Privataffären
Seinen Kosenamen gibt ihm, wie sollte es anders sein, eine seiner weiblichen Bekanntschaften. Die jüngste der Protagonistinnen, die Georges die dem opportunistischen Charmeur verfallen, durchschaut als erste und einzige seine gewandte Larve des Liebhabers und erkennt in ihm einen Gleichrangigen. Ein Kind, geistig noch unreifer als es die kleine Tochter von Georges neuer Bekannter Clotilde (Christina Ricci) selbst ist, und dazu eines, dass immer zu haben versucht, was es nicht kriegen kann. Das Fangspiel der beiden ist pointierte Metapher für die amouröse Jagd nach den Frauen, die seinen gesellschaftlichen Ambitionen nützlich sind, und die Variabilität seines Verführungstalents. Das Spielen mit der Tochter ist nur Mittel zum Zweck, um deren Mutter zu gewinnen; eine Strategie, die Georges ebenso erfolgreich umgekehrt anwendet.
Der durchtriebene Parvenü ist kein Casanova, er ist ein Karrierist. Bei jeder seiner Eroberungen denkt er nur an die soziale Stufe, die er mit Hilfe der Geliebten erklimmen kann. Ob er in ihr Bett kommt, ist ihm im Grunde gleichgültig; er will in den gesellschaftlichen Kreis, den sie repräsentiert. »Die wichtigsten Leute in Paris sind nicht die Männer«, verrät ihm die scharfsinnige Madeleine (Uma Thurman). »Die wichtigsten Leute in Paris sind ihre Frauen.« Ihre Sympathie nutzt Georges aus, um eine Anstellung als Journalist zu finden, ihre Fürsprache um Redakteur zu werden, ihre Intelligenz, um das politische Parkett zu betreten. Die systematischen Verstrickungen von Politik, Medien und Geldgeschäften vernachlässigt der gefällige Ausstattungsfilm zugunsten einer Riege unterentwickelter Filmfiguren, die nicht ansatzweise die Komplexität der Romancharaktere besitzen.
Die gesellschaftliche Demaskierung, die der pikanten Novelle mit Bravour gelingt, verkümmert im Rahmen adretter Beliebigkeit. Exzellente Nebendarstellerinnen und nie kompromittierende Pikanterie machen die dramaturgische Oberflächlichkeit umso schmerzlicher, die Bel Ami mit dem Titelcharakter teilt. Mit den Worten Madeleines: »Ich hatte kein Konzept vom Ausmaß deiner Hohlheit.«