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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 00:41

    TATORT (WDR) - Fette Hunde (2. September)

    02.09.2012

    Kriegszitterer

    Ein verrätselter Anfang wird nach und nach entschlüsselt: Afghanistan-Heimkehrer, wartende Mütter und Ehefrauen. Thomas Klages (Godehard Giese) trifft statt seiner Frau auf eine leere Wohnung. »Hat die euch einfach so allein gelassen?«, fragt er ratlos die beiden Kaninchen; und: »Rabenmutter.« Ihm wird zum Ende hin süßeste Tröstung zuteilwerden, der Film beweist Humor (Regie: Andreas Kleinert) und wie schön die Welt doch sein kann (Drehbuch: André Georgi). Zeitgleich mit dem Empfang der Heimkehrer sind Drogenkuriere auf dem Weg nach Köln, »body packer«, die Heroin kondomgesichert in ihrem Magen schmuggeln. Von WOLF SENFF

     

    Für die Kuriere gibt es Schwierigkeiten, Milad Rahimi (Reza Brojerdi) wird ermordet, seine Schwester Amira (Maryam Zaree) entkommt fürs Erste. Einige der zurückgekehrten Soldaten sind offenbar in diesen Fall verwickelt, auch eine Stiftung ist, so scheint’s, nicht unbeteiligt.  


    Afghanistan? Ja, da denken wir erstens an Drogen, zweitens an traumatisierte Kriegsheimkehrer bzw., wie sie im Ersten Weltkrieg hießen, »Kriegszitterer«. Nichts Neues unter der Sonne, leider. Der Sohn sagt »Ballerarsch« zum Vater, doch originell ist auch das nicht; der Sohn seinerseits setzt sich ab und zu unter Droge. Der Film beweist Humor.


    Er zeigt er uns eine gestörte Welt. »Die Dame ist sehr redselig, hat aber nichts zu sagen« – wenig höflich, doch nicht ohne Charme. Weitaus schlimmer: Es gibt keine Versöhnung in diesem Film. Die Zurückgekehrten finden kein Zuhause, eine Familie bricht auseinander, die seligen Träume der entzückenden Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) werden enttäuscht: »Die Prinzen werden nach dem ersten Kuss zum Frosch«. Als der Satz noch umgekehrt lautete, da sah die Welt auch anders aus.


    Dieser nüchterne Realismus von Fette Hunde gefällt. Wie Wirklichkeit spielt, das zeigt uns dieser TATORT recht behutsam. Er setzt auf dem Niveau eines sommerlich abgehobenen Fiderallala ein, doch schon die Willkommensparty will nicht recht glücken, der Frohsinn hat ratzfatz ein Ende und hinterlässt Kater bei Freddy Schenk (Dietmar Bär) und bei Max Ballauf (Klaus J. Behrendt). Mit einem sanften Anflug von Zärtlichkeit beobachtet die Kamera sie beim Schlaf und zeigt sie kurz darauf beim Zähneputzen. In Großaufnahme, liebevoll, ironisch, der Film hat doch seine versöhnlichen Bilder (Kamera: Johann Feindt).


    Die zentrale Episodenfigur Lissy Brandt (Anna Loos), Ex-Assistentin der Kölner Kommissare, hat ein ausdrucksstarkes Gesicht, ihre Mimik wirkt intensiv. Schon als in der Eingangsszene die Kamera an den Gesichtern der wartenden Frauen entlangfährt, fällt dieses Gesicht auf. Ein paar Mal ist es mit dem Freddy Schenks im Bild. Sehr verschiedene Gesichter und auf eigenwillige Weise betörend.
    Der Ehemann Sebastian Brandt (Roeland Wiesnekker) sucht einen Platz in seiner Familie, er ist unsicher, verstört, traumatisiert, er lebt zwischen den Welten. Die Gegensätze wie hier zwischen den Ehegatten sind spannend, die Episodenfiguren gewinnen ein hohes Eigengewicht.


    Afghanistan wird in Fette Hunde weniger als politisches Thema angefasst, sondern als ein Ereignis, das Individuen verändert, aus dem Gleichgewicht wirft und mit ihnen unsere eigene Kultur und unser Zusammenleben in Deutschland, nur dass darüber selten geredet wird.


    Ach, übrigens: Fette Hunde? Ein Insider-Code? Der Film gibt keine einleuchtende Erklärung für diesen Titel, auch die Rückblende mit Hunden ist nicht plausibel in die Handlung verknüpft. Leider gibt es mehrere so kleine Ärgernisse.   

     

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