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    Montag, 26. Juni 2017 | 03:42

    Friedrich II. und der Film. Heiteres und Ernstes aus fünf Jahrzehnten

    12.01.2012

    Der gütige Führer

    Wer Faschismus und Nationalsozialismus als das ganz Andere denkt, verschleiert mehr als er erklärt. Es stimmt weder strukturell, noch historisch. Der Totalitarismus ist bereits angelegt, wo der demokratische Staat sein Gewaltmonopol missbraucht und von der Verfassung vorgesehene Freiheiten einschränkt. Und auch die Vorbereitung und Durchführung von Kriegen ist keine notwendige Bedingung des Faschismus, wie sie umgekehrt von demokratischen Regierungen betrieben werden können. Von THOMAS ROTHSCHILD

     

    So Manches, was die schrecklichen Vereinfacher als typisch nationalsozialistisch deklarieren, war in der deutschen Geschichte vorgeformt: die Preußen-Verherrlichung etwa, die Idealisierung Friedrichs II. als vorbildlicher Führer, nicht nur als genialer Feldherr, sondern darüber hinaus als leutselig, als humorvoll, als sozial denkend, als human und als kunstsinnig sowieso. Dieses Bild konnte von der NS-Propaganda bruchlos aus der Weimarer Republik übernommen werden. Sogar der Schauspieler, der Friedrich über viele Jahre hinweg wie kein anderer verkörpert hat, blieb derselbe: Otto Gebühr. So sehr schien er ein wieder auferstandener König von Preußen, dass viele wohl sein Bild eher als das des wirklichen Friedrich für das Original gehalten hätten. Er repräsentierte den Typus »harte Schale, weicher Kern«, und wenn sein Sohn in einem hier reproduzierten Filminterview zu dementieren versucht, dass sein Vater mit dem König von Preußen etwas gemeinsam gehabt habe, so bestätigt er zumindest dessen »weichen Kern«.

     

    Die DVD, die eben vom Filmmuseum Potsdam herausgegeben wurde, enthält den Spielfilm Die Tänzerin von Sanssouci, der 1932, also im letzten Jahr vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten, gedreht wurde. Den Friedrich spielt – wer sonst? – Otto Gebühr. In der Titelrolle sieht man die berühmte Lil Dagover, und kennte man sie nicht aus anderen Filmen, wüsste man nicht so recht, worauf ihr Ruhm beruht. Rosa Valetti in der Nebenrolle ihrer Mutter stellt sie mühelos in den Schatten. Die Tänzerin von Sanssouci ist kein Kunstwerk. Die Klischees häufen sich, die Regie ist bestenfalls epigonal und denunziatorisch (wenn etwa Gänse zwischengschnitten werden, um Frauen zu charakterisieren). Dieser Film ist lediglich historisch interessant – als Dokument des Entwurfs eines Führerbildes, noch ehe Hitler demonstrieren konnte, wie er diese Rolle verstand. Die militärische Seite Friedrichs ist in diesem Film nebensächlich. Clou der Geschichte ist, dass der Preuße die Österreicher besiegt, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen: durch Schlauheit. Und statt für eine Siegesfeier und für ein Feuerwerk gibt er das Geld für Kriegswaisen aus. Am Ende allerdings, wenn ihm das Volk zujubelt, sieht man im Hintergrund doch ein Feuerwerk. Was nützt's? Der Held bleibt einsam, weil ihm die schöne Tänzerin mit einem Anderen durchgebrannt ist.

     

    Neben dem 86-minütigen Film enthält die DVD einen ziemlich läppischen Friedrich-Sketch aus der DDR, ferner ein Gespräch von 1962 mit echten, verkleideten Vertretern der Presse, in dem Friedrich Frage und Antwort steht (Regie: Helmut Käutner), einen 20-minütigen Anekdotenfilm aus dem Jahr 1936 von Phil Jutzi, der sieben Jahre zuvor Mutter Krausens Fahrt ins Glück gedreht hatte, den vielleicht besten proletarischen Beitrag zur deutschen Filmgeschichte, sowie drei Kurzspots.

     

    Der Untertitel der DVD Heiteres und Ernstes aus fünf Jahrzehnten kommt so bieder daher, als wollte er sich den Kurzfilmen angleichen. Aber keine Angst. Das Heitere ist nicht so heiter und das Ernste nicht so ernst, nur Otto Gebühr ist Otto Gebühr.

     

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