TITEL kulturmagazin
Mittwoch, 29. März 2017 | 19:12

Polizeiruf 110 (MDR) - Raubvögel (18.03.2012)

15.03.2012

Selbstbewusste Mädels, zickige Züge

Auf einem stillgelegten Industriegelände in Halle wird ein junger Mann tot aufgefunden, der dort nicht ermordet wurde. Er war - wie sich bald herausstellt - in allerlei Machenschaften verstrickt. Ein Luftikus, immer gut für ein Projekt auf Wolke Sieben, und nicht immer im Rahmen der Gesetze. Doch was soll man tun, wenn man der geliebten Frau ein Hotel aufgeschwatzt hat? Und gern macht er sich zunutze, dass er von zwei Frauen angehimmelt wird. Das ist der Stoff, aus dem der POLIZEIRUF wächst ... Von WOLF SENFF

 

Raubvögel ist gar nicht darauf angewiesen, sich mit Terrorismus, Kindesmisshandlung, Entführung/Erpressung, Geiselnahme aufzubrezeln (Drehbuch: Andreas Pflüger). Bekritteln kann man allenfalls, dass die Rekonvaleszenz von Hauptkommissar Schmückle (Jaecki Schwarz) allzu viel menschelnden Umgang hervorruft. Dass er sich auch noch die Rolle als verdeckter Ermittler einfallen lässt - geschenkt. Zufall wird in hohen Dosen gereicht.

 

Davon abgesehen muss man schätzen, dass Raubvögel - sozusagen zwischen den Zeilen - unsere unterschiedlichen Kulturen in Ostland und Westland zu seinem heimlichen Thema macht: angenehm zurückhaltend, unübersehbar, nicht ohne Humor.

 

Zuallererst fällt Quedlinburg auf. Wir sehen zwar nur wenige Bilder, doch sofort stehen uns diverse Kleinstädte in Westland vor Augen, deren Zentren während der Achtziger Jahre durch einheitlich rot verklinkerte Fußgängerzonen verunstaltet wurden. Da kann man nur froh sein, dass in der DDR die Stadtkerne vor räuberischem Zugriff gieriger Geschäftemacher geschützt waren! Auch Banken gab’s keine, die Staat und Bürger geplündert hätten. War alles unter Kontrolle und alles im Plan.

 

Zum selben Thema fällt das Design der Frauenfiguren auf. Oberkommissarin Lindner (Isabell Gerschke) ist »westlich« gestrickt: kontrolliert, intellektuell, erotisch à la: Blickt einer ner Frau lange nach, und beide denken: Was’n Arsch! Die Lebensgefährtin des Mordopfers (Henny Reents als Jenny Münzer) ist »östlich« aufbereitet: unbefangen, liebenswürdig, emotional. Zwei selbstbewusste, kluge, sympathische Frauen, deren Kontraste überzeugend inszeniert sind (Regie: Esther Wenger). Die dritte, Maria Wanka (Esther Zimmering), Ehefrau des Opfers, bringt zickige Züge ins Spiel.

 

Und die Kommissare: Hauptkommissar Schneider (Wolfgang Winkler) zeigt sich in seiner Datsche am See, die Ermittler gehen miteinander um wie ins reife Alter gekommene Freunde. Als Schmückle sich der Jenny Münzer als Polizist zu erkennen gibt, ist diese ehrlich enttäuscht, nimmt ihm aber das Versteckspiel nicht wirklich übel. »Sie müssen mit mir reden«, sagt er, »sonst passiert ein noch viel größeres Unglück.« Dieser gemütliche Anschein täuscht. Raubvögel verzichtet weiterhin auf Alarmismus und Psychologisierung und bleibt ein spannender Krimi. Und im letzten Drittel kommt der Titel zur Geltung: Raubvögel. Der Film wendet sich den Konsequenzen der Habgier zu und entfaltet neue Dynamik.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:
Schade nur, dass der Film wie Kasperltheater gespielt wurde. Und, ehrlichgesagt: die Figuren waren aber auch danach, oddr?
| von Joachim Fildhaut, 19.03.2012

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Petraeus und sein Stab

Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

10 Gründe, Engelmann zu lieben

Aufgelistet von BRIGITTE HELBLING

Der Spielplatz macht zu

Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter