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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 05:15

     

    Frost/Nixon

    05.02.2009

    Was vom Tage übrig blieb

    Streng genommen erschöpft sich der Stellenwert der medialen Berichterstattung nicht in ihrem faktischen Gehalt, sondern vielmehr in einer kontextlosen Konklusion, einem Abriß und einem großen Knall. Von Jakob Stählin

     

    Bilder kreischen und manipulieren. So reckt Obama seine Hand gen Himmel und ruft »change«, Berlin jubelt und begibt sich in die oberflächlichsten Niederungen der kultischen Verehrung. Eine Meinung zu haben gehört zum guten Ton, selbst wenn man keine Ahnung hat, und so ist es nur verständlich, daß politisches Kino in der Bush-Ära ein kleines Revival erlebte, denn wenn irgendwer als sinnfreie Dartboardzierde Hobbypolitiker zu schaffen vermag, dann der schmaläugige Ex-Alkoholiker aus Texas. So waren die im Kino behandelten Themen jüngst, wenn auch oft gewieft verpackt, dankbare. Zu oft wurde Anspruch durch Langatmigkeit und zerhackte Erzählweisen vorgetäuscht, und solche Diskurse sind als Massenprodukt redundant; aber Filme wollen gesehen werden.

    Die mediale Verfügbarkeit, die der Politik eine so einmalige Oberflächlichkeit verliehen hat, war sicherlich kein Vorteil des alten Tricky Dick, der nicht davon profitierte, daß Fernseher seinerzeit zur Standardausstattung eines jeden Haushalts wurden. Auch die Original-Tapes der Frost/Nixon-Interviews sind von einer einseitigen Konnotation geprägt, die dem Zuschauer nur eine gelenkte Sichtweise präsentieren können. Insofern ist es ein Glücksfall, daß Howards filmische Rekonstruktion ein Werk ist, das nach individueller Interpretation strebt, ohne traurig in den Geschichtsunterrichtsstunden der Gesamtschulen zu verrotten. Ihr Wert liegt weit über der schlichten Nacherzählung eines Medienereignisses. Vielmehr wird hier die künstlerische Interpretation zelebriert, indem man von den Schlagzeilen absieht und voll inszenatorischer Freiheit ein Thema außer Kontext plaziert. Nixon als Buhmann ist als Reiz erschöpft, doch die Essenz dessen ist hochaktuell.

    Michael Sheen, der den übercharmanten Frost mit sichtbarer Freude spielt, schafft eine Identifikationsfigur, nimmt uns bei der Hand und führt durch liebevoll gestaltete 1970er-Jahre-Sets. Seine reale Geschichte wird zur Legende stilisiert, denn zwischen all den gestellten Augenzeugenberichten und Fernsehaufnahmen platzt bei allem Realismus stets der Zauber des großen Hollywood heraus. Ron Howard hat einen Schauspielerfilm par excellence gedreht, ein überkreatives Meisterwerk des harmoniesüchtigen Teamsports Film, das stets in den rechten Momenten ein nonchalantes Augenzwinkern bereitstellt. Nicht zuletzt gelingt dies dank Peter Morgans (Die Queen) Drehbuch, das bar jeden Makels unterhält und somit ein nachhaltiges Erlebnis von inhaltlicher Gewichtigkeit zur vielstimmigen Diskussion freigibt. Wie bereits in Morgans Vorlage, seinem mit selbigen Hauptdarstellern besetzten Bühnenstück, wird dem Zuschauer ein detailliert geschliffenes Konstrukt aus fiktionaler Historienverarbeitung und blanker Fiktion geschenkt, das um jede Nuance seines tiefgreifenden Subtextes bestens informiert ist.

    So leistet Frost/Nixon zum einen natürlich eine schlichte Rekapitulation des Interviews von David Frost mit dem ehemaligen Präsidenten Richard Nixon, zum anderen eine durch Boxkampfparallelen veranschaulichte Medienschlacht, die eine geschlossene Parabel auf gesellschaftliche Strukturen und deren Führungspersönlichkeiten evoziert. Mit äußerst rarer Prägnanz lebt der Film in jeder Szene von seiner Abgehangenheit, seiner offenen Reife, die den schauspielerischen Leistungen Raum gibt, sich zu entfalten. Hier wird kein falscher Realismus praktiziert, sondern ehrliche Interpretation und vor allen Dingen eine geschickte zeitgeschichtliche Plazierung des in seiner Grundthematik hochaktuellen Stoffes erlangt.

    Neben dem großartigen Michael Sheen thront das offensive Spiel Frank Langellas. Sein Gestus wandert nah an den Grenzen der Karikatur, die er in gewählten Momenten gezielt und provokant überschreitet. Und es paßt, denn dieser Nixon ist ein Aufgewühlter, einer, der sich um die Wichtigkeit jeder öffentlich geäußerten Nichtigkeit bewußt ist, jedoch in all seiner Bodenständigkeit, mit hilfesuchenden Blicken um Verständnis für die ihm vorgeworfenen Fehltritte bittet. So changiert Langellas Ausdruck von absoluter Selbstsicherheit bis zur kompletten Aufgabe eines Mannes, der seine eigenen Lügen als zu unglaubwürdig enttarnen muß. In einem phänomenalen Bild sehen wir Nixon straucheln: Ein demütiger Moment lichtet den Menschen hinter seiner Rolle als Machtpolitiker ab. Der schwere Ballast sackt zu Boden, und an seine Stelle tritt ein erschlagendes Gewicht persönlicher Reflexionskraft, die ihn hinterrücks niederringt: Zerfurcht und geschafft entblößt sich das gezeichnete Konterfei vor den unerbittlichen Abgründen des Close Up.

    Jakob Stählin


    Frost/Nixon. USA/GB/F 2008. R: Ron Howard. B: Peter Morgan. K: Salvatore Totino. S: Daniel P. Hanley, Mike Hill. M: Hans Zimmer. P: Imagine Entertainment, Working Title Films. D: Frank Langella, Michael Sheen, Sam Rockwell, Kevin Bacon, Matthew Macfadyen u.a. 122 Min. Universal. ab 5.2.09

    Präsentiert von Schnitt Magazin



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