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    TITEL kulturmagazin
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    TATORT (HR) - Es ist böse (22. April)

    19.04.2012

    Mit Design überfrachtet

    »Es ist böse«, kündigt Frank Steier (Joachim Król) an, bevor die Leiche von der Kamera erfasst wird. Doch so dramatisch sieht es dann doch nicht aus. Immerhin, eine Mordserie steht an, da wird mächtig in die Aufregerkiste gegriffen (Regie: Stefan Kornatz). Mancher Zuschauer wird sich zu Recht fragen, ob das Entsetzen von Conny Mey (Nina Kunzendorf) angesichts des Zustands der Leichen nicht überdreht dünnhäutig ist. Wir erinnern uns (Der Tote im Nachtzug, 20. Nov. 11), dass sie gut austeilen und einstecken kann. Von WOLF SENFF

     

    Und sie zeigt Härte: Westernstiefel mit militärischem Tritt, Stars and Stripes auf dem T-Shirt, Ehrgeiz, Ellenbogen, eine unnachgiebige Charmeoffensive; sympathisch ist ihr Auftreten, die Zielstrebigkeit, mit der sie sich in diesen Fall hineinsteigert. Rotlichtmilieu und womöglich ein Serientäter sind ja keineswegs ungefährlich (Buch: Lars Kraume nach Auf der Spur des Bösen von Axel Petermann).

     

    Andererseits wundert, dass ihre Anteilnahme, ihre Verstrickung in den Fall – sie ist kurzzeitig enttäuscht und lässt sich in den Außendienst versetzen – schauspielerisch so zurückhaltend zur Geltung kommt. Sehr oft zeigt man uns das Gesicht der Mey in Großaufnahme, und der Ausdruck bleibt reglos, der mimische Gestus fehlt. Stattdessen gibt’s wabernde Schwarz-Weiß-Sequenzen, oszillierende Schemen und Umrisse, unterlegt mit brausendem Elektroton und aufdringlichem Sound-Geraune, die die aufgewühlte Seele abbilden sollen.

     

    Das filmische Design kommt auch sonst überfrachtet daher und irritiert: Fast über die ganze Länge wird Farbigkeit ausgefiltert, zu Beginn wird (farbig) eine Rückblende eingespielt, dann gibt es diverse Schwarz-Weiß-Szenen und man fragt nach dem Sinn dieser trübseligen Bilder. Soll’s einfach mal was Neues sein? Abwechslung als Selbstzweck? Letzter Schick? Gut gemeint à la »Das Dorf«

     

    Seidel (Peter Kurth) als dritter Ermittler passt und bringt fruchtbare Spannung ins Team; er tritt schroff auf, er verstellt sich nicht – Eigenschaften, die in der letzten Folge ausschließlich Conny Mey zugeschrieben waren. Man darf neugierig sein, wie sich die Kooperation in Zukunft gestaltet.

     

    Uneingeschränkt überzeugend sind die Episodenfiguren: Rita Herfurth (Lisa Wagner) ist herzerfrischend ungenießbar; Holger Ritter (Marc Bischoff) – mehr armes Würstchen ist unmöglich; Markus Förster (Uwe Bohm) hat einen tiefen Bruch in seiner Biographie zu verkraften.

     

    Und, na ja, eher überflüssig ist die Psychologin: Der Täter habe versucht, »seine Phantasien umzusetzen« - »Und wofür«, als Frage an den Täter, »haben Sie sich gerächt?« - »Na, für die Sachen, die sie mit mir gemacht haben.« Fürwahr höchst aufschlussreich.

     

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    kleine Anmerkung: das Drehbuch entstandt nicht wie oben genannt nach einem Roman, sondern, wie auch schon der Fall "Der Tote im Nachtzug", nach einer Fallanalyse aus dem Buch "Auf der Spur des Bösen" des bremer Kriminalbeamten und Profilers Axel Petermann!
    | von stri, 24.04.2012

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