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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 00:36

    TATORT (WDR) - Das Wunder von Wolbeck (25. November)

    23.11.2012

    Boerne gleich hinterher

    Auf einem restaurierten Hof bei Wolbeck wird der Heilpraktiker Raffael Lembeck eines Morgens von seiner Frau Stella (Lina Beckmann) tot aufgefunden. Das Opfer kam offensichtlich in seiner Praxis zu Fall und verblutete, erklärt Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) am Tatort. Bei Frauen waren Lembecks alternative Behandlungsmethoden beliebt, aus dem Ausland reisten vermögende Patientinnen an. Und? Was meinen Sie, welcher Taxifahrer die Damen von Düsseldorf nach Wolbeck chauffiert? Von WOLF SENFF

     

    Genau. Manchmal ist man nicht in der Stimmung, dass einen das amüsiert. Besonders im verregneten November ist man für Spaß nicht recht zugänglich. Oder dieser. Karl-Friedrich Boerne und der Bauer: »Was sind das so für Tiere?« – »Kühe.« – »Und? Welche Marke?« Marke? Was ist er doch für eine Ulknudel, unser Herr Professor! Gut, gut, man kann den ansehen, diesen Münsteraner TATORT. Ehrlich jetzt. Nur was ist das für ein Genre? Lassen wir das denn als Krimi durchgehen?

     

    Früher gab's doch mal Komödienstadl, oder? Gibt's noch? Tatsächlich, Bayerischer Rundfunk. Kam norddeutsch immer als Ohnsorgtheater auf die Mattscheibe. Heidi Kabel. Lässt sich nachblättern, youtube lagert die eine oder andere Aufführung. Henri Vahl – er ist wieder da. Der Taxifahrer ist unverfälschtes Henri-Vahl-Remake. Wurde seinerzeit viel herumgemäkelt an diesem Volksschauspiel-Genre und dann verschwand das in den Öffentlichen vom Bildschirm, die Programmgestalter gaben sich reumütig, als hätten sie dazugelernt. Und was geschieht? Volksschauspiel ist wieder da. Klammheimlich im TATORT-Label aufgetaucht. Das nennen wir: alter Wein in neuen Schläuchen. In welchen Zeiten leben wir?

     

    Nein, falsch, es geht nicht darum, sich aufs hohe Ross zu setzen und sich drüber lustig zu machen. Man möchte lediglich bissel genauer wissen, was da vor einem läuft auf dem Flachbildschirm. TATORT möchte, das ehrt diese Reihe, allen etwas bieten, klar. Da sitzt inzwischen eine nachgewachsene Generation und hat noch nicht gelernt, dass derjenige, der allen etwas bieten möchte, letztlich niemandem gerecht wird. Muss einer jede Erfahrung von Neuem sammeln? Nein, nicht spaßig ist's, zuzusehen, wie andere in depperte Fettnäpfchen tappen.

     

    Gibt, ich sag's noch mal, nichts einzuwenden gegen Ohnsorgtheater. Frage ist nur, ob sich das als TATORT anschleichen muss. Und es ist ja nicht bloß der Taxifahrer. Wir haben diverse kuriose Figuren: das wirre Professorchen aus steinaltem Landadel, die Kleinwüchsige, den im Verfolgungslauf zuverlässig scheiternden Kommissar, atemlos, plus die besonnene Nadeshda – oh boy!

     

    Dazu diesmal eine gestrenge Schwiegermutter, drei überaus komische Brüder, die Ziege Mimi, distinguierte Besucherinnen, einen prächtigen Zuchtbullen mit Holzsplitter im Knöchel, eine verwirrte Witwe – allesamt mit der Botschaft: Nehmt uns bitte, bitte nicht ernst. Wie gesagt, schönstes Ohnsorgtheater (wobei der Ehrenrettung halber hinzugefügt werden muss, dass das Ohnsorgtheater sich längst von dieser klamottigen Tradition verabschiedet hat).

     

    Das Thema diesmal? Na klar, Unfruchtbarkeit bzw.: Wie kommt die Gattin trotzdem zum Kind? Da lacht sich schlapp, wer das Thema nur liest, und folglich wird eben lustig, lustig inszeniert (Regie: Matthias Tiefenbacher). Dass dabei ein Mord geschieht, hätte gar nicht sein müssen, ist ja eh alles in prächtigster Stimmung. Fragt man sich nur, weshalb uns das als TATORT serviert wird. Münster ist erfolgreich, was Quote anbelangt, Münster kann als eigene Serie outgesourct werden.

     

    Der Nutzen wäre, dass TATORT ein identifizierbares Gesicht gewinnt. Das ist eh die Baustelle nach neulich dem Reinfall mit Ulrich Tukur, dem Abgang von Mehmet Kurtulus, der Ausgabe vom vergangenen Sonntag, die uns Gut und Böse erklärte, und zurzeit diversen unsäglichen Promotion-Häppchen. Nina Kunzendorf stieg beizeiten aus und wird mit solch ausgelassenen Existenzen demnächst nichts mehr am Hut haben. Man darf sie beneiden, denn: Achtung! TV läuft auf Grund! Wir dürfen leider sagen, wir seien dabei gewesen.

     

    »Mein Mann ist nicht tot. Er hat nur den Planeten gewechselt.« Das tut schon weh. Es sollte den »Filmemachern« die Schamröte ins Gesicht treiben (Drehbuch: Wolfgang Stauch). Nein, es reicht, en detail geh' ich auf diesen Blödsinn nicht ein, tu ich mir nicht an. Schaun Sie gerne selbst. Man amüsiert sich, wenn's hochkommt, zwei Minuten lang über diese Dussligkeiten, danach ist's Oberkante Unterlippe.

     

    Vielleicht noch der Hinweis, dass auch die Muss-nur-noch-kurz-die-Welt-rett'n-Attitüde auf die Schippe genommen wird. »Er hatte einen Holzsplitter im Knöchel, und wenn er so auf den Hinterbeinen stand, dann hat er bestimmt furchtbare Schmerzen gehabt. Ich hab' ihm den Splitter entfernt – das war's.« Sagt Karl-Friedrich Boerne über den Zuchtbullen, der auf den Hinterbeinen stand. Hamwirgelacht! Nur – was hat das im TATORT zu suchen? Ja, den umwerfend komischen Boerne gleich hinterher.

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