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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 00:40

    TATORT (BR) - Ein neues Leben (28.10.)

    26.10.2012

    Sexualität ist eine Schlaftablette?

    Zwei Frauen, Isabella (Nina Proll) und die jüngere Assistentin Sandra (Mina Tander), leiten eine Drückerkolonne, die es sich, so die Selbstauskunft, zur Aufgabe gemacht hat, kanadische Robbenbabys vor dem Abschlachten zu bewahren – bei hohen Provisionen. Längst haben Arbeitslosigkeit und Insolvenz auch Handwerker und Akademikerkreise erreicht. Sie treibt die Hoffnung an, mit schnell verdientem Geld wieder auf die Beine zu kommen. Wer angeheuert wird, wird auf Erfolg getrimmt. Von WOLF SENFF

     

    Zuallererst fallen Ungenauigkeiten auf, oder? Was Ungenauigkeiten sind? Gut gefragt. Wenn man zu einem Apfel Birne sagt, ist das nicht ungenau, sondern falsch. »Das sind Fragen, die muss jeder für sich selber rausfinden«, sagt Leitmayr ungenau, denn er spricht von den Antworten, die jeder für sich selber finden muss. Oder er sagt: »Zwei Tote, die wir hätten verhindern können«, und ist wieder ungenau, weil du Tote nicht verhindern kannst. Du kannst Morde verhindern, ein Attentat, sogar einen Tod kannst du verhindern. Die zwei Toten aber, die kannst du nur noch bestatten. So ist es nun einmal.

     

    Haarspalterei? Ich glaube nicht. Im Grunde leidet dieser überzeugend konzipierte TATORT an seinen Ungenauigkeiten. Ungenau ist eben auch, dass das Drehbuch (Léonie-Claire und Fred Breinersdorfer) so oft den Zufall bemüht, anstatt die Ereignisse plausibel zu verknüpfen. Ein USB-Stick geht (zufällig) verloren, wird dann lange vergeblich gesucht und schließlich (zufällig) im Pflaster der Straße (zufällig) vom Kommissar gefunden. Die Spannung, die uns mitreißt, wächst aber nur aus einer straff und lückenlos gegliederten Handlung. Das ist das Gegenteil einer Abfolge von Zufällen.

     

    Ungenau ist außerdem, dass Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) so jugendlich aufgebrezelt sind. Die Lesebrille ist massiv jung und dynamisch gestylt, das kann Miroslav Nemec gar nicht einlösen, die Regie (Elmar Fischer) tut dem Kommissar unrecht, niemand nimmt das dieser Figur ab. So viele Jahre hat er nun auf dem Buckel und muss noch immer den Womanizer geben. Auch das ist ungenau, es passt nicht, der Film hat sein Problem damit, einen Mann altersgerecht abzubilden. Ein Hasenfuß, wer sich scheut, dem Alter sein Recht einzuräumen.

     

    Sexualität in den Medien, so manche haben es noch nicht gepeilt, ist eine Schlaftablette. In dieser Drückerkolonne aus gescheiterten Existenzen stehen aber Beziehungen hoch im Kurs. Der eine plagt sich mit einer Partnerin, die aus finanziellen Gründen anschaffen geht, andere pflegen ihre lesbische Beziehung, vor der allein erziehenden Vera (Anna Böger) ist niemand sicher – jedem Tierchen sein Plaisierchen.

     

    Sehenswert aber ist die verzweifelte Sehnsucht, mit der all diese gescheiterten Existenzen den Weg zurück ins Leben suchen, ins »ruhige«, ins »normale« Leben. Hinterher war man schon immer klüger.

     

    Schön auch, wie ausgesuchte Exemplare von kaltblütiger Weiblichkeit, denen man nur widerstrebend die Hand reichen würde, in smarten Fummel gekleidet werden und um ein seriöses Erscheinungsbild bemüht sind, immer hart am Rande der Peinlichkeit. Das nennt man wohl: so oder so – überzeugend gespielt.

     

    Nein, atemberaubende Spannung präsentiert Ein neues Leben nicht. Im TATORT, das muss man wissen, ist Spannung nicht erstes Gebot. Selten genug reißt sie uns dennoch mit. Erinnern Sie sich an den TATORT mit Mehmet Kurtulus, seinen letzten, Die Ballade von Cenk und Valerie? Das Attentat auf Kanzler Grasshoff? Das war so einer. Aber auch hier stand die Zeichnung der Charaktere im Mittelpunkt. Nein, das Quietschen von Autoreifen, viel Blutvergießen, Kindesmisshandlung, nicht enden wollendes Pistolengeballer – das dürfen Sie sich donnerstags bei den sattsam bekannten privaten Fernsehanstalten antun, von acht bis Mitternacht, jeweils zwischen den Werbeblöcken.

     

    TATORT schult unseren Blick für menschliche Individualität, fordert manchmal unser Mitgefühl, vorurteilsfrei und fern von Klischees. Das ist dicht am Leben, dicht am Menschen, und manchmal ist es berührend.

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