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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 22. Juni 2017 | 13:57

    TATORT (SWR) - Nachtkrapp (7. Oktober)

    04.10.2012

    Normal wie Sonntagabend

    Das Lokalkolorit der Bodensee-Tatorte trägt deutlich dazu bei, das Tempo der Handlung zu verzögern. Nun, in diesem Film wird die Leiche eines Jungen im Wasser gefunden. In zwei vergleichbaren Fällen zuvor wurden ebenfalls Jungen missbraucht und ermordet, die Lage der Dinge ist kompliziert. Verdächtigt wird auch der Sexualstraftäter Holger Nussbaum (Hansa Czypionla), der nach Abgelten einer fünfzehnjährigen Strafe seit wenigen Wochen wieder auf freiem Fuß ist. Von WOLF SENFF

     

    Auch Klara Blum (Eva Mattes) trägt mit ihrem bedächtigen Naturell dazu bei, dass Nachtkrapp den Zuschauer nicht pausenlos in Trab hält. Der neue Schweizer Kollege (Roland Koch als Matteo Lüthi) tritt selbstbewusst auf, ist aber noch nicht genügend konturiert, um deutliche Akzente zu setzen. Man weiß auch nicht, wie weit die Reihe TATORT überhaupt gehen will, zwischen Münster/ vergnüglich und Rostock/krachledern oder darüber hinaus.

     

    Bei Nachtkrapp scheint es sich um ein völlig normales Produkt zu handeln: Er ist gefällig, die spannenden Passagen sind wohl sortiert, er nimmt uns nicht den Atem, er treibt unseren Blutdruck nicht hoch – schließlich ist Sonntagabend. Spannend sind die Passagen, in denen es um Moritz Beerbach (Elia Sager) geht, den jungen Freund des Opfers; hier stört lediglich die Musik (Andreas Hoge), die allzu oft bloß Pausenfüller sein will.

     

    Das Drehbuch (Melody Kreiss) hat seine Handlungsstränge klug ineinander verwickelt; der Handlung geht die Luft nicht aus, und zum Schluss darf sogar die eine oder andere Frage offenbleiben. Die mehrfach angekündigte Großmutter trifft nicht ein. Kein Problem, wir vermissen sie nicht.

     

    Trotzdem fragt man sich, ob nicht doch ein TATORT – bei all der Vielfalt, die durch die verschiedenen Ermittler angestrebt wird – einmal so dramatisch sein sollte, dass uns der Atem stockt. Gibt's ja. Nachahmenswert wären zum Beispiel die Dänen mit ihrer bei arte höchst erfolgreichen Kommissarin Lund. Die Reihe TATORT beweist immerhin Mut zum Risiko, zuletzt mit Ulrich Tukur und seinem Dorf-Experiment. Dass TATORT spannend sein kann, zeigte die Ballade von Cenk und Valerie. Aber man will das vielleicht gar nicht. Man fühlt sich scheint's wohl in dem muffigen Sonntagabend-Dämmer und hofft, dass jemand wie Til Schweiger massiv Leben in die Bude bringt. Wechsel des Personals ist jedoch, wie jeder weiß, der geringste Teil der Lösung. Das ist – um in Hamburg zu bleiben – ähnlich wie im Fußball: eine Schwalbe macht keinen Sommer, mag ihr Name auch van der Vaart sein.

     

    Die letzten sechs TATORTE hatten zweimal das Thema Drogenhandel (Fette Hunde, 2.9. und Stillschweigen (Polizeiruf), 30.9.), einmal Geiselnahme (Hochzeitsfeier, 16.9.) und dreimal Sexualmord (Borowski, 9.9.; Alter ego, 23.9.; Nachtkrapp, 7.10.). Diese ersten sechs deutschen Produkte sind thematisch gesehen eher verschnarcht, nicht aber kreativ, fantasievoll, originell. Fragt man sich glatt – anknüpfend an Tabea Hübner, eine deprimierende Figur vom letzten Sonntag –, ob auch dem TATORT nicht so wichtig ist, wie die Welt sich dreht. Er dreht sich gern auch um sich selbst. Das wäre schade.

     

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