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Dienstag, 21. Mai 2013 | 18:57

Lockout - jetzt im Kino!

31.05.2012

Planlos im Weltall

»Ist der eigentlich Zweck von MS One nicht, die Auswirkungen des Weltalls auf den menschlichen Organismus zu testen?« - Exakt das ist der Zweck der Raumstation, der Emilie (Maggie Grace) einen Besuch abstattet. Hauptfaktor des perfiden Experiments ist künstlich erzeugter Schlaf. »Trifft dieses Schicksal auch den Zuschauer?«, fragt LIDA BACH.

 

500 Schwerverbrecher dämmern in Kältekammern in dem kosmischen Hochsicherheitstrakt. Die strafrechtliche Interpretation von »Silent Running« ist das Gefängnis der nicht allzu fernen Zukunft: ausbruchssicher, platzsparend, unbürokratisch. »Und zugleich haben Sie Versuchskaninchen ohne Rechte«, meint Emilie, der ein Wachmann verspricht: »Sie sehen jetzt eine kleine Show!« Oder ist der Dialogsatz zynische Verhöhnung der Filmkritiker, die sich selbige mit ihr ansehen müssen?

 

Schlafen die Häftlinge an Bord der MS One womöglich nur, weil sie den kruden Actionreißer schon gesehen haben? Wenn ja: War das Ansehen Teil ihrer Strafe? »Beim ersten Lesen musste ich lauthals lachen«, gesteht Maggie Grace im Interview an das Drehbuch. Verfasst haben es Stephen St. Leger und James Mather, die mit Lockout ihr Langfilmdebüt geben. Die dramaturgische Handschrift indes zeugt von einem anderen: Co-Autor Luc Besson, der auch die Idee lieferte. Weit über diese hinaus ist das Trio nicht gekommen bei dem Plot, den die Tagline des Filmposters in voller Komplexität ausmalt: »Allein gegen 500... Wo ist das Problem?« Ja, wo eigentlich? Dramatisch wird dies nie wirklich klar, dramatisch ist es, dass im Undercover-Einsatz von Ex-CIA-Agent Snow nie eines erscheint.

 

Morons from Outer Space

Der von Guy Pearce genüsslich chargierte Actionheld der alten Schule muss (allein) aus dem nach einem Zwischenfall von den (500) Häftlingen übernommenen Weltraumknast Emilie befreien, die dummerweise die Tochter des US-Präsidenten ist. So lägen die Fakten in dem Fall, resümiert Snows Widersacher Langral (Peter Sormare). »Soll ich Ihnen die Pointe verraten?« Die sitzt vor ihm: der Hauptcharakter selbst, eingefroren in der Hochzeit billiger Action-Exploitation und aufgetaut in schludriger PC-Grafik, gleich den Häftlingen übervoll mit aufgestauten Aggressionen. Ein sturer Zigarettenraucher unter Nüsseknabberern, der Kaugummi kaut, als würde er einen unsichtbaren Doppel-Whopper verschlingen.

 

»Und ich dachte, Sie seien Demokratin«, bemerkt Snow beiläufig, als die zur Überprüfung der humanitären Standards angereiste Emilie Maschinengewehrsalven auf die Häftlinge feuert. Keine Sorge, Demokrat ist in der rabiaten Selbstparodie niemand. Schon gar nicht das Regie-Duo, deren Künstlername Saint & Mather vage Assoziationen mit dem Brüderpaar im Zentrum der filmischen Schurkerei (Vincent Regan, Joseph Gilgun) weckt und klingt, als würden sie Versicherungen verkaufen. Eine solche scheint auf kommerzieller Ebene die Schirmherrschaft von Besson, dessen reaktionäres Air den ungenierten Spaß an dem schundigen Science-Fiction verdirbt.

 

Space Cop

Schwarze beim Geheimdienstagenten sind entweder unfähig oder korrupt. Strafanstalten im Weltall funktionieren einfach nicht, schon seit Alien 3. Stattdessen demonstriert Emilie Papa Präsident, wie effektive Gefängnispolitik aussieht: wie die spektakuläre Explosion einer gigantischen Raumstation im Weltall. »Jagen Sie den ganzen Scheißehaufen endlich in die Luft!«, fordert Emilie. Bewährung abgelehnt. Gefängnismitarbeiter? Kollateralschaden. Dessen Verursachung sieht man übrigens nie, vermutlich, weil das sichtlich beschränkte Budget in Guy Pearce Muskeln investiert wurde. »Ich habe im Kraftraum trainiert und massiv Gewicht zugelegt, aber das war keine große Sache.« Die eigentliche Herausforderung sei, möglichst überzeugend zu wirken. Bezogen auf den Einsatzauftrag seines Filmcharakters gelingt ihm das: »Aktivieren Sie das Schlafgas, Snow!« Testergebnis: Zzzz

 

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