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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 21:07

    Auf den 46. Hofer Filmtagen

    31.10.2012

    Zuschauen & Zuhören

    Natürlich ist jedes Filmfestival zuerst einmal ein Lokalereignis. Das trifft auch auf die Hofer Filmtage zu, die heuer zum 46. Mal & immer noch unter der »Oberhoheit« ihres Gründers – des 1940 geborenen, graupilzköpfigen Heinz Badewitz – jeweils in der letzten Oktoberwoche in der Oberpfälzer Metropole in 8 Kinos stattfinden. Das Event zieht noch immer sein Publikum aus Stadt & Umland an. Für rund eine Woche steht alles in Hof im Zeichen der trotz vorübergehenden Schneeregens gut besuchten Veranstaltung. Wo immer man in ein Hofer Schaufenster schaut, blickt einem das Plakat des allgegenwärtigen Festivals entgegen. Von WOLFRAM SCHÜTTE

     

    Neben dem Hauptsponsor arte, mit dessen Signet jede der rund 60 Filmveranstaltungen startet, haben sich »mittlerweile 26 Firmen« zusammengetan, um dieses jährliche Zentralereignis im oberfränkischen Raum finanziell abzusichern, wie diese Unternehmerinitiative stolz verkündet. Jeder wird bei einem solchen Programm etwas nach seinem Geschmack finden. Jedenfalls verlangt diese Programmfülle von jedem einen eigenen Slalomlauf durch das Programm von Kurz-, Dokumentar- & Spielfilmen.

     

    In diesem Jahr hatte Badewitz keinen seiner geliebten B-Picture- & off-Hollywood-Regisseure (wie in den vergangenen Jahren) zu einer Retrospektive eingeladen. 2012 stand ganz im Zeichen des siebzigjährigen Rosa von Praunheim, der früher schon hier seine neuen Filme präsentiert hatte, aber zu seinem Geburtstag sich & dem Hofer Publikum einen Strauß von 70 (!) Filmen schenkte, meist sehr muntere Porträtstudien von Personen, die ihn beeindruckt hatten – künstlerisch namhafte Freunde oder Nobody-Zeitgenossen aus seinem alltäglichen Berliner Lebens-Umfeld auf der Straße oder im »Preußenpark«, wo sich die Ostasiaten treffen.

     

    Der einst durch sein nachhaltig-folgenreiches filmisches Pamphlet Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (1971) sowohl berühmt wie »berüchtigt« gewordene Frankfurter hat eine ebenso subjektive wie erfrischend unaufgeregte dokumentarische Filmform gefunden & entwickelt, die man – erweckt durch die Neugier ihres nie voyeuristischen oder sensationalistischen Autors – gerne sieht & -hört. Seine sanfte Art des Fragens ist dabei sein größtes Kapital & dass er seine Gespräche atmosphärisch & poetisch bearbeitet zu nicht selten höchst gelungenen Features von rund viertelstündiger Länge, macht dieses »Spätwerk« zu einem kleinen filmischen Ereignis.

     

    Entdeckung einer neuen Begabung

    Der ebenso witzige wie originelle Kurzspielfilm Zu Dir? von Sylvia Borges war (für mich) die Entdeckung einer großen erzählerischen Begabung. Die von jungen Leuten, die sich eben erst in einer Disco kennengelernt haben, stereotypisch gestellte Frage nach dem folgenden Beischlafsort wird hier in ein  frühmorgendliches Spiel durch eine souverän gehandhabte Parallelmontage überführt. Jeder der beiden, die sich eben beim Tanzen körperlich nahe gekommen waren, geht in die Wohnung des anderen, was zu ebenso vergnüglichen wie indirekt sie wechselweise charakterisierenden  kleinen Abenteuern im Alltag führt. Der Drehbuchautorin & Regisseurin gelingt eine vollkommen austarierte Balance von Ironie & Ernst, Überraschung & Erwartung. In seiner beiläufigen Zärtlichkeit für ihre beiden Personen erinnert Sylvia Borges´ Zu Dir? sogar ein wenig an die ersten Kurzfilme von Truffaut & Godard.

