Ein exquisites Seitenstück
Die Gliederung der Ausstellung ist in ihrer Systematik nicht leicht nachzuvollziehen, weil sie weder strikt historisch, noch nach Malern noch nach einem anderen sachlichen Merkmal verfährt, sondern nach einer Mischung von all diesem geordnet zu sein scheint, die sich zumindest dem Rezensenten nicht erschlossen hat.
Ihr zentrales Anliegen aber, die besondere Stärke der deutschen Portraitkunst in der teils psychologisch subtilen Erfassung einer Person bzw. Persönlichkeit aufzuzeigen, ist der Ausstellung bravourös gelungen. Insbesondere dem mit einem Katalog bewaffneten Besucher eröffnet sich ein nicht nur breiter, sondern auch tiefer Einblick in das deutsche Bildnis um 1500. Dazu trägt auch eine im Einzelnen oft sehr geschickte Hängung bei, die Stilentwicklungen bei einzelnen Malern oder künstlerische Beziehungen der Anregung und Nachfolge unter verschiedenen Künstlern gut sichtbar macht.
Die weitere These der Kuration, die psychologische subtile Darstellung der deutschen Bildnismalerei zeichne diese gegenüber der altniederländischen und italienischen Portraitmalerei aus, die ihr eben darin unterlegen seien, darf allerdings nicht nur bezweifelt werden, sie kann auch an den hier gezeigten Bildern überhaupt nicht überprüft werden. Wollte der Besucher sich ein Urteil darüber bilden, müsste er die hier gezeigten Bilder mit niederländischen oder eben italienischen Bilder vergleichen, wie sie etwa im Bode-Museum zu sehen sind. So zeigt sich die zur Berliner Ausstellung dialogische Konzeption der Münchner Schau bis in die kuratorische Werbung hinein. Missen sollte man dieses exquisite Seitenstück allerdings nicht.