Das Gesicht hinter der Maske
Es trägt wie der Hauptcharakter und seine Widersacher eine Maske: die der effektiven Verbrechensbekämpfung, die ehrgeizige Gesetzeshüter wie John Blake (Joseph Gordon-Levitt) klagen lässt, bald werde nach überfälligen Bibliotheksbüchern gefahndet. Dahinter wuchern Korruption, Imperialismus und Exekutiveismus. Während die Armen und Schutzlosen darben, regiert Gotham eine Finanzoligarchie, repräsentiert durch den skrupellosen Daggett (Ben Mendelsohn). Der schmierige Banker sichert seine wirtschaftlichen Interessen durch Unterstützung internationaler Terroristen. Ihr Anführer ist der monströse Söldner Bane (Tom Hardy), ein Gegner, der weniger durch seine muskelbepackte Statur erschreckt als seine kaltblütige Dialektik.
Die Obrigkeit habe den Bürgern eine Lüge aufgetischt, um sie daran zu hindern, ihre Institutionen niederzureißen, verkündet Bane. Der Bevölkerung, die er mit einer Anschlagserie unterwirft und mittels einer Nuklearbombe als Geisel hält, verspricht er Freiheit durch Anarchie. Letzte ist tatsächlich militaristische Unterdrückung durch einen Warlord, der das Kriegsrecht ausruft.
Der amerikanische Alptraum, der sich auf der Leinwand erfüllt, ist die Kehrseite der Rechtsdiktatur, die zuvor als Sicherheit präsentiert wird. Von der unscharfen Grenze zwischen Held und Schurke wandert Nolans Fokus in The Dark Knight Rises auf die Grenze zwischen Recht und Unrecht. Auf seinem Feldzug annektiert Bane systematisch die Waffen der Staatsgewalt, deren krankes Rechtssystem eine von Scarecrow (Cillian Murphy) geführte Feme parodiert.
Terrorismus, Totalitarismus und Wirtschaftskriminalität lassen buchstäblich einen Winter des Missvergnügens für Gotham City anbrechen und Waynes Billionen zerbröseln in fingierten Börsenspekulationen. Mitverantwortlich dafür ist die undurchsichtige Selina Kyle alias Catwoman (Anne Hathaway). Die verführerische Diebin warnt Blake, dass Gordon ein Sturm erwarte. Er ist die Ernte, zu der Batman und der Kommissar in The Dark Knight selbst den Wind säten. Korrumpierung macht die Mittel des Gesetzes zu Waffen in den Händen der Bösen, lautet Gordons bittere Revision, in der die Brüder Nolan scharfe Gegenwartskritik üben.