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Zum 85. Geburtstag der Schauspielerin Gina Lollobrigida am 4. Juli

04.07.2012

Die Schöne und das Biest

»Den Rummel habe ich zu lange mitgemacht! Jetzt meide ich ihn. Deshalb bin ich so gern in Pietrasanta in der Toskana«, erklärte die Schauspielerin Gina Lollobrigida, die 2006 noch einmal für ein kräftiges Rascheln im Blätterwald gesorgt hatte. Die angekündigte Hochzeit mit dem 34 Jahre jüngeren spanischen Immobilien-Unternehmer Javier Rigau platzte dann aber doch. Von PETER MOHR

 

Für eine ganze Männergeneration Europas war Gina Lollobrigida mehr als eine erfolgreiche Schauspielerin. Mit ihren feurig-funkelnden dunklen Augen, den tiefschwarzen langen Haaren und der üppigen Oberweite verkörperte sie das Schönheitsideal der 50er Jahre. »Gina Nazionale«, wie die Italiener die Schauspielerin respektvoll nannten, war die Schönheit wohl schon in die Wiege gelegt worden.

 

Mit drei Jahren wurde die Tochter eines mittellosen Möbeltischlers aus Subiaco (50 km östlich von Rom) zum »schönsten Kleinkind Italiens« gewählt, 17 Jahre später belegte sie bei der Wahl zur »Miss Italia« den dritten Platz. Kein Wunder, dass »La Lollo« 1950 in einem wenig anspruchsvollen Miss Italia betitelten Streifen die weibliche Hauptrolle spielte.

 

Der große Durchbruch gelang Gina Lollobrigida, die Malerei und Bildhauerei studiert hatte, nicht in Italien, sondern in Frankreich – als Wahrsagerin in Christian Jacques Persiflage Fanfan, der Husar (1951) und in René Clairs Die Schönen der Nacht (1952). »Donnerwetter - diese Täler und Hügel! Wirklich ein bezauberndes Panorama!«, säuselte Lollobrigidas Filmpartner Gérard Philipe in Fanfan, der Husar beim Anblick ihres Dekolletés. Ihr erstes Hollywood-Intemezzo, zu dem sie Howard Hughes aufgefordert hatte, brach die Schauspielerin abrupt ab, als der US-Regisseur Ginas Scheidung vom Mediziner Mirco Stofic forderte.

 

In den Folgejahren erreichte Gina Lollobrigida auch in ihrer Heimat Italien Kultstatus - durch Brot, Liebe und Fantasie (1953) und die Fortsetzungen Brot, Liebe und Eifersucht (1954) und Liebe, Brot und 1000 Küsse (1955). Es waren nicht anspruchsvolle Rollen oder feine Charakterzeichnungen, die ihren Ruhm ausmachten, sondern die Aura der betörend schönen Frau.

 

Gina Lollobrigida war noch nicht 30 Jahre alt, als sie 1956 an der Seite von Anthony Quinn als Esmeralda im Glöckner von Notre Dame den Gipfel ihrer Popularität erreichte. Humphrey Bogart, Sean Connery, Alec Guinness, Horst Buchholz, Jean-Luis Trintignant, Bob Hope und Lee van Cleef waren später ihre Filmpartner in internationalen Produktionen. In mehr als 60 Filmen hat »Gina Nazionale« mitgewirkt, ehe sie in den 70er Jahren eine zweite Karriere als Fotografin (sie porträtierte u.a. Fidel Castro, Paul Newman und Salvador Dali), Bildhauerin und Filmregisseurin startete.

 

»Im Film war ich nicht mein eigener Herr. Mit meinen Bildern und Skulpturen kann ich sagen, was ich will«, begründete die Diva ihren Abschied vom Film. So war es für den Filmstar eine große Genugtuung, als Sie den wichtigsten französischen Kunstpreis, den »Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres«, erhielt und ihre Ausstellungen in Paris und Moskau große Publikumsscharen anzog.

 

Als Schauspielerin wollte sie sich selbst nie in das Rollenklischee der schönen Frau hineinpressen lassen. Bezeichnend, dass sie im Rückblick die Verfilmung von Alberto Moravias Roman Die Römerin für ihre größte künstlerische Leistung hält. Gina Lollobrigida spielte darin eine Prostituierte – ein Spiegelbild zu den übrigen Rollen und auch zu ihrem lange Zeit mondänen und eigenwilligen Lebenswandel. Die langjährige UNESCO-Botschafterin war aber auch wegen ihrer Impulsivität gefürchtet. So verließ sie 1986 erbost als Jury-Mitglied die »Berlinale«, um sich so vom prämierten Reinhard Hauff-Film Stammheim zu distanzieren. Manchmal verkörperte »La Lollo«, die heute 85 Jahre alt wird, die Schöne und das Biest in einer Person. »Ich esse kein Fleisch, nur Huhn und Salat, trinke keinen Alkohol und rauche nicht«, erläuterte die Diva vor einigen Jahren ihr ganz persönliches Fitness-Konzept.

 

Foto: Ivo Bulanda / Lizenz: CC BY-SA 3.0

 

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