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    Montag, 26. Juni 2017 | 03:44

    FUCK YOU. Fucking Noise in China now! A film by Guy-Marc Hinant & Dominique Lohlé

    26.04.2012

    Opake Community

    Was bietet sich den besser an, als Avantgarde-Musik und politische Aussage zusammen zu denken? Mit dieser Annahme gingen Guy-Marc Hinant und Dominique Lohlé nach China, um von den interviewten Noise-Künstlerinnen und -Künstlern gehörig enttäuscht zu werden. KRISTOFFER CORNILS über einen Dokumentarfilm, der bravourös scheitert.

     

    »Sie fühlen Schmerz, geben dem aber keine politische Bedeutung«, bringt es Sun Meng Jin in Hinsicht auf seine jüngeren Kolleginnen und Kollegen auf den Punkt. Er gibt Hinant und Lohlé nicht die Antworten, die sich diese wohl erhofft hatten. Die meisten anderen Akteure der chinesischen Noise-Szene geben ähnliche Statements von sich. Wang Changcun würde nicht einmal so weit gehen, seine Werke als Noise zu bezeichnen, sagt er, es handle sich einfach um Musik. »Avantgarde heißt, dass es sinnlos ist. Du kannst alles machen.« Und als das noch nicht genug ist, legen die Bandmitglieder von Torturing Nurse noch einen drauf: »Wir sehen uns nicht in Opposition zur Gesellschaft. Wir zeigen die Dinge lediglich, wie sie sind. Gegen die Welt anzugehen, macht keinen Sinn. Was wir mögen, das ist Diversität«.

     

    Die beiden französischen Dokumentarfilmer treffen auf eine grundlegend andere Einstellung gegenüber Musik und Politik, als sie eigentlich erwartet hätten. Egal wie sehr sie die interviewten Acts womöglich mit Fragen bombardiert haben, die Antworten fallen mager aus. Selbst als sich der polnische Noise-Artist und notorische Weltenbummler Zbigniew Karkowski immer häufiger einschaltet. Neben wütenden Monologen über die »tote Kunst« der zeitgenössischen Musiklandschaft interviewt er auch Li Jian Hung, der sich in Bezug auf die Politik seines Heimatlandes noch zu einem »es ist scheiße« hinreißen lässt, mehr nicht. Anlass genug für Karkowski, sich über die jungen Kolleginnen und Kollegen zu echauffieren, die eine »Superangst« hätten und »gehirngewaschen« sein. »Ich glaube dir nicht«, antwortet Karkowski Li Jian Hung mit einem leichten Grinsen.


    Sowieso scheint sich der Film nach und nach mehr um Karkowski zu drehen, den umtriebigen Künstler, den es 1994 nach Tokyo verschlug, und der die ersten und letzten Statements des Films von sich gibt. Eine quälend lange Zeit filmen ihn die beiden beim Soundcheck in einem chinesischen Whitecube mit wackelig-improvisierten Aufnahmen, die FUCK YOU den überwiegenden Teil der Zeit bestimmen. Oder aber sie lassen Karkowski während einer Autofahrt über seine Anfangszeit in Japan erzählen. Wenn er nicht schweigend aus dem Fenster schaut. Was, stellt sich die Frage, hat das eigentlich noch mit der chinesischen Noise-Szene zu tun?

     

    Wenig vielleicht, dafür schleicht sich in den Film langsam etwas anderes ein, das immer offensichtlicher wird. Die eurozentrische Sichtweise wird ausgiebig entlarvt, dieses FUCK YOU ist das einer opaken Community, die keine Bedeutung von außerhalb an sich herantragen lassen möchte. Hinant und Lohlé nehmen ihre eigene Tollpatschigkeit aufs Korn – mehrmals schwenkt die Handkamera auf den Tontechniker des Films, der achselzuckend sein Richtmikrofon schwenkt, bei fast jedem Interview verschwinden die interviewten Künstlerinnen und Künstler hinter dem Kopf des Interviewers. Sie werfen fast unbewusst die Frage auf, ob die angestrengte Suche nach politischer Bedeutung im Noise-Kontext nicht schon einen Akt der Transgression bedeutet. Und gleichzeitig bleiben Zweifel, ob Karkowski nicht vielleicht doch recht hat und sich niemand recht traut, etwas zuzugeben.


    Sung Meng Jin spricht darüber, dass die Freiheit ihm im Leben am meisten bedeutet, hat er doch durch das Beispiel seines Vaters, eines Malers, mitbekommen, was politische Unterdrückung bedeutet. Kurz darauf scheint er sich etwas unsicher umzuschauen, überall sind Menschen. Aber auch das könnte täuschen, das ist nach diesem souveränen Scheitern der Dokumentation FUCK YOU deutlicher denn je.

     

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