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Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero

07.05.2012

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, Skulpturen und Zeichnungen dieses Ausnahmekünslters. BETTINA GUTIERREZ hat sich einige Bilder und den Katalog angeschaut.

 

“Ich bin der kolumbianischste unter den kolumbianischen Künstlern” erklärte der Maler Fernando Botero 1986 in einem Interview , das zeitgleich mit einer Ausstellung seiner Bilder, Zeichnungen und Skulpturen in München, Bremen und Frankfurt  in einem im Prestel Verlag erschienenen Katalog veröffentlicht wurde. Wer sich  ausführlicher mit Botero beschäftigen möchte, erfährt hier einiges über ihn und seine Kunst.

 

So bekennt er sich in diesem Gespräch zu den Malern der italienischen Frührenaissance und Renaissance wie Giotto, Piero della Francesca und Masaccio, die er als “Maler der körperlichen Fülle” und eine seiner Inspirationsquellen bezeichnet. Aber auch Ingres und Rubens führt er als seine Vorbilder an, was für den Betrachter angesichts seiner Bilder mit den überproportional rundlichen Figuren leichter nachzuvollziehen ist. Außerdem erläutert er seine Kunstauffassung: Sein “rundes Formprinzip”, das ihn als Künstler unverwechselbar macht, verdanke sich allein seiner Intuition, wobei in seinen Werken vor allem die “dekorativen Elemente der Malerei” und nicht eine Botschaft im Vordergrund stünden.

 

Das Volumen oder die Plastizität, die seine Bilder auszeichnen, stünden für eine gewisse Sensualität , die das Besondere eines Kunstwerks ausmachten und ebenfalls bei der ägyptischen und griechischen Kunst der Antike vorzufinden seien. Sein ausgeprägtes Formbewußtsein, das er immer wieder betont, erkläre wiederum, weshalb er zugunsten der malerischen Gestaltung darauf  verzichte, seinen Figuren "eine intellektuelle Dimension zu verleihen”. Folgt man all seinen Ausführungen, kann man daraus den Schluss ziehen, dass sich Botero vor allem als ein Maler versteht, der seinen Sinneswahrnehmungen nachgeht, auch wenn er sich ausgiebig mit europäischen Strömungen wie dem Impressionismus, Kubismus oder der Renaissance befasst hat. 

 

Dass sich seine Aussagen größtenteils auf seine Kunst auswirken, zeigt nun ein fein und sorgfältig gestalteter Katalog der Galerie Samuelis Baumgarte anlässlich einer repräsentativen Werkschau zu seinem 80. Geburtstag. Hier finden sich ebenfalls Zitate von Botero wie etwa seine Bekenntnisse zu geometrischen Formen, einer spontanen Farbgebung und der Tatsache, dass seine Bilder aus der Erfahrung, die er aus der Wirklichkeit schöpfe, entstünden.

 

Erneut taucht hier der Verweis auf seine lateinamerikanischen Wurzeln auf, mit denen er seinen Stil begründet:” Die Bilder meiner Kindheit, die Dörfer Kolumbiens, seine Völker, seine Generäle und Bischöfe usw.: ich habe versucht, all dies durch das Prisma meiner Ansichten über Kunst zu sehen, und dies ist dann eine Stilrichtung geworden.”

 

Betrachtet man mit diesem Vorwissen dann seine Bilder, Zeichnungen und Skulpturen (1961-2009) kann man sich seiner südamerikanischen Originalität und europäischen Einflüsse vergewissern. Abgesehen von der allseits bekannten “Vermolligung” seiner Figuren, auf die der Kunsthistoriker Jean Charles Rump im Vorwort des Katalogs hinweist, fallen bei seinem Werk zunächst die karibischen Anklänge ins Auge: Beispielsweise  bei der wohlgerundeten Skulptur  “Frau im Stuhl” (1995), die in Gesamtkomposition und Ausdruck  an präkolumbianische Keramik  und Schmuck erinnert.

 

Oder bei der mit dekorativen Blumen geschmückten bronzenen “Blumenvase” (2002), die in Form und Motiv ganz der “artesanía”, dem kolumbianischen Kunsthandwerk nachgestaltet ist. Die Ölbilder "Frau mit Pelzmantel" (1990) und “Frau im Hauseingang” (2003) zeigen typische Vertreterinnen der kolumbianischen Landbevölkerung, was man an ihrer Haltung und der

dissonant  bunten Kleidung erkennen kann. Hier mischen sich ein kräftiges Rot mit Rosa, ein helles Braun mit Lila, Farbmischungen, die nicht nur Boteros Fantasie, sondern auch der ländlichen Realität Kolumbiens entsprechen.

 

Die landesüblichen Farben der tropischen Früchte sieht man bei seinen in Öl gemalten “Stilleben mit Banane” (1981) und “Stilleben mit Spiegel” (2003). Fast naturalistisch, als würden sie einem der dortigen Wochenmärkte entspringen, sind die Melonen, Bananen und Orangen hier abgebildet. Ganz anders und europäisch mutet dagegen das Bild “Der Hof” (1999) an, in dessen Mittelpunkt ein in einem saftigen Grün gehaltener Baum steht, der links und rechts von Blumenbeeten mit impressionistischen Zügen flankiert wird.

 

Boteros Beschäftigung mit Picasso entdeckt man bei genauerer Betrachtung bei seinen Zeichnungen und Aquarellen mit Zirkusmotiven (2007-2009), die, wenn auch etwas verfremdet, den kubistisch geprägten Harlekins ähneln. Und die von ihm erwähnten Reminiszenzen an die italienische Renaissance kann man an der geometrischen Formgebung seiner Figuren und Gesichter ablesen, in denen man meint, Bildnisse Piero della Francescas wiederzuerkennen.

 

Nicht einzuordnen sind allerdings seine wunderbar gezeichneten Stillleben (1964-2003); es sind meist Kohle- und Tuschezeichnungen mit klassischen Bildelementen wie Früchten, Gläsern oder Brot, die durch ihre  Ästhetik, Komposition und Gegenständlichkeit bestechen.

 

Auch ein in hellen, freundlichen Farben gemaltes Aquarell und in kontrastreichem Hell-Dunkel angefertigtes Kohle- und Ölbild befinden sich unter diesen Stillleben, die sich einer Klassifizierung entziehen und letztendlich repräsentativ für  Fernando Boteros Gesamtwerk sind.Oder, um es mit anderen Worten zu sagen, die stellvertretend für einen Künstler sind, der einen eigenen, unverwechselbaren Stil hat.

 

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