     

    Eine zu schematische autobiografische Erinnerung

    Der 1955 in Paris geboren Olivier Assayas, der 2010 sein Epos über den Terroristen Carlos in Hof gezeigt hatte, wendet sich mit seinem jüngsten Film Après Mais -Something in the air der autobiografischen Beschwörung zu. Seine Education sentimentale stellt leider ihn selbst etwas zu demonstrativ in den Mittelpunkt einer Mehrpersonen-Geschichte unter politisch aktiven jungen französischen Linken, die in der Nach-Achtundsechziger Generation ebenso fanatisch wie libidinös politisch fruchtlose Streiks, agitatorische Broschüren & Filme, oder auch Straßenschlachten mit der Polizei inszenieren, gleichzeitig aber auch an ihrer sexuellen & erotischen Erziehung durch vorübergehende Liebesverhältnisse »arbeiten«.

     

    Vielleicht etwas zu schematisch blättert Assayas seinen trauernden Rückblick auf seine & seiner Generation militante Jugend & deren Abwege auf. Alle ihre unterschiedlichen (Irr-)Wege werden vorgeführt: sowohl nach Nepal als auch in den Untergrund, in die Drogenszenen oder die Einsamkeit der aussichtslosen Arbeitswelt. Seinen autobiographisch unterfütterten Helden – ein steckengebliebener Maler & Filmregisseur – lässt er als namenlosen Mitarbeiter einer weidlich parodierten Mainstream-Horror-Produktion in London enden. Abends führt er sich in einem Kino Experimentalfilme zu: als Gegengift zur täglichen Malaise im Arbeitsleben. Olivier Assayas hat aber keinen Experimentalfilm über seine Jugend gedreht, sondern eine leider doch öfters sehr platte historische Reflexion, deren Blickkontakt mit der Vergangenheit zu sehr vom ernüchterten Heute her bedingt ist.

     

    Die 1970 in Wien geborene Barbara Albert wagt sich an ein allzu sehr ausgeufertes Thema: die von ihrem Vater verschwiegene SS-Mitgliedschaft des Großvaters ihrer Heldin, die sie, als der Opa gestorben ist, auf eigene Faust & gegen den Willen ihres Vaters in Warschau & Auschwitz recherchiert. Vor allem das von Barbara Albert selbst verfasste komplexe Drehbuch (Die Lebenden) hat große Schwächen & wird gezeichnet von  Rührseligkeiten & kompromisslerischem politischen Revisionismus.

     

    So sei der Großvater nur als strafversetzter SS-Mann nach Auschwitz gekommen, seine »sensible« Ehefrau habe ihre dortigen Erlebnisse in Gedichten verarbeitet, der Vater schäme sich seiner Geburt im Vernichtungslager, sein politisch rabiater Bruder habe den Vater brutal »verhört« & seine dadurch angesammelten Kenntnisse in einem Roman verarbeitet, und die Heldin verliebt sich ausgerechnet auch noch in einen israelischen Fotografen, der für die Palästinenser eintritt.

     

    Hier wie in anderen Filmen der diesjährigen Hofer Auslese stand die Familie & deren prekäre Geheimnisse im Vordergrund. In Friederike Jehns Draußen ist Sommer zwingt die 14-jährige Wanda ihre Eltern, die sich erotisch auseinander gelebt haben, noch einmal am Küchentisch mit ihren drei Kindern das in sich verliebte Elternpaar zu mimen: erfolglos.

     

    Das japanische Meisterwerk

    Da ist Marie (Juliette Binoche), die Heldin in dem zweiten Film der einundvierzigjährigen Sylvie Testud (La vie d´une autre) glücklicher dran. Ihr gelingt es, die Ehe mit ihrem Mann zu restituieren, nachdem sie eines Morgens aufwacht & 15 Jahre ihrer Ehe vergessen hat – auch, dass sie es war, die gerade die Scheidung eingereicht hatte.

