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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 20:50

    TATORT (RB) - Hochzeitsnacht (16. September)

    13.09.2012

    Im Holzkrug geht die Post ab

    Das mögen wir. Rainer rockt die Hochzeitsfeier. Aber erst einmal liegt im Herbstlaub eine Leiche engelgleich quer auf dem Bildschirm. Der Vorspann zeigt weitere hübsche Bilder ohne Fehl und Tadel. Sie werden von einfühlsam zarten Tonfolgen untermalt, und über den gesamten Film wird Musik (Stefan Hansen) erfreulich dezent eingesetzt. Der liebliche Vorspann täuscht: Im »Holzkrug« geht die Post ab. Zu »Liebe ohne Leiden« taut endlich sogar Inga Lürsen (Sabine Postel) auf, die mit ihrem Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen) zu den geladenen Gästen gehört. Stimmungsvoll und hanebüchen – so kündigt sich Unheil an. Von WOLF SENFF

     

    Nein, zart und feierlich, so soll es nicht bleiben. Zwei maskierte Männer stürmen die ländliche Feier, während noch vergnügt »Polonaise Blankenese« getanzt wird. Das Publikum ist gehörig schockiert, der Film zeigt unversehens Heulen und Zähneklappern – welch abwechslungsreiches Spektakel (Regie: Florian Baxmeier)!

     

    Doch bald ist klar: Der Überfall ist eine unprofessionelle Aktion inklusive Kontrollverlust und reichlich Gebrüll opn Dörp, man wundert sich sehr (Buch: Jochen Greve). Dieser Teil des Films  ist für Genießer: Paul der Hund folgt einer unbestimmbaren Fährte, Kommissar Stedefreund zeigt viel hosenloses Bein, und überhaupt ist angesagt: nachts kracht's. Eigentlich eher unglaubwürdig, aber eben doch: So tobt das Leben, und alles wird so was von heftig erzählt. Wir freuen uns und speichern das als norddeutschen Humor.   

     

    Nach und nach schält sich heraus, dass es einem der beiden Männer – dem verlassenen Liebhaber Wolf Koschwitz (Denis Moschitto) – darum geht, den Tod der Dorfschönheit Carola aufzuklären. Nun setzt gewissermaßen der seriöse Teil ein. Wir erleben, wie Inga Lürsen inmitten der völlig aufgelösten Hochzeitsgesellschaft nach und nach die Initiative ergreift – einfach schön, wie unangestrengt ihr das gelingt und mit wie reduziert mimischem Aufwand. Derweil stochert ihr Kollege immer noch hosenlos im Nebel, die Kommissare suchen Kontakt via sms. Nein, nein, kein Durcheinander, sondern eine souverän sortierte Handlung. Wie gesagt: nachts kracht's.

     

    Die Aufklärung – man bewundert die Präzision in diesem Tohuwabohu – wird geradezu klassisch inszeniert. »Wer redet, kann gehen.« Einer nach dem anderen werden die Verdächtigen angehört, sehr individuelle Charaktere, überzeugend besetzt: vom stotternden Oswald (Michael Witte) über Carolas Mutter (Marion Breckwoldt), den Brautvater Hans Strache (Tobias Langhoff) bis hin zu »Oma« (Barbara Nüsse) und Rockin' Rainer (Timo Jacobs). Die Reihe glänzt.

     

    Im  dritten  Abschnitt wird draufgesattelt, die mobile Einsatztruppe tritt auf. Viel hilft viel, man kennt diese hohlen Sprüche. Solche Mammuteinsätze sind nur noch Schenkelklopfer, bestenfalls Langweiler. All diesen geldfressenden Hochrüstungswahn, sei's bei der Polizei, sei's in Afghanistan – den kannst du vergessen. »Sie machen's nur schlimmer.«

     

    Der Zuschauer bleibt jedoch neugierig, wann die Truppe nun endlich losschlägt und wer oder was dabei platt gewalzt wird. Im »Holzkrug« bricht Feuer aus. An dieser Spannung wird noch ein wenig gedreht; unterhaltsam und lehrreich ist auch das gestörte Verhältnis zwischen Stedefreund und dem muffeligen Einsatztruppeneinsatzleiter: ein »Vollidiot« – auch das, zum treffenden Zeitpunkt geäußert, ist Humor vom Feinsten. Man kann nur wünschen, dass dieses Niveau gehalten wird.

     

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