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Mittwoch, 22. Mai 2013 | 04:19

Der TITEL-Geschenktipp

18.12.2010

Vom Glück des Nichtstuns

 

Na, sind Sie gerade nach einem stressigen Arbeitstag heimgekommen, haben sich über den leeren Kühlschrank geärgert und haben - vor dem geplanten Einkauf – eben nochmal den Rechner hochgefahren, um die Mails zu checken und ein paar Buchtipps auf TITEL aufzuschnappen? Jetzt klingelt auch noch das Telefon, und eigentlich, müssten Sie ja auch noch...Stopp! Jetzt mal halblang. TOM ASAM über die wertvollen Momente des genüsslichen Nichtstuns.

 

Ulrich Schnabel studierte Physik und Publizistik und ist Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT. Nebenbei ist er auch noch erfolgreicher Buchautor. Sein Sachbuch „Die Vermessung des Glaubens“ wurde von Bild der Wissenschaft als Wissenschaftsbuch des Jahres 2009. ausgezeichnet. Und nun folgt bereits das nächste Werk. Auf 288 Seiten will uns Schnabel Vom Glück des Nichtstuns überzeugen. Über die Qualitäten des Autors habe ich keinerlei Zweifel, darüber allerdings, ob er dieses Glück selbst reichlich nutzen kann, schon eher.

 

Laut Klappentext beschreibt Schnabel „die Ursachen der allgemeinen Zeitnot, zeigt uns wo wir heute noch Inseln der Muße finden...“ Das Dilemma dürfte sein, dass der potentielle Leser solcher Werke auch nach der Lektüre nicht ohne schlechtes Gewissen oder das Gefühl von Langeweile dem Nichtstun frönen wird. Denn ist es nicht gerade der vermeintlich gebildete und reflektierte Mensch in unserer Gesellschaft, der dem Drang nach dem Mehr und der Gleichzeitigkeit der Dinge und Aktivitäten schwer widerstehen kann ? Wenn´s mal läuft, muss man dranbleiben. Und wenn man sich mal ein Wochenende der Kontemplation gönnt, dann sollte es schon mit einem Aufenthalt in einem (mindestens) vier Sterne vorzeigendem Wellnestempel verbunden sein. „Ich hab am Wochenende an die Wand geschaut“ oder „wir waren spazieren“ klingt halt am Montag in der Agentur nicht cool genug. Dass Schnabel in seinem Buch auch eine „Galerie der großen Müßiggänger“ präsentiert, in der Britta Steffen, John Lennon, John Cage und Doris Dörrie auftauchen, deutet schon