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Snow White and the Huntsman - im Kino!

31.05.2012

Schneewittchen im Rampage-Modus

Regisseur Rupert Sanders spickt seinen Debütfilm mit Elementen aus Herr der Ringe und erschafft aus dem Kindermärchen einen düsteren wie auch dreckigen Fantasy- Mutant. Wetzt eure Schwerter und sattelt euer Muli – es geht in die Schlacht. Von VIKTOR RUCHOTZKI

 

Wer jetzt schon grölt: «Oh Alt! Die Story kenn ich schon.», behält nur bedingt Recht. Zwar bleibt der Kern des Grimm-Märchens inhaltlich bestehen, jedoch taucht Regisseur Sanders den geschichtlichen Grundton in ein finsteres Teerbecken und entraubt diesem die kindliche Unschuld: Raffgierige Killerzwerge, wütende Trolle, meuchelnde Waldgeister und eine frauenterminierende Königin ziehen dem Märchen die Kinderschuhe aus.

 

Zudem liegt nicht die Geschichte selbst im Fokus, sondern dessen visuelle Gestalt. Mit stilvollen Effekten reißt der Film mit der Wucht eines Wagenhebers die Kinnlade des Zuschauers runter. Besonders die Auftritte der bösen Königin fegen wie ein Laubbläser den Staubmantel von den Augen: Beispielsweise taucht ihr nackter Körper aus dem sterilen Kleopatra- Milchbad und wird, wie eine zweite Haut, vom weißen Guss überzogen. Als Zuschauer staunt man nur hypnotisiert über die hervorragende Film-Ästhetik. Solch visuell beeindruckende Ideen erstrecken erfreulicherweise über die gesamte Laufzeit.

 

Brechmittel: Feenstaub

In der zweiten Filmhälfte landen Schneewittchen und der Jäger bei den Zwergen in einer Parallelwelt. Diese ist von Feen, kleinen Waldtieren und  fruchtbaren Wiesen überzogen. Jedoch wirkt, abgesehen von der Zwergenbande, der gesamte Kosmos dermaßen zuckersüß, dass schnell der Würgereflex anspringt. Derart abnormal niedliche Feengesichter in Großaufnahme passen höchstens in einen Barbie-Animationsfilm auf Super-RTL.

 

Zudem verliert der Streifen in eben dieser zweiten Hälfte auch an Drive. Zuvor herrscht ein gut getimter Wechsel zwischen Action-Sequenzen und ruhigen Dialogen. Doch plötzlich: Resignation! Zu lange dümpeln die Charaktere in der unerbittlich schönen Zauberwelt und kriegen den Action-Motor lange nicht zum Laufen.

Eine andere Fremdschäm-Szene ist die Braveheart-ähnliche Kampfansprache von Schneewittchen zu ihren Soldaten. Zumindest in der deutschen Synchronisation klappen dem Zuschauer schnell mal die Fingernägel hoch, wenn der schwülstige Pathos aus ihrem kleinen Sprechorgan pumpt.

 

Mustergültiges Dreiergespann

Genug gemotzt. Auch wenn der Film an manchen Ecken hakt, überzeugen neben den Effekten und der düsteren Atmosphäre vor allem die sympathischen Schauspieler. Die Twilight- Schnalle Kristin Stewart passt hervorragend in die Rolle des Schneewittchens: Mit ihrem unschuldigen Gesicht und dem einnehmenden Charme kann man sie nur lieb haben.

 

Ebenso Chris Hemsworth. Bekannt als Comic-Superheld Thor, präsentiert er sich nun als rauer Prügel-Alki, der mit lockeren Sprüchen durch das Geschehen rumpelt. Charlize Theron, Die Superheldenmami aus dem Hancock-Film, mimt diesmal die böse Königin. Zwar lässt sich ihr aufbrausendes Overacting bekritteln, jedoch wirkt sie glaubwürdig in ihrer stetigen Hysterie. Denn wer die ewige Jugend nur als einziges Lebensziel beansprucht, geht halt schnell an die Decke, wenn es nicht klappt.

 

Fazit:

Der Film ist eine Effekt-Maschine, der mit stilvollen Animationen und einem düsteren Setting über lange Zeit zu fesseln weiß. Wer die gnadenlos süßen Feen wegstecken kann, bekommt hier ansonsten ein dreckigen Streifen mit sympathischen Schauspielern und leicht geänderter Geschichte. Sofern man Herr der Ringe toll findet, kann man mit diesem Sommer-Blockbuster nicht viel falsch machen. An das große Vorbild reicht es zwar nicht heran, jedoch sorgt der Film für einen unterhaltsamen Kinobesuch.

 

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