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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 29. April 2017 | 11:31

     

    Vicky Cristina Barcelona

    04.12.2008

    Nach Barcelona, der Liebe wegen

    Barcelona! Nun ist Woody Allen auf seiner Schauplatztour durch Europa nach mehreren Aufenthalten in London also in Spanien angekommen, genauer gesagt in Katalonien. Mitgenommen hat er wieder seine neue Muse Scarlett Johansson. Von Daniel Albers

     

    Erneut in der Rolle der nicht mit ihren Reizen geizenden Kopfverdreherin ist sie dieses Mal Cristina, eine von zwei amerikanischen Freundinnen, die für zwei Monate nach Barcelona gehen, wo sie zunächst bei Verwandten der anderen, der bodenständigen Vicky, unterkommen. Kaum angekommen, passiert etwas, worauf beide ihrem jeweiligen Charakter entsprechend extrem konträr reagieren: Ein regional berühmter Künstler namens Juan Antonio kommt in einem Restaurant nach einigen zwischen Cristina und ihm ausgetauschten interessierten Blicken an ihren Tisch und lädt beide ein, mit ihm kurzerhand für ein Wochenende nach Oviedo zu fliegen, um – wie er ohne Umschweife ankündigt – mit ihm auch ins Bett zu steigen. Vicky, die kurz vor der Hochzeit mit ihrem gut betuchten Verlobten in den USA steht, ist einfach nur entsetzt, die einen eher freien Lebensstil pflegende Cristina dafür umso mehr angetan von der charmanten Chuzpe des Künstlers. Schließlich gehen jedoch beide auf das Angebot ein und landen – wer hätte das gedacht? – unabhängig voneinander in seinem Bett. Cristina wird zu seiner Geliebten, wohingegen Vicky ihrer eigenen Affäre mit Juan Antonio wegen ihrer bevorstehenden Hochzeit keine Zukunft einräumt. Was sie schon bald darauf bemerkt ist allerdings, daß sie ihn ebensowenig aus dem Kopf bekommt wie Cristina.

    Viele Regisseure hätten aus diesem Stoff eine weitere durchschnittlich unterhaltsame und noch durchschnittlicher intelligente Romantic Comedy gemacht, aber bei Allen ist er in guten Händen. Allen strickt daraus eine kraftvolle Story, die auf sehr unterhaltsame, aber eben nicht abgedroschene Art und Weise das Thema Leidenschaft aus vielen Blickwinkeln beleuchtet. Der große Coup von Vicky Cristina Barcelona ist die Besetzung von Penélope Cruz als Juan Antonios Exfrau Maria Elena – die leider erst in der zweiten Hälfte des Films ins Spiel kommt. Jeder ihrer Auftritte ist wie ein Vulkanausbruch, der dem Film das Feuer gibt, das ihm in der ersten Hälfte noch ein wenig fehlt, ihn aber schließlich zu einem großartigen macht.

    Maria Elena ist immer noch die größte Liebe im Leben des umschwärmten Malers. Aufgrund ihrer ungebremsten Impulsivität und Leidenschaft hat ihr letztes Zusammenleben jedoch damit geendet, daß sie mit einem Messer auf ihn einstach. Doch als sie Jahre später nach einem Selbstmordversuch wieder an seiner Tür steht, ist Cristina da und wird nach nur kurzer Zeit des Widerstands zum Salz in der Suppe der wieder aufflammenden Beziehung der beiden. Es entsteht eine leidenschaftliche Ménage à trois, in der auch Cristina das zu finden scheint, was sie ihr ganzes Leben lang gesucht hat: künstlerische Inspiration und echte Bestätigung. Vicky hingegen hat inzwischen ihr lang gehegtes Ziel der Heirat mit ihrem wohlhabenden Versorger erreicht, ist aber alles andere als glücklich damit. Sie wird genau wie alle anderen Beteiligten mit der Wahrheit der These konfrontiert, um die herum der Film angelegt ist: Nur unerfüllte Liebe kann wirklich romantisch sein.

    Was bei Vicky Cristina Barcelona auf den ersten Blick etwas eigentümlich anmutet, ist der Erzählstil mit einem Off-Sprecher, der als eine Art Märchenonkel vieles erklärt, was man gar nicht erklärt bekommen möchte. Allen wollte sich hiermit nach eigener Aussage »viele langweilige erläuternde Szenen« ersparen. Das klingt zwar in gewisser Weise plausibel, ist aber sicher nicht jedermanns Geschmack. Allerdings tritt in dieser Hinsicht im Verlauf des Films zumindest ein Gewöhnungseffekt ein, und spätestens nach Cruz’ Eintritt in den Ring der vielgestaltigen Affären sorgen Drive und Sex-Appeal der Geschichte dafür, daß man selbst die Erzählweise als leicht schrulligen Teil eines atmosphärisch stimmigen Gesamtbildes zu lieben lernt. Eines Gesamtbildes, an dem die Hauptstadt Kataloniens als sinnliche, von eigenwilliger Kunst überquellende Metropole einen erheblichen Anteil hat. Einen besseren Schauplatz als Barcelona hätte Allen für diese Geschichte wohl nicht wählen können.

    Von Daniel Albers


    Vicky Cristina Barcelona. USA 2008. R,B: Woody Allen. K: Javier Aguirresarobe. S: Alisa Lepselter. P: Mediapro, Gravier Productions. D: Scarlett Johansson, Penélope Cruz, Javier Bardem, Rebecca Hall, Kevin Dunn, Patricia Clarkson u.a.

    96 Min. Concorde ab 4.12.08

    Präsentiert von Schnitt Magazin


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