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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 26. Mai 2017 | 09:24

    Auf dem 61. Internationalen Filmfestival von Mannheim und Heidelberg

    20.11.2012

    Wie zu leben sei

    Die Hofer Filmtage, die in diesem Jahr zum 46. Mal in der oberfränkischen Provinzmetropole stattfanden, verdanken sich von Anfang an der Film- & Kinopassion ihres 1941 geborenen Gründers & Leiters Heinz Badewitz. Dem heute 61 jährigen Michael Kötz, der seit 1992 die 1952 gegründete Mannheimer Filmwoche leitet & das Festival im Laufe seiner Direktorenzeit schon mehrfach umgekrempelt hat, ist es in diesem 61. Jahr der von Kötz neben Mannheim auch nach Heidelberg zu einem »Regionenfestival« erweiterten »Internationalen Filmwoche« gelungen, ganz auf sich zu zentrieren. Von WOLFRAM SCHÜTTE

     

    Mehr noch als Badewitz, der immer noch von seinem eigenartig oberfränkischen Charme zehrt, hat der bei Alexander Kluge in Frankfurt einst promovierte Michael Kötz das Mannheim-Heidelberger Filmfestival zu seiner (quasi persönlichen) Sache gemacht, als deren Spiritus rector er vor den Filmen leibhaftig auftritt.

     

    Mittlerweile hat er seine kleinen Einführungen, Auswahlbegründungen & Vorstellungen von Regisseuren, Produzenten & Mitwirkenden, Dank seiner rhetorischen Fähigkeiten, zu Präsentationen entwickelt, bei denen das erschienene Publikum  ebenso warmherzig umschmeichelt wie die eigene Programmauswahl unter der Hand belobigt wird.

     

    Diese Inszenierung eines intimen Gesprächs unter Freunden, die einander Verschworene sind, tut beiden wohl. Das Mannheim-Heidelberger Publikum aller Altersklassen frisst dem Dr. Kötz vor der Leinwand aus der Hand. Die Leute, die ja sonst so allergisch sind gegen Belehrungen, fühlen sich einbezogen & respektiert & Kötz kann ihnen deshalb auch manches zumuten, was er mit reichlich Vorschußlorbeeren für Filme wie für Besucher versieht.

     

    Sosehr ist Michael Kötz das diesmal gelungen, dass er seinen Eindruck, das Festival werde dieses Jahr besonders zahlreich besucht, immer wieder staunend dem Publikum mitteilt - bis es zur selffullfilling prophecy wird?

     

    Liegt der Zuspruch vielleicht sogar an der jüngsten Kötzschen Neuerung,  die diesjährige Veranstaltung unter ein sowohl weitreichendes als auch philosophisches Thema zu stellen. Das Motto lautete 2012 ebenso imperativ wie verzagt: »Leben! Aber wie?«

     

    Die Frage nach dem Lebenssinn oder der richtigen Lebensweise treibt ja wohl jeden mindestens einmal um, und das Kino (wie alle narrativen & diskursiven Kunstformen)   stellt sich häufig diese Grundfrage unserer bewussten Existenz - umso mehr als einstmals verbindliche Lebens-, Moral- & Ethikregeln  in unserer vielfach kulturell durchwirkten Gesellschaft im Schwinden begriffen sind & jeder sich in seiner Lebenszeit aufgefordert sieht, nicht nur eine, sondern multiple, wechselnde Identitäten auszubilden.

     

    SPEED SPEED

    Die thematische Ausrichtung des diesjährigen Filmfestivals erlaubte Kötz noch eine weitere Veränderung: er nahm in sein Programm auch Filme auf, die schon in den Kinos gelaufen sind, aber das Thema, wie zu leben sei, in ihren Mittelpunkt stellten. Neben vier Filmen des vor Jahren in Mannheim zum »Master of  Cinema« erklärten Krzyszof Kieslowski waren das z.B. The Tree of Life von Terence Malik oder das filmische Requiem Des Hommes et des Dieux von Xavier Beauvois über eine Gruppe von europäischen Mönchen, die in Algerien ermordet wurden. Auch Nanni Morettis flüchtiger Papst Habemus Papam oder der Dokumentarfilm SPEED gehörte zu dieser Ergänzung des Wettbewerbs mit seinen 19 Filmen und den 9 Internationalen Entdeckungen.

     

    Es war insgesamt ein reichhaltiges Programm des Internationalen Autorenfilms (oft mit Erstlingsfilmen), zumindest aber mit unbekannten Regisseuren aus meist kinematografisch bislang unauffälligen Ländern wie z.B. Marokko, Indonesien oder der Inneren Mongolei. Alle diese Filme mit ihren unterschiedlichen Erzählformen boten Einblicke in die gesellschaftliche Struktur ihrer Länder & ihre zumeist noch religiös fundierte Kultur.

