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    Samstag, 29. April 2017 | 11:32

    Polizeiruf 110: Bullenklatschen (MDR), 20. Mai

    19.05.2012

    Verstaubt ohne Ende

    Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls beginnt es so, und hier wird auch der Mord verübt: an einem Polizeibeamten. Wo genau? In einem gentrifizierten Altbauviertel. Diese Konstellation (Buch: Matthias Herbert) liefert Verdächtige vom Fließband: Pazifisten, Systemgegner, Architekten, Zufallsgäste. Von WOLF SENFF

     

    Die erste Hälfte von Bullenklatschen also mit reichlich Punk; einen gibt’s – »Er hat sein Abitur mit Einskommazwei gemacht« –, der dem Kommissar schon mal lässig entgegenhält, er sei »billiger Handlanger kapitalistischer Unterdrücker«, und es gibt den Hinweis seitens der piefigen Assistentin Nora Lindner (Isabell Gerschke), dass »bei den Straßenschlachten in Berlin am 1. Mai ner Kollegin die Waffe gestohlen« wurde.

     

    Das gibt zu denken. Will man uns in verschärfter Version noch einmal die Frontlinien der achtziger Jahre vorführen (Regie: Thorsten Schmidt)? Oh ja, der geBILDete Bürger kennt die heimtückischen Ziele der Pazifisten, der Einserabiturienten, der Gewalttäter und von Günter Grass! Aber weshalb wird nun auch dem Fernsehpublikum diese niveaulose, hasspredigende BILDung  eingeblasen? Dieses Blatt besteht nunmal, wer wüsste das nicht, »aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht« (Die Ärzte).

     

    In seiner zweiten Hälfte entlässt Bullenklatschen diese Klientel aus dem Blickfeld und wendet sich den unseligen Verwicklungen zu, die das zügellose Treiben der Liebe unter den Menschen anrichtet. Rosamunde Pilcher lässt grüßen. Ob jemand den Ehering trägt – wen interessiert’s? »Diese verdammte Schlampe […], die hat schon immer alles kaputtgemacht.« So kann man das sehen, alles in allem.

     

    Oder, in den Worten von Hauptkommissar Schmücke (Jaecki Schwarz): »Stehste hier, Fall ist gelöst, und es gibt nur Verlierer.« Doch auch das ist holzschnittartig, grob gefügt und trägt eine Sentimentalität in den Film, die überzogen und kitschig wird: »Mutter hatte recht, alles gleicht sich aus im Leben« (Abschiedsbrief nach Suizid). So isses. Alles Schlampen außer Mutti. Oder: »Warum? Warum muss sich alles wiederholen?« Da bleibt nur eines: Heul doch!

     

    Was außerdem stört, ist eine angestrengte Grundstimmung, die sich durch den Film zieht. Manches will einfach nicht passen. Weshalb, liebes Drehbuch, hat Nora Lindner eine Spinnenphobie? Gut, sie ist überaus korrekt und schreit im Verhör auch schon mal einen Verdächtigen an – nur erkennt man keine überzeugend konstruierte Persönlichkeit. Und überspannt, das ginge anders. Oberkommissarin Lindner wirkt nicht einmal gestresst, sie ist einfach nur fad, piefig fad.

     

    Dann überrascht ein überaus heftig ausbrechender Streit zwischen Ehefrau und Geliebter des Dahingeschiedenen, ebenso eine langgezogene Szene, in der diese Geliebte von ihren Kollegen gemobbt wird. Eine Lagebesprechung vor der Pinnwand, die zur erneuten Inspektion des Tatorts führt, ist keine originelle Methode, der Aufklärung eine neue Richtung zu verleihen. Nein, vom Hocker reißt dieser Polizeiruf nicht. Dass Punk- und Anarchoszene bürgerschreckmäßig inszeniert werden, wir erwähnten es, ist ein alter Hut, verstaubt ohne Ende. Was soll das?

     

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