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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 26. Mai 2017 | 09:24

    Neu im Kino: Cloud Atlas

    21.11.2012

    »Jedes Leben berührt ein anderes«

    Ist DAS sein ernst? Hans Ulrich Pönack, Filmkritiker des Sat 1. Frühstücksfernsehen zerreißt Cloud Atlas. Differenzierte Analyse? Fehlanzeige! Ein solch einflussreicher Meinungsführer wie er sollte sich dieser »Daumen hoch, Daumen runter«-Attitüde eines römischen Diktators verweigern. Willkürliche Täuschung? Fehlendes Filmverständnis? Beides trifft zumindest ansatzweise zu. Ein anderer Blick auf Cloud Atlas: Von VIKTOR RUCHOTZKI

     

    Dauert der Film lange? Ja fast drei Stunden! Ist er deswegen langatmig? Kein Stück. Spannend und kurzweilig verflechten das Autoren- und Regie-Trio (Tom Tykwer, Andy Wachowski, Lana Wachowski) sechs Handlungsstränge zu einem filmischen Mystery-Sci-Fi-Epos.

     

    Das Buch Weltenatlas bildet die Grundlage für den Film. In sechs Zeitepochen (1849, 1936, 1973, 2012, 2144, 2346) treffen Freunde und Helfer aufeinander, um gegen eine höhere Instanz zu kämpfen. Ist jetzt alles mit allem verbunden, wie im Film-Claim propagiert? Nein! Das Handeln der Hauptprotagonisten innerhalb einer Epoche beeinflusst lediglich die jeweils nächste Zeitphase.

     

    Beispielsweise wird der weibliche Klon Sonmi~451 aus der Ära 2144 wegen ihrer Geschichte in der darauf folgenden Epoche von einem postapokalyptischen Stamm als Göttin verehrt.

    »Jedes Leben berührt ein anderes«, ein Zitat aus dem Film Snow Cake, umfasst damit am ehesten die Interaktion der Charaktere zwischen den Zeitabschnitten.

     

    Größte Stärke und Schwäche zugleich: Der Schnitt

    Im Gegensatz zum Buch verläuft die Handlung des Films nicht chronologisch, sondern im ständigen Wechsel, zwischen Raum und Zeit. Dieser Kniff schafft die nötige Dynamik, um das Publikum drei Stunden am Ball zu halten. Allerdings ist dieser ständige Wechsel gleichermaßen der größte Schwachpunkt des Films: Als Zuschauer verliert man oft den Überblick, wer mit wem zu welcher Zeit, wie, was zu tun hat. »Häh, ist das jetzt sein Ur-Urgroßvater? Sind die beiden seelenverwandt? Warum haben alle ne Sternschnuppe als Muttermal?« Derartige Fragen bleiben unbeantwortet.

     

    Ansonsten macht Cloud Atlas aber nicht viel falsch. Nun gut: Einige Gags und Sprüche misslingen hin und wieder. Auch das Flugverhalten der Soldaten wirkt bei einkrachenden Detonationen ziemlich seltsam. Aber sonst?

     

    Hollywood Kino aus Deutschland

    Aber sonst prescht der Film inszenatorisch ziemlich nach vorn. Besonders die futuristische Ära 2144 überzeugt durch ein glaubwürdiges Setting, tolle Kostüme und der erschreckenden Handlung.

    Hannah Pilarczyk schreibt in ihrem Spiegel Online- Artikel: »Cloud Atlas macht viel aus seinem 100-Millionen-Euro-Budget und sieht üppiger und phantasievoller aus als viele US-Produktionen mit doppelt so viel Geld.« Damit trifft sie genau den Kern!

     

    Dieser Eindruck verstärkt sich umso mehr, wenn man das Folgende weiß:  »89 Prozent des Filmes kommen aus Deutschland.« , so Stefan Arendt, Co-Produzent von Cloud Atlas. Wie im Bericht zur Cloud Atlas- Sinfonie erwähnt, entstanden die Filminhalte vor allem in den neuen Bundesländern und auf Mallorca.

     

    Nimm die Maske ab!

    Grässlich! Peinlich! Hässlich! Beleidigend! Diese Beschreibungen fallen des Öfteren, wenn Kritiker sich über das Maskenbild oder die Kostüme von Cloud Atlas äußern. Im Gegensatz zu dieser öffentlich postulierten Meinung sollen die genannten Elemente an dieser Stelle ihr Lob erfahren.

     

    Bekanntermaßen übernehmen sämtliche Darsteller bis zu sechs verschiedene Filmcharaktere. Wie in der Mini Playback Show wechseln die Schauspieler alle zehn Minuten ihr Outfit und schlüpfen in eine andere Rolle. Sehen sie dabei wirklich so katastrophal aus? Keineswegs! Allesamt überzeugen, sowohl in ihren Klamotten als auch in den diversen Maskeraden. Okay! Hugh Grant sieht als reicher Opa wirklich bizarr aus. Dennoch muss man eher darüber lachen, als sich schämen.

     

    Einige der Schauspieler sind dermaßen modifiziert, dass man sie nicht wiedererkennt. Im Abspann löst sich die Verkleidungs-Orgie auf. Man staunt und lächelt über jene Verwandlungskünste, die man bis dahin nicht mitbekommen hat.

     

    Fazit:

    Cloud Atlas bietet sowohl für Männlein als auch Weiblein spannendes Blockbuster-Kino. Die kurzweilige Inszenierung des Drei-Stunden-Films überwiegt den Frust, häufig im Unklaren über den Inhalt zu sein. Offen bleibende Fragen bewirken vor allem eins: Man bekommt Lust, das Buch selbst zu lesen. Oscar-Preis-verdächtige Schauspielerleistungen sind in dem Streifen nicht zu erwarten. Dafür haben die Darsteller zu wenig Raum. Maskenbild, Set-Design, Kostüme, Special Effects und Kameraführung überzeugen. Wer einen langen Kinobesuch nicht scheut, bekommt mit Cloud Atlas ein ambitioniertes, vielseitiges Filmepos mit Humor, Dramaturgie, Gewalt und Action.

     

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