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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 22:40

     

    Wild Child

    18.12.2008

    Dead Coed Society

    Ein Mädcheninternat – verklemmte Bücherwürmer mit dicken Brillen und Schul-uniformen: libidostimulierender wird es nicht. Doch das tut hier nichts zur Sache.
    Von Jakob Stählin

     

    Höchstens insofern, als daß die Verlogenheit, mit der Adoleszenzkomödien Offenheit predigen, indem kurze Röcke zur Schau gestellt werden, höchst ärgerlich ist. Denn wie Juno bereits ganz richtig feststellen durfte, steht der Schulproll weniger auf die Anführerin des Cheerleaderteams als insgeheim auf die cellospielende Brillenschlange. Doch wie zeigt man in einem Film die Transformation eines Schmetterlings zu einer Raupe, ohne sein quietschendes Publikum zu verschrecken? Ganz einfach: Indem man ihm vorgaukelt, es wäre andersrum.Wild Child ist ein Film, der in seiner Anfangsphase einen grausamen Erstickungstod des Zuschauers erwarten läßt, denn er bedient sich zunächst des haarsträubenden Jugendbildes, welches der einstige Musiksender MTV inhaliert und mit einer so perfiden Nachhaltigkeit predigt, daß es Realität geworden zu sein scheint: Fiese neureiche Jungs und Mädels tauschen sich über iPhones aus, besprechen die neuesten Fashion-Trends und kaufen Klamotten für ihre rattenähnlichen Hunde. Alles natürlich halb so schlimm, glaubt man, daß der gute deutsche Otto-Normal-Jugendliche seine Zeit immer noch gerne rauchend auf seinem getunten Mofa verbringt. Doch auch das konträre Medienbild – RTL2 läßt grüßen – ist natürlich grober Unfug. Die adoleszenten Bälger sind tatsächlich ebenso kuschelig und langweilig wie annodazumal. Die hören nämlich durchaus auf alles, was Papi ihnen sagt, wie etwa die Paris-Hiltoneske Poppy, die ihren parfümierten Modellkörper etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und nun schnurstracks vom hippen Sonnenstaat Kalifornien in das trübe, naßkalte und vor allen Dingen konservative England verbannt wird.

    Ist der anfängliche Schablonenalarm verklungen, mutiert Wild Child erfreulicherweise zu einem soliden Unterhaltungsfilm für eine junge Zielgruppe, die sich ganz hervorragend mit der zum Exil verdammten Poppy identifizieren kann. Aufgeregt stapft sie durch die Gänge des altehrwürdigen Internats und will einfach nur nachhause. So beginnt ein unterhaltsamer Reigen an Lausmädelstreichen, um der verwirrten Amerikanerin den heiß ersehnten Schulverweis zu ermöglichen. Inmitten des ganzen Tohuwabohus taucht plötzlich der Sohn der Schulleiterin auf – ein aalglatter britischer Gentleman – der Poppy einem Knigge-Crashkurs unterzieht und mit Pfefferminzatem den Fast-Food-Lifestyle hinfortpustet. Was Wild Child jedoch tatsächlich über den Status des schnellebigen Chick-Flicks erhebt, ist die Leichtfüßigkeit, mit der alle Beteiligten ihre Stärken ausspielen. So maßt sich niemand eine schauspielerische Leistung an, der er nicht gewachsen wäre, und auch Skript und Regie sind sich der eingeschränkten Brillanz des Stoffes bewußt.

    Natürlich fallen dem erwachsenen Zuschauer Unmöglichkeiten auf, doch wer mag einem Film, der so herzlich und karikiert mit seinen Figuren umgeht, einen Club der toten Dichter-Gedenkmoment übelnehmen; denn wenn man ehrlich ist, war die »Oh Captain, mein Captain«-Szene schon im ernstgemeinten Original ganz grauenvoll und wunderbar zugleich. Doch wo Peter Weir den Muff aus den Talaren zu lüften suchte, verbannt Nick Moore den Wasserstoff aus Poppys Haaren und ersetzt den Veilchenduft ihrer Haut durch grundsoliden Lacrosseschweiß. Und als die Umerzogene plötzlich auch noch beginnt, die Uniform zu akzeptieren, sprießt die Erkenntnis, daß wahre Freundschaft jenseits jeder Oberflächlichkeit liegt. Eine Konklusion, die so banal und schnuckelig ist, daß jeder Pfaffe dieser Welt Wild Child-DVDs zum Abendmahl beim Familiengottesdienst reichen könnte. Endlich mal ein Film, der nicht mit verkappter Katholikenpropaganda Keuschheitsgürtel unter den Bikinihöschen versteckt, sondern ein uneingeschränktes Ja! zum Konservativen predigt. Da gibt es für die Jungs und Mädels nach dem Kino sicherlich einiges zu besimsen.

    Jakob Stählin


    Wild Child. USA 2008. R: Nick Moore. B: Lucy Dahl. K: Chris Seager. S: Simon Cozens. M: Michael Price. P: Universal Pictures, Working Title Films. D: Emma Roberts, Natasha Richardson, Shirley Henderson, Aidan Quinn, Alex Pettyfer, Kimberley Nixon, Juno Temple, Nick Frost u.a.
    98 Min. Universal
    ab 18.12.08

    Präsentiert von Schnitt Magazin


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