     

    Diese surrealistische Idee stammt aus dem Roman eines Mannes – nur hat die Regisseurin, die das Drehbuch schrieb, zugleich den Ursprungsplot auf den Kopf gestellt, um ihre Heldin, die im Roman passiv ist, im Film zu einer starken Person zu machen. Jedenfalls ergeben sich aus der quasi Bunuelschen Situation einer existenziellen Zeitverschiebung die amüsantesten Verwicklungen & das Pathos einer romantischen Amour fou, die bei Juliette Binoche »in guten Händen« ist.

     

    Der schönste, komischste, hintergründigste & tiefsinnigste Film der diesjährigen 46. Hofer Filmtage hieß Like someone in love und stammte von Abbas Kiarostami. Der iranische Meister, der in seiner Heimat nicht mehr ungehindert drehen kann, hat ihn nach seinem französisch-italienischen Copie conforme nun in Japan gedreht. Wieder ist es ein Liebesfilm, diesmal aber zugleich einer über die Kommunikation, deren Wahrheit & Lüge, & über Jugend & Alter.

     

    Es beginnt mit einem Blick in die Enge einer tokioter Bar & einer Frauenstimme aus dem Off, die offensichtlich am Telefon einen Mann abwehrt, der sich mit ihr treffen will. Es endet mit einer eingeworfenen Fensterscheibe in der Wohnung eines älteren verwitweten Professors, der sich diese junge Frau zuerst als sich Prostituierten bestellt hatte. Aber das Schäferstündchen findet nicht statt; der Alte fährt die Studentin zur Universität & sieht, wie sie sich mit einem Gleichaltrigen streitet. Kurz darauf kommt der junge Mann zu dem im Auto wartenden Alten, der ihn ins Auto einlädt. Er erfährt von dem Liebhaber, dass er seine Freundin durch eine Ehe an sich binden will. Als der junge Automechaniker aber später ahnt, dass der alte Mann an ihrer Seite nicht ihr Großvater ist, wie er vermutet hatte, dreht er durch, schlägt die untreue Freundin, um die sich der Professor, nun wie ihr Großvater, hilfreich & sie schützend kümmert.

     

    Das subtile Raffinement von Kiarostamis Ästhetik der Uneigentlichkeit ist die durchgängige Ironie, in die er die Zuschauer seines Films als dessen Zuhörer lockt & erzählerisch involviert. So entsteht eine nahezu kriminalistische Spannung in dieser Ästhetik der Diskretion & Verschwiegenheit; der Film – seine Personen & seine hintergründige Story – erschließt sich erst nach & nach aus Andeutungen, minimalen Informationen & Verweisen – wie schon in Ten, der SUV-Fahrt durch Teheran.

     

    Kiarostami verteidigt die Unschärfe des Lebens – wie der alte Professor seines Films, wenn er dem jungen Liebhaber erklärt, was er unter menschlicher Reife & Liebe versteht: Nämlich nicht immer alles wissen zu wollen. Deshalb singt er ihm auch im Auto Doris Days »Que sera, sera« vor, diese heitere Hymne auf das undurchschaubare Fatum des Lebenslaufs. »Wenn man neugierig ist«, sagte der große iranische Regisseur, der als Dichter Haikus schreibt, zu seiner wunderbaren Parabel in japanischem Ambiente, »dann erhält man mit Sicherheit genug Information, und jedes Mal, wenn man zu viel davon bekommt, funktioniert es nicht. Pornofilme sind ein gutes Beispiel dafür. Das ist nicht das wirkliche Leben: hier wendet sich alles gegen Emotionen, Gefühle und sogar gegen Sex. Zuviel Information ist eine Art von Pornografie.«

     

    Aber dass Abbas Kiarostami mit Like someone in love ein leichtfüßiges Meisterwerk gelungen ist: das dürfte eine Information von den diesjährigen Hofer Filmtagen sein, die nicht zu viel ist.

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