     

    So beschäftigten sich die beiden aus der Inneren Mongolei (Tibet) stammenden Beiträge semidokumentarisch mit der prekären Zukunft religiöser Kulte & Glaubensvorstellungen in der Moderne. Eine andere Reihe von  Filmen diskutiert inner-islamische & islamisch-säkulare Probleme - wie z.B. Babel Alissas Halal. Dessen Drehbuchautor & Regisseur stammt aus dem Iran, wurde in Paris & New York ausgebildet & lebt nun in Toronto. Halal spielt in Montreal. Dort versucht sich ein muslimischer Immigrant, der ursprünglich Arzt werden wollte, als Metzger, der schächtet; aber er ist für das blutige Handwerk nicht geboren, sein angereister Vater - ein ultrakonservativer Imam - betreibt im Hinterzimmer der Metzgerei religiöse Unterweisungen.

     

    Der gehorsame Sohn sieht sich bald gezwungen, zwischen der Loyalität zu seinem Vater und der Liebe zu seiner Frau zu wählen, erst recht, als der Vater die Trennung von seiner unfruchtbaren Frau verlangt, die sich aber im Verlauf der dramatischen Ereignisse emanzipiert & aus dem Zwangscharakter ihrer Lebensweise in die Freiheit aufbricht. Zu spät hat sich auch ihr Mann von der väterlichen Bevormundung befreit, um an ihrer Seite zu bleiben.

     

    In dem indonesischen Film Khalifah von Norman Hakim ist es ein innerislamischer Konflikt über die Frage, ob die Verhüllung der weiblichen Haare ausreicht oder ob die radikalere, saudiarabische Ganzverhüllung mit dem Shador zu fordern wäre. Parabelhaft erzählt, hält der Indonesier Hakim die Hijab für ausreichend. Seine Heldin lehnt zuletzt das Geschenk eines Shador demonstrativ ab - nachdem sie ihre Erfahrungen damit gemacht hat.

     

    Die Frage, wie mit sich im reinen zu leben sei, wird in dem polnischen Spielfilmdebüt In einem Schlafzimmer von Thomas Wasilewski auf eine ungemein dichte & spannende Weise erzählt, so dass man zum Vergleich an Polanskis Spielfilmdebüt Messer im Wasser denken muss.

    Im Mittelpunkt des Films steht eine raffinierte »Beischlafsdiebin«, die reichen Männern ein sexuelles Quickie verspricht, ihre »Kunden« aber vor Vollzug mit K.O.Tropfen außer Kraft setzt & sich dann seelenruhig in deren Wohnungen umsieht & aufhält - bis sie einmal Pech hat & fliehen muss & dabei die Autoschlüssel ihres Wagens hinterlässt.

     

    Wasilewski erzählt seine Geschichte aus dem heutigen Polen ähnlich wie der Iraner Kiarostami episch verfährt: nämlich durch sukzessive Informationssteigerung, die uns als Zuschauer in seinen Film & dessen zuerst verborgene Lebensgeschichte seiner Heldin auf der Flucht vor ihrer Ehe & Familie immer tiefer hineinzieht.

     

    Überhaupt scheint sich die erzählerische Qualität vieler Filme im Augenblick aus ihrer Lakonie & Mehrdeutigkeit zu ergeben - & ihren offenen Enden. Am erstaunlichsten scheint das den beiden amerikanischen Autoren Jason Cortlund & Julia Halperin in ihrem Film über Liebe und Pilze gelungen zu sein.

     

    Sie bringen nämlich das Kunststück fertig, sowohl über die Passion des Pilzsuchens als auch über Lebens- & Arbeitsverhältnisse, über den amerikanischen Traum vom freien Leben in der natürlichen Wildnis des Waldes als auch von der radikalen Liebe gleichzeitig zu handeln & diese mehrfache Gradwanderung glücklich auszubalancieren. Das intelligente Publikum hat ihm seinen Preis gegeben.

     

    Cortlund/ Halperins Now, Forager endet in der völligen Desillusionierung der persönlichen & beruflichen Träume der beiden jungen Leute & bleibt doch offen für die Frage, wie zu leben sei - »wenn alle Irrtümer verbraucht sind und uns als letzter Gesellschafter das Nichts gegenüber sitzt«, wie es in einem Gedicht des frühen Brecht hieß.

     

    Von ihm stammt auch der Michael Kötz wohl kaum bekannte Satz - wiewohl sein diesjähriges Filmfestival ihn facettenreich durchspielte - wonach alle Künste zu einer Kunst beizutragen haben: zur Lebenskunst.

     

    Warten wir mal ab, was dem umtriebigen Kötz, dessen intellektuelle Findigkeit für den Zeitgeist & die Emotionalisierung seines Kino-Events mit Autorenfilmen, die keiner kennt, aber doch so viele Leuten sehen wollen, im nächsten Jahr als gemeinsames Motto &  verbindendes Thema einfällt.

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