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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 00:32

     

    TATORT (RBB) - Alles hat seinen Preis (01.04.2012)

    29.03.2012

    Schusters Drahtesel und Nobelkarosse

    Da kommt man ins Grübeln. Der türkische Taxifahrer (Oktay Özdemir) tritt exakt so auf, wie Sarrazin sich den türkischen Taxifahrer in Berlin vorstellt. Und was soll Ritters Hinweis auf »ausgerechnet jetzt, wo das Image der Banken wieder besser geworden ist«? Die Banken hätten aufgehört, sich an unseren staatlichen Budgets zu bereichern? Sie hätten ihre Casino-Produkte storniert? Nein, die Kommissare lassen besser mal die Finger von der Politik, der Schuh ist ihnen einige Nummern zu groß. Von WOLF SENFF

     

    Der Fall: Während des Besuchs von Dagmar Klemke (Nicolette Krebitz) wird ihr Vater in seinem Büro ermordet aufgefunden; er leitete ein mittelständisches Taxi-Unternehmen. Der Täter ist im engen Umfeld von Geschäft und Familie zu suchen. Dagmar Klemke lebt in Australien; sie hat vor, dort eine Tauchschule zu gründen.

     

    Wir erleben großen Glanz und Glitzer, soliden Mittelstand und ambitionierte ökonomische Pläne in einem Krimi. Das ist lobenswert. Doch die Figur des ehrenwerten Bankiers, der von seinen illoyalen Angestellten hintergangen wird, die ist von gestern.

     

    Alles hat seinen Preis wirkt auch in anderen Belangen etwas hinter der Zeit. Es ist ja nicht so, dass ich Einwände hätte gegen einen zurückhaltenden und zwischen Spannung und ruhigen Phasen souverän ausbalancierten TATORT, im Gegenteil. Doch dieser Film wirkt nicht ausbalanciert (Regie: Florian Kern), die Dialogszenen sind dermaßen dominant, dass für spannendes Geschehen, man mag es kaum glauben, zumeist gar kein Platz bleibt.

    Viele Dialoge werden parallel geführt und sind, action insinuierend, durch den Schnitt ineinander verzahnt. Auf diese Weise wird bereits das einleitende Verhör über fast zehn Minuten in die Länge gezogen.

     

    Die Dialogführung ist nicht mitreißend, nicht erheiternd, oft genug peinlich (Drehbuch: Michael Gantenberg, Hartmut Block). »Warum hat Ihr Vater eigentlich nicht wieder geheiratet?« - »Weiß ich nicht.« - »War er vielleicht einsam?« - »Vielleicht, vielleicht auch nicht.« - »Warum sind Sie nach Australien ausgewandert?« - »Es ist wärmer dort.« - »Das ist der ganze Grund?« - »Gefällt er Ihnen nicht?« usw. usf. In welchem creative-writing-Kurs wird das eingeübt und wer empfiehlt so etwas weiter?  

     

    Nein, der Eindruck verfestigt sich: Dieser TATORT ist von gestern. Muss die Regie, als die Kommissare an der Theke eine kurze Auszeit nehmen, ausgerechnet »Griechischer Wein« von Udo Jürgens einspielen? Na gewiss, man entdeckt endlich auch hier die Originalität von Wettrennen, das hatte ja noch gefehlt. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern gleich dreimal, und überaus amüsant inszeniert als Wettfahrt zwischen Schusters Drahtesel und Nobelkarosse und zum Schluss urkomisch mit einem kleinen Scherz unter Männern verbrämt: Wie gesagt, alles reichlich verschnarcht, alles reichlich von gestern.

     

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