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    Freitag, 21. Juli 2017 | 04:33

    Hans-Dieter Grabe. Dokumentarist im Fernsehen

    08.03.2012

    Dokumentarfilm als Einmischung

    Unsere Medienwelt verleitet zur Selbstdarstellung. Der Typus ist allgegenwärtig: Jeder kennt ihn, er kommt regelmäßig in den Tratschkolumnen vor, er scheint wichtig, weil man von ihm redet, aber das Werk, das ihm eigentlich Bedeutung verleihen sollte, ist kaum der Rede wert. Bei Hans-Dieter Grabe ist es umgekehrt. Er macht nicht viel Aufhebens um seine Person. Er ist ein Stiller. Umso bemerkenswerter sind seine Filme. Sie gehören zum Besten, was im Bereich des deutschen Dokumentarfilms entstanden ist. Von THOMAS ROTHSCHILD

     

    Stilistisch unterscheiden sich Grabes Filme. Er hat verschiedene Verfahren ausprobiert. Aber es gibt einige Gemeinsamkeiten. Grabes Filme interessieren sich für den einzelnen Menschen, sie nähern sich ihm mit Respekt, ja mit Zuneigung. Sie suchen nach dem Konkreten, nach dem alltäglichen Leben, nicht nach abstrahierbaren Grundsätzen und Modellen. Sie sind einem geschichtlichen Denken verpflichtet und einem elementaren Verständnis von Anstand, das die Zyniker gerne belächeln.

     

    Die fünf DVDs enthalten dreizehn Filme unterschiedlicher Länge aus den Jahren 1970 bis 2008. Gleich die erste DVD stellt zwei frühe Filme nebeneinander, die Grabes Stärken belegen. Mendel Schainfelds zweite Reise nach Deutschland widerlegt die pauschale Verdammung von »Talking Heads«. Es ist ein Gesprächsfilm, bei dem der Zuschauer nicht mehr benötigt, als das Gesicht des Mannes Schainfeld, um seiner Geschichte gefesselt zu lauschen. Nur leichte Kämpfe im Raum Da Nang wiederum erzählt ein Kapitel aus dem Vietnam-Krieg. Es gab den Anstoß zu einer Langzeitbeobachtung, zu mehreren Filmen, die 1998 zusammengeschnitten wurden zu Do Sanh – der letzte Film, der in dem vorliegenden Paket enthalten ist. Auch zu Menden Schainfeld ist Grabe später zurückgekehrt. Er gehört nicht zu jenen Dokumentaristen, die das »Objekt« ihrer Filme vergessen, sobald diese abgedreht sind, als wäre es totes Material.

     

    Er nannte sich Hohenstein ist Grabes exemplarische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. In diesem Film beschäftigt ihn ein Täter. Grabe will seiner Denkweise auf die Spur kommen, seinen Motiven und seinen Selbsttäuschungen. Filmisch ist dies ein Versuch, einen Menschen zu porträtieren, mit dem man nicht mehr sprechen kann, von dem es nur wenig Bildmaterial gibt. Grabe hat diese Aufgabe virtuos gemeistert. Hohenstein war ein ganz und gar undämoni­scher bildungsbürgerlicher Verwalter im besetzten Polen. Mögen ihn auch manche Grausamkeiten und Lächerlichkeiten von Gestapo, SA und SS empört haben: Es waren scheinbar ganz normale Menschen wie er, die das Räderwerk des Nationalsozialismus am Laufen hielten. Dieser Typus dürfte weitaus häufiger gewesen sein als die Schind­lers oder auch die Göths. Für eine Spannungsdramaturgie freilich eignen sie sich nicht. Aber dieser Film ist eine Ausnahme in Grabes Werk. Die Opfer interessieren ihn gemeinhin mehr als die Täter.

     

    Ein im besten Sinne »altmodischer« Dokumentarist, verhilft Grabe den von der Gesellschaft Benachteiligten und Vergessenen zu Öffentlichkeit. Statt, wie manche jüngere Kollegen, ständig von sich, den eigenen Gefühlen und Gedanken zu reden, verschafft er den ansonsten Ignorierten Gehör und nimmt sich dabei selbst zurück. Dass es mit der Gesinnung nicht sein Bewenden hat, dass er für seine Stoffe stets auch die adäquate Form findet, macht das Werk Grabes zum Interessantesten, was das deutsche Fernsehen hervorgebracht hat. Ob das in Zukunft noch möglich sein wird, da man sich für die eigene aufklärerische Tradition eher geniert, statt auf sie stolz zu sein, ist die Frage.

     

    Foto: © Absolut Medien Berlin

     

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