester Groth u.a. 136 Min. Warner ab 12.3.09
    Präsentiert von Schnitt Magazin


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