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Donnerstag, 20. Juni 2013 | 10:25

Neu im Kino: The Lorax

28.07.2012

Erst wenn der letzte Baum gefällt ist ...

… werden die Menschen begreifen, dass man Thneeds nicht atmen kann. Nur die Bürger von Thneed-Ville brauchen dafür länger. Den Samen für die Erkenntnis pflanzt der eremitische Once-ler (Ed Helms) in das Herz des 12-jährigen Ted (Zac Efron). Der Junge verlässt die Plastikparzelle, deren raffgieriger Bürgermeister (Rob Riggle) den Einwohner die Luft zum Atmen nimmt und dafür in Flaschen verkauft, um für seine Liebe Audrey (Taylor Swift) zu finden, was weder in Thneed-Ville und dem von einer Mauer verborgenen Ödland drumherum existiert: Bäume. Für die spricht Der Lorax, doch die Weisheiten der orangefarbenen Kreatur (Danny DeVito) sind dem Once-ler unverständig. Noch unverständiger ist für Chris Renauds und Kyle Baldas bonbonfarbene 3D-Adaption The Lorax Dr. Seuss gleichnamige Fabel. Von LIDA BACH

 

Den scheinbar naheliegenden Titel enthüllt die Erzählung als Fingerzeig, den die Neuverfilmung traurig voraussehend macht. Nicht die Stimme des Titelcharakters, sondern die des Once-lers ist beängstigend und sie ist in Dr. Seuss´ Novelle, was das Nichtwesen der Lorax ausmacht: die Stimme und ein Paar Arme mit Händen. Letzte nehmen, was sie in die Finger bekommen und stecken den Profit in die eigene Tasche. Eine unsichtbare Tasche mit unsichtbarem Gewinn, denn in der Vorlage gibt es nichts, das den wortwörtlich unermesslichen Verlust aufwiegen kann. Diese schlichte, doch profunde Botschaft der Voralge verfehlt deren Adaption nicht einfach. Sie verkehrt sie beflissen ins Gegenteil. Die unverwechselbaren Originalfiguren, die den Produzenten als Folie für überdrehte Animationen und zügelloses Merchandising dienen, und ihre kuriosen Eigennamen, die das Script ungeschickt zu kopieren versucht, sind mehr als die konventionellen Heldengestalten und Schurken, zu denen sie die Verfilmung reduziert. Sie sind wandelnde Metaphern.

 

Plastic Planet

Der Lorax steht für den Lebensraum, der verschwindet, wenn die durch die Truffula-Bäume symbolisierte Natur zerstört wird. Die ökologische Wechselwirkung verformt der Plot zu einer Trotzreaktion auf private Kränkung. Das Fortbringen der Tiere und mit ihnen des Haustiers des Once-lers erscheint als Revanche für die Zurückweisung, die der Lorax erfährt, und als Strafe für den Wortbruch des Once-lers. Die Natur rächt sich nicht und erteilt keine Lektionen. Sie lässt einen nicht einsam nachsitzen, um über seine Taten nachzudenken und sobald man beschwört, dass man die Lektion gelernt hat, zu den anderen zurückkehren. Die Natur ist kein Moralprediger. Und weil Theodor Geisel alias Dr. Seuss keiner war, verzerrte er sie nicht zu einem. Ken Daurio und Co-Autor Cinco Paul, die bereits am Script von Horton hört ein Hu zusammenarbeiteten, interpretieren den Lorax statt als Umwelt als Umweltapostel, der im Namen sittlicher Rechtschaffenheit handelt.

 

Kommerz-Kino mit Öko-Botschaft

Der Once-ler, der ursprünglich als Sinnbild der Industrie kein Gesicht hat, besitzt auf einmal zwei; das eines jungen Idealisten ähnlich Ted in der Handlungsgegenwart und eines symbolischen und buchstäblichen Außenseiters, dem die eigenen Ambitionen zum Verhängnis wurden. Letztes ist in der Vorlage noch Gier, die umso absurder wirkt, da sie sich auf einen imaginären Wert richtet. In dem knalligen Animationsabenteuer hingegen sind die Thneeds ein vielfacher Wert auf geistiger, wirtschaftlicher und emotionaler Ebene. Die Abhängigkeit von persönlichem Glück, Materialismus und Erfolg wird nicht kritisiert. Im Gegenteil etabliert Teds Romanze mit Audrey, deren Herz er durch Unternehmergeist und das Beschaffen einer Rarität gewinnt, das rationalistische Konzept. »I'm biggering my factory! … I'll take care of mine mine mine mine mine!«, frohlockt der Once-ler.

 

Dieses Credo leitete augenscheinlich auch die Marketingabteilungen diverser Firmen, für die Der Lorax zum Werbeträger wurde. Das Verschwinden des humorvollen Geists von Dr. Seuss´ aus der Filmlandschaft scheint mit der dritten missglückten Verfilmung nach The Cat in the Hat und The Grinch abzusehen. Wie der Titelcharakter anmahnt: »You have been warned!«

 

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