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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 22:40

    Verdi: La traviata

    15.12.2011

    Die Kameliendame

    Sie stirbt den schönsten Tod der Operngeschichte: Violetta Valéry, die Traviata. Das macht die Musik. Sie hat Generationen zu Tränen gerührt und tut es heute noch. Bei Peter Konwitschny bleibt sie am Ende nicht entseelt auf der Bühne zurück. Sie schreitet vielmehr nach hinten, ins dunkle Jenseits. Die Apotheose der Hure, die mit ihrem Opfertod die Vorurteile der bigotten bürgerlichen Gesellschaft besiegt hat – vorübergehend jedenfalls. Von THOMAS ROTHSCHILD

     

    Bei Konwitschny ist alles anders als, wir es kennen. Sein Alfredo ist ein immerfort in Bücher vertiefter Spießer in Strickjacke inmitten der herzlosen, vergnügungssüchtigen Partygesellschaft in Smoking und Abendkleid. Er bewegt sich wie ein Tölpel. Es ist schwer zu verstehen, was Violetta an ihm liebt. Offenbar knüpft die Schwerkranke an ihn die Hoffnung, kurz vor dem Tod in die Idylle ländlicher Geborgenheit zu entfliehen. Aber er hat sie nie verstanden. Noch am Schluss lässt er sie auf der Bühne zurück und hält sich im Zuschauerraum wie ein greinendes Kind an den Vater, der zugleich der Intrigant war, und an den hilflosen Arzt.

    Der Vater, Giorgio Germont, ist bei Konwitschny ein gewalttätiger Patriarch. Er bringt, abweichend vom Libretto, die verschüchterte Tochter mit Zöpfen und Brille, in Trenchcoat und Baskenmütze, deretwegen Violetta Alfredo angeblich verlassen soll, mit zum Gespräch mit der verachteten Kurtisane. Wenn er und Alfredo ihren Fehler erkennen, ist es zu spät: die Formel des Melodrams. Die große Liebe ist nicht möglich, weil Krankheit und Tod, die naturgemäß zugleich wörtlich wie metaphorisch zu verstehen sind, dazwischen kommen und das Glück verhindern.

    Konwitschny benötigt kein Bühnenbild. Seine Protagonisten agieren vor einem Vorhang, der, wenn er, meist nur einen Spalt, beiseite geschoben wird, einen weiteren Vorhang erkennen lässt. Das Öffnen und Schließen des Vorhangs folgt der Bewegung der Musik wie der Seelenlage der Figuren der Handlung. Zugleich betont er das Theatralische dieser bekannten und doch noch zu entdeckenden Oper.

     

    In Stuttgart hat man kürzlich die Traviata wieder aufgenommen, die Ruth Berghaus vor 18 Jahren, knapp drei Jahre vor ihrem Tod, kreiert und in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts verlegt hat. Ihre Violetta ist weniger eine strahlende Männerfantasie als vielmehr eine schlichte Liebende, der wegen vergangener »Fehltritte« der Eintritt in die ehrbare bürgerliche Gesellschaft verweigert wird. Es lohnt sich, diese keineswegs verstaubte Inszenierung mit der von Konwitschny zu vergleichen. Berghaus und der 18 Jahre jüngere Konwitschny  kommen schließlich aus der gleichen »Schule«.

     

    Peter Konwitschny hat La traviata in Graz inszeniert. Die Grazer Oper zählt nicht zu den großen Häusern, die sich ansonsten um diesen Spitzenregisseur balgen. Immerhin wurde sie 2001, allerdings für die inzwischen beendete Intendanz von Gerhard Brunner, zum Opernhaus des Jahres gewählt. Als Violetta stand Konwitschny jedoch eine Sängerin zur Verfügung, die in jeder Hinsicht für diese Rolle die ideale Besetzung ist. Sie würde überall zwischen New York und Mailand mit dieser Interpretation eine gute Figur machen. Die in Sindelfingen geborene Marlis Petersen spielt und singt die Traviata mit einer Innigkeit, deren Wirkung nicht ausbleiben kann. Ioan Holender, der es in den der DVD als Bonus beigegebenen Gesprächen schafft, bloß zu huldigen und keine einzige präzise Frage zu stellen, greift nicht zu hoch, wenn er sie der legendären Teresa Stratas an die Seite stellt.

     

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