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    Sonntag, 20. August 2017 | 17:09

    Heinrich Pachl: Die Spur der Scheine

    21.12.2009

    Pachl für die Tasche

    Geld macht erfinderisch, sagt man, Geld korrumpiert, auch das, aber Geld macht auch kreativ, wenn man darüber schreibt. Jedenfalls bei dem Kölner Kabarettisten Heinrich Pachl, der eine Sammlung seiner erfrischenden Begegnungen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vorlegt. Von FRANK KAUFMANN

     

    Wer ihn kennt, der weiß: Hier verstreicht keine Pointe ungenutzt, und die oft so trockene Realität bekommt ihr Fett weg. Besser gesagt: die Akteure, die nun unfreiwillig komisch durch die Berliner Luft gejagt werden. Allen voran natürlich Angela Merkel, die gleich am Anfang vielsagend zitiert wird: „Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“

    Aber schließlich muss man ja nicht alles so ernst nehmen. Ist ja vielleicht auch spaßig gemeint. Auch die Krise findet (auch und vielleicht sogar) primär im Kopf statt, ergo: glücklich darf sich schätzen, wer sich die rheinische Frohnatur zu eigen macht: „Wo sich Bewohner anderer Städte aufregen, wenn sie betrogen und belogen werden, genießt der Kölner bei vollem Bewusstsein geradezu, wie mit ihm Schlitten gefahren wird.“ Immer nach dem Motto (Tünnes und Schäl zitierend): „Gestern hat mich eine Dampfwalze überfahren – was war ich platt!“

    So bringt Pachl auch das ganze Gerede um die vielen verschwundenen Milliarden auf den Punkt, wenn er das sonst so scheue Bambi Geld („wie ein Reh hüpft es nachts über die Grenze nach Luxemburg oder Liechtenstein“) zum „Killer-Kitz“ mutieren lässt oder schlimmer: „Zum Kannibalen, der sich selbst auffraß – beziehungsweise bereits aufgefressen haben musste. Denn das Geld war einfach nicht mehr da!“ Aber liebe Leute, macht euch keine Sorgen! Für solche Fälle gibt's ja noch den Bürgen, äh Bürger.

    Neben herrlichen Kapiteln über Moral (Motto: „Ist das Hirn zu kurz gekommen, wird sehr gern Moral genommen. Wiglaf Droste“) und den „Spezialdemokraten“ („Julius Cäsar kam, sah und siegte, Beck kam, saß und sitzte.“), um nur kurz ein paar weitere Spitzen aus dem Pachlschen Humorkabinett anzudeuten, kommt er schließlich auch auf die Lichtgestalt des politischen Berlins zu sprechen: auf den Herrn Bundespräsidenten, die „Krönung der Schröpfung“, dessen Existenz er uns plausibel als Steigerungsform erschließt: Kohl – Köhler.

    Heinrich Pachl wagt auch hier (in Buchform), genau wie in seinen zwerchfelltestenden Auftritten, den politsatirischen Rundumschlag. Sein schon fast sprichwörtliches „Institut für Vertrauensstörende Maßnahmen“ untersucht den realiter schwelenden Schwachsinn, der uns tagtäglich um die Ohren gehauen wird, und lässt es nur so krachen – auch, und gerade, in der Krise. Anders gesagt: Die Bomben, die er bastelt, bestehen aus einer Mischung, die jeder in Zeitung und Fernsehen findet, aber nur er bereitet sie so auf, dass die gelegten Zündschnüre die Sache auch in die Luft gehen lassen.

    In der Laudatio zur Verleihung des Deutschen Kabarettpreises 2006 heißt es treffend: „Heinrich Pachl ist ein Polit-Kabarettist im besten Sinne des Wortes: Schnell, zornig, moralisch und vertrauensstörend. Zeitnah und stets aktuell setzt er seine Pointen genau da an, wo es weh tut. Die Querdenkereien des begnadeten Assoziationskünstlers reichen vom Tresen nebenan bis hinein in die große Weltpolitik, deren direkte und indirekte Auswirkungen auf jeden von uns er nie aus den Augen verliert. Die wahnwitzigen Schlüsse, die er aus seinen satirischen Erkenntnissen zieht, machen Heinrich Pachl unverwechselbar.“

     

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