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    Samstag, 29. April 2017 | 11:33

    Ecce Homo. Un Portrait de Célestin Deliège. Un film de Guy-Marc Hinant & Dominique Lohlé.

    24.05.2012

    Ecce Homo

    »Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei deren Begegnung gesagt haben, Nietzsche nannte seine Autobiografie so. Auch Guy-Marc Hinant und Dominique Lohlé bedienen sich bei dem tradierten Spruch als Titel ihres Portraits zum französischen Musikwissenschaftler Célestin Deliège. Von KRISTOFFER CORNILS

     

    »Es ist sehr schwierig zu sagen, was das 21. Jahrhundert für uns bereithält. Sehr schwierig. Denn es gibt demokratische Veränderungen. Und Demokratie hat negative Auswirkungen auf die Kunst. (…) Demokratie bringt mehr Menschen in die Kunst, und das tötet die Kunst. Indem es die Ansprüche abmildert, indem es die Innovation abmildert.« Starke Worte von einem Mann, der sich kaum einen Widerspruch zu dulden scheint. Zusammengesackt sitzt er im Stuhl, sein Alter ist dem 1922 geborenen Franzosen deutlich anzusehen. Seine Hände zittern, er redet mit brüchiger Stimme, scheint kaum noch etwas zu sehen. Sein Geist aber ist hellwach. Und wenn er spricht, kann er sich der ungeteilten Aufmerksamkeit aller im Raum befindlichen Personen sicher sein.

     

    »Tasten-Musiker«

    Wer aber ist Célestin Deliège? In der deutschen Wikipedia gibt es nicht einmal einen separaten Eintrag zu ihm, in der Kategorie »Celestine bzw. Celestin als Vorname steht für« findet sich lediglich der knappe Vermerk: »Tasten-Musiker«. Auch das eindringliche Portrait von Hinant und Lohlé gibt über die Biografie des Franzosen wenig Auskunft – es geht um das Hier und Jetzt, Deliège in der Gesprächssituation. Mit Musikwissenschaftlern, Musikern und Komponisten wie Decroupet Pascal, Francois Nicolas, Fred Lerdahl, Hugues Dufourt, Antoine Bonnet und dem Ensemble Ictus sitzt Deliège zusammen oder allein vor der Kamera. »Ich habe deutlich gesagt, dass ich nicht will, dass sich dieser Film um mich dreht«, weist er die Filmemacher einmal entschieden zurecht. Dabei steht er doch die ganze Zeit im Mittelpunkt, dafür sorgt er selbst.

     

    2010 verstarb der einflussreiche Musikwissenschaftler, der vor allem für seine Gespräche mit Pierre Boulez bekannt war und an den Konservatorien von Liège, Brüssel und der Pariser Sorbonne unterrichtete. Der Respekt, den er sich dabei erarbeitet hat, bleibt scheinbar auf die wenigen Menschen beschränkt, die ihn erlebt haben. Aber sie sind voll davon. Das wird deutlich, obwohl Hinant und Lohlé ihr Portrait in derselben chaotischen Manier gefilmt haben wie ihre Expedition in die Noise-Szene Chinas. Die dilettantisch aufgenommenen Szenen rauben den Situationen jegliches Pathos. Das war wohl ganz im Sinne Delièges, der mit beklemmender Nüchternheit davon spricht, dass er gerade seine letzten Tage durchlebt – und auch damit hatte er Recht: Im April 2010 verstarb er. 

     

    Siehe den Menschen

    Ebenso nüchtern lässt er sich zum Thema Musik aus, konstatiert, dass es die Neuerungen nicht mehr gebe, die das 21. Jahrhundert so dringend notwendig habe – Ecce Homo zeichnet das Portrait eines scharfsinnigen Realisten, aber auch das eines Skeptikers, der auf einen enormen Wissensfundus zurückgreift. Er sagt kaum etwas, das nicht mit Musik zu tun hat und wenn, dann bleibt er auf sachlicher Ebene, unterbricht ein Interview, um eine Jahreszahl nachzuschlagen, fällt seinen Gesprächspartnern abrupt ins Wort, wenn diese etwas Falsches oder für ihn Irrelevantes sagen, zitiert Boulez und andere aus dem Gedächtnis.


    Doch zwischen all den verwackelten Kameraaufnahmen und stellenweise kreuz- und querlaufenden Diskussionen schaffen es Hinant und Lohlé auch, einen Eindruck von einem passionierten Hörer zu vermitteln. »Musik zu hören ist mysteriös«, stellt er noch sachlich fest, an anderer Stelle wird aber erkenntlich, was er meint: Als er über Fausto Romitellis An Index Of Metals spricht, ist er von eben der Bewunderung gezeichnet, die sonst ihm entgegen gebracht wird. Mit Sicherheit der intimste Moment, den das gesamte Portrait einfängt, und dabei sitzt Deliège doch mitten in einem Kreis von Fachgelehrten und Komponisten. Siehe da – da ist er, der Mensch Deliège. Dieser Mensch, der nur auf eine Frage keine Antwort geben kann, die ihn selbst befriedigen würde: Was empfindet man, hört man zum ersten Mal noch unbekannte Musik? Deliège versucht sich an vielen Antworten, schweift völlig ab, und gibt auf: »Ich weiß nicht – was denken Sie?«

     

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