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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 18. August 2017 | 08:52

    Oliver Schmaerings "Drei10 Outtakes - Ein Tag schlägt zurück" im Bochumer Prinz Regent Theater

    26.05.2012

    Von Outlaws und Outtakes

    Na wie wär`s? Lust auf eine Grenzerfahrung? Fünfzig Minuten zu Besuch im Kopf eines Zwangsneurotikers? Hin und vielleicht auch zurück? Drei10 Outtakes - Ein Tag schlägt zurück, unter Regie von Eike Hannemann macht es möglich! Von JULIA ARIANE REITER

     

    Charles M (Martin Molitor) - das M ist übrigens nicht etwa nur ein einzelnes Zeichen, dass auf einen weiteren, größeren Zeichenkomplex verweist, sondern ein vollständiger Nachname - leidet. Er leidet daran, dass Zeit, zumindest für Besitzer einer durchschnittlichen Weltanschauung, kontinuierlich vergeht. Er leidet daran, dass Erinnerungen, durch ihre ständige Präsenz, vom Vergangenen zum Gegenwärtigen mutieren. Er leidet auch daran, dass die kapitalistische Maschinerie wie aus dem Nichts immer wieder neue Tage generiert - und er leidet zu guter Letzt unter zahlreichen Phobien, die er fehlgeschlagenen Selbsttherapieversuchen zu verdanken hat.

     

    Ach ja und nicht zu vergessen, auch der Titel passt zum Stück; Charles M´s am besten kultivierte Phobie ist die gänzlich unterschätzte Paraskavedekatriaphobie, die Angst vor Freitag, dem dreizehnten. Vor dessen Horizont spielt sich leider Charles M´s gesamtes, dem Publikum in seiner ganzen Traurigkeit offen gelegtes Dasein ab. Die obsessive Fixierung auf die Dreizehn geht sogar soweit, dass er, den nicht besonders gestählten Leib in ein schlecht sitzendes Superheldenkostüm gehüllt beschließt, sich nach der Zahl zu benennen und in letzter Konsequenz zu dieser zu werden.

     

    Eingekesselt von Pappkartons muss das, auf der Bühne sitzende Publikum unter greller Beleuchtung und ständiger Beobachtung Charles M´s Hasstiraden, seinen Kontrollzwang, seinen Narzissmus, seine ins leere gehenden Fragen ertragen. Jedes Mittel ist dabei recht, um die Atmosphäre des permanenten Terrors aufrecht zu erhalten. Stromausfälle und helles Licht wechseln sich ab und ist es einen Moment dunkel und Charles M scheint von den Zuschauer ab zu lassen, so beginnt er, diesen unvermittelt mit einer Grubenlampe ins Gesicht zu leuchten.

     

    Obwohl Martin Molitor sich während des gesamten Stückes alleine auf der Bühne befindet, so ist seine Präsenz doch raumfüllend. In einer Atmosphäre, die ständig zwischen eher peinlicher Komik und den niederschmetternden Ergüssen eines Verstörten schwankt, setzt Molitor das Publikum unter anhaltende Spannung.

     

    Trotz Molitors sehr gelungenen schauspielerischen Leistungen, gelingt es Drei10 Outtakes - Ein Tag schlägt zurück allerdings nicht, zu einem jener Stücke zu werden, die in dauerhafter Erinnerung bleiben. Zu präsent und zu wenig innovativ ist das Thema, des frustrierten Outlaws, wie er auch dem Comic Watchmen entsprungen sein könnte. Und auch der Text erweckt oft leider den Eindruck, als würde Quantität, Qualität ersetzen wollen, was sehr zu Lasten der Kontinuität und der Überzeugungskraft des Stückes geht.

     

    Am Ende von Drei10 Outtakes - Ein Tag schlägt zurück - dem dritten und damit vorletzten Teil von Oliver Schmaerings Amerika-Zyklus, hat man übrigens den Eindruck, dass man sich nicht so sehr von Charles M unterscheidet - man ist gereizt und hat den starken Drang einfach weg zu gehen.

     

     

    Fotos: Prinzregent Theater Bochum

     

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    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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