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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 00:33

    TATORT (MDR) - Todesschütze (2. Dezember)

    30.11.2012

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip Rahn (Wotan Möring) und Tobias Maurer (Jonas Nay) bemerken den Überfall und kümmern sich um die  Opfer. Die flüchtenden Täter aber konnten sie, wie sie behaupten, nicht erkennen oder fassen. Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) beginnen an den Aussagen der Polizeikollegen zu zweifeln, als sich herausstellt, dass es sich bei einem der verdächtigten Jugendlichen um den Sohn Phillip Rahns handelt. Von WOLF SENFF

     

    Oft weiß man erst nach einiger Zeit, ob ein Film gut ist. Solange sich dazu nichts sagen lässt, kann er jedenfalls nicht schlecht sein. Das wäre schon mal positiv. Man muss das leider sagen angesichts der Qualität dessen, was uns gegenwärtig als TATORT/Polizeiruf auf den Schirm gelegt wird: Das Dorf etwas fiebrig im Frühjahr, dann Fieber mit Hanns von Meuffels; vor zwei Wochen trat ein Gut-und-Böse-Versteher auf, weit jenseits von Recht und Gesetz; dann die Komödienstadl-Klamotte letzten Sonntag; demnächst wieder unsere ruhmreichen Stars (mindestens), die mit ihrer Selbstvermarktung den Boulevard beatmen. Man versteht, dass Nina Kunzendorf sich nicht länger den Ruf schädigen lässt und aussteigt. Falls es so konzeptionslos weitergeht, wird sie nicht die Letzte gewesen sein.

     

    »Es ist so sinnlos.« - »Ich weiß.« Gut, gut. Ein annehmbarer TATORT kann dennoch Licht ins Dunkel werfen. Also: Schaun wir mal. Was auf Anhieb auffällt: Eva Saalfeld sieht aus, als käme sie von einer Fastenkur. Sie hat gewonnen. Zwar wird sie mit dem schmalen Hemd Andreas Keppler niemals mithalten, aber: Respekt. Ungewöhnlich: es gibt während der ersten fünfundvierzig Minuten gar keinen, wie der Titel verspricht, »Todesschützen«. Man kommt ins Grübeln.

     

    Zu Anfang geht es übrigens wieder mal gegen unsere aggressiven jungen, männlichen Mitbürger. »Leck mich doch am Arsch. Ich hab hundertachtzehn Freunde.« Na, Glückwunsch. Das legt sich dann etwas, bleibt aber ständig präsent und kommt zum Schluss wieder stärker ins Spiel. Überhaupt wirkt dieser Film ausbalanciert (Buch: Mario Giordano, Andreas Schlüter). Einmal glaubt man, Weisheit mit Löffeln usw. und, klar doch, zu wissen, wer's war. Aber man wird in die Wüste geschickt. Schön. Ach so, was man fast gar nicht erwartet – dieser TATORT ist ziemlich spannend (Regie: Johannes Grieser).

     

    Ein paar Mal wirkt er leicht überzogen. Aber dann passt es doch und man fragt jetzt anders gewendet, ob wir alle so dünnhäutig sind. Achten Sie nur mal darauf, wie René Winkler mit seiner Trauer umgeht. Er ist ja ein intelligenter Mann, oder? Sein Zustand ist latent explosiv, dicht an der Grenze zum Irrewerden, der Psychologe sagt dazu in seinem Slang: Kontrollverlust. Na kein Wunder, wenn einem von heute auf morgen die Lebensgrundlage abhanden kommt. Auch der Planet führt sich ja gelegentlich auf, als könnte er so manches keine Minute länger ertragen und stünde unmittelbar vor dem Knall. New Yorks »Sandy« als Kontrollverlust? Ein interessanter Gedanke: Mensch Erde, reiß dich doch mal am Zügel! Sonst liefern wir dich ein! Ob demnächst jemand beginnt ernsthaft nachzudenken? Wohl kaum. Unsere »Eliten« sehen sich ja nicht einmal in der Lage, Gelder geordnet zu verteilen, sei es hier im Land, sei es in Europa. Von Verantwortung wollen wir da mal gar nicht erst reden.

     

    »Besonders mögen tun die uns nicht.« Andreas Keppler meint die Jugendlichen und hat Recht. »Ich bin doch fit und durchtrainiert, und krieg sie immer alle.« Hat er auch wieder Recht. Und wie er den Marcel Degner (Antonio Wannek) besucht und befragt, das ist knapp, überzeugend, souverän. Der junge Mann kommt gar nicht dazu, durchzuatmen geschweige denn mitzudenken.

     

    Wir müssen ja beim TATORT gefasst sein auf delirierende Kommissare mit Hirntumor, die beziehungsreich Murot heißen müssen sowie auf esoterisch gewirkte Kommissare, die gerne auch als ihr eigener Geist auftreten – Meuffels, der verschlafene Doppelkonsonanten-Ermittler von vor paar Wochen. Der sinnfreie Quatsch nimmt auch beim TATORT überhand. Deshalb freut man sich über Todesschütze, der kein dörflich verwunschenes Setting beschwört und keinen esoterischen Zirkus veranstaltet, sondern mit den Füßen auf dem Teppich bleibt.

     

    Nichts zu kritteln? Nein, eher nicht. Spezielles Lob stattdessen für geschickt arrangierte Seitenhiebe. Der Knabe von der Presse ist ein wenig Klischee, aber kommt vorzüglich. An dessen rücksichtslosen Umgangsformen und den sensationsheischenden Schlagzeilen wird uns die »Macht der Presse« vorgeführt – der hierzulande sattsam bekannte Boulevard, der, je mehr über ihn geklagt wird, desto weniger Anlass sieht, sich zu ändern, stattdessen in unverfrorenen Slogans verbreitet, er würde uns »bilden«. An Dreistigkeit sind sie nicht zu überbieten, unsere vornehmen Nadelstreifen in den oberen Etagen.

     

    Überzeugend in Todesschütze ist die dichte Darstellung der Milieus, sei es die Familie von Phillip Rahn, dem der eigene Sohn Tobias (Jonas Nay) schwer zusetzt, sei es die »an der Armutsgrenze lebende« Familie seines Freundes Robin (Vincent Krüger).

     

    Beim Anblick der Leipziger Straßenbahn wird man als Bürger Hamburgs blass vor Neid und hat sofort im Kopf, wie viele Rubel das Stadtsäckel für die hanseatisch exklusive U-Bahn Richtung Elbphilharmonie versemmelt.

     

     

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