• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 18. August 2017 | 08:42

    Urban Priol: Die Box

    23.07.2009

    Hochgeschwindigkeitskabarett

    Urban Priol legt mit der „Box“ seine Soloprogramme aus den Jahren zwischen 1997 und 2005 vor - eine kurze persönliche Geschichte des politischen Kabaretts. Von JÖRG AUBERG

     

    Aus den „filigranen Tiefen des Spessarts“ stieg Urban Priol nach der Jahrtausendwende in die Höhen der deutschen Spasskultur auf und hat es inzwischen zusammen mit seinem Anstaltsgenossen Georg Schramm auf Platz 14 der Vanity-Fair-Liste der „100 wichtigsten Deutschen“ geschafft.
    Anders als viele Kabarettisten absolvierte Priol kein Lehramtsstudium, sondern richtete sich sofort nach dem Abitur auf der Kleinkunstbühne ein und agiert seither sowohl als vielfach ausgezeichneter Akteur auf der Bühne wie auch als Manager des Hofgarten-Kabaretts in seiner Heimatstadt Aschaffenburg. Äußere Markenzeichen sind seine bunten Hemden und seine pumuckelhafte Frisur wie auch seine Art des „dialektisch“ versetzten Hochgeschwindigkeitskabaretts, in dem er stakkatohaft eine Kritik der Alltagskultur mit einer des politischen Betriebes verknüpft. „Priol … fällt – ohne Punkt und ohne Komma – von einer Geschichte in die nächste“, beschreibt ihn der Kabarett-Spezialist Volker Kühn treffend in seiner Anthologie „100 Jahre Kabarett“, „parodiert und reflektiert, führt Rollen vor und liefert Berichte aus aller Welt und hauptsächlich natürlich aus der Bundesrepublik ...“

    Das Private ist das Politische


    Mit „Urban Priol: Die Box“ legt Priol selbst eine kleine Geschichte seiner Kabarett-Vergangenheit vor. In der „Box“ sind Mitschnitte seiner vier Soloprogramme „kwittung bitte“ (1997), „Stimmt so“ (2000), „Alles muss raus“ (2001) und „Täglich Frisch – update (2005) versammelt, die sowohl seine Entwicklung als Kabarettist als auch die politische Geschichte – vom Ende der Kohl-Ära über das rot-grüne Intermezzo bis hin zur Regentschaft Angela Merkels – dokumentieren. Auf dem Cover seines ersten Programms erscheint er äußerlich noch als grauer, glatthaariger Sonderling der späten Neunziger, während er sich in den Folgejahren bezüglich seines Outfits und seiner Frisur zunehmend stilisiert. Anfänglich dominiert noch die kritische Auseinandersetzung mit Ausprägungen des Alltagslebens wie den Tücken der Technik in Form von Mobiltelefonen und Navigationscomputern oder der spießbürgerlichen Verwahrlosung des Fernsehens, die sich in Vorabend-Serien wie „Forsthaus Falkenau“ (die als „Running Gag“ alle Programme durchzieht) manifestiert. In späteren Programmen nähert sich eher dem politischen Kabarett an, obgleich er stets das Private mit dem Öffentlichen vermengt.

    Narben des Dialekts


    Im Gegensatz zu Kabarettisten wie Matthias Deutschmann, Richard Rogler oder Georg Schramm verfügt das Kabarett Priols über keinen Handlungsfaden oder ausgearbeitete Charaktere wie etwa Schramms traurige Figur des von der Geschichte beiseite gefegten alten Sozialdemokraten August oder Roglers Mitläufer Kamphausen. Stattdessen tigert er in verschiedenen Rollen über die Bühne, in denen er von den „Narben des Dialekts“ (Theodor W. Adorno) entstellte Figuren aus den Regionen der bundesrepublikanischen Barbarei (die sich an den Stammtischen und anderswo tummeln) ans Licht der Öffentlichkeit zerrt und dekuvriert. Ähnlich verfährt er in seinen Parodien der einschlägigen Politiker wie Helmut Kohl, Gerhard Schröder oder Angela Merkel, die erst im Laufe der Programme und der zunehmenden Professionalisierung des kabarettistischen Kritikers an Farbe und Schärfe gewinnen und über die bloße Zurschaustellung der jeweiligen Charaktermaske hinausgelangen.

    Kerngeschäft des Kabaretts


    „Mit dem Etikett Hofnarr hat der Aschaffenburger Kabarettist keine Probleme“, heißt es in einem Beitrag des Bayrischen Rundfunks über den „Freidenker der Nation“. Während die politischen Kommentare weiterhin Sigmund Gottlieb überlassen werden, darf der Narr gegen die Kanzlerin Angela Merkel ätzen, deren Zähigkeit und Machtwillen er unterschätzt. Aber damit bietet sich weiteres Material für neue Programme, mit denen der kabarettistische Unternehmer seinen Lebensunterhalt bestreiten und sein Kerngeschäft betreiben kann.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Verteidigung des Schlagers

    Klar, man kann sagen: der Schlager geht musikalisch über das kleine Einmaleins der Harmonielehre nicht hinaus, seine Texte haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun, er ist ein konservatives ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Das Ende der Sommerzeit

    Es gibt Bücher, die schleichen sich ganz unmerklich ins Herz und treffen einen im Innersten. Tamara Bachs Geschichte gehört dazu. Von ANDREA WANNER

    Ein Geheimnis in einer Graskugel

    Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA ...

    Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

    Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

    Von STEFAN HEUER

    Tage, Tage, Jahre

    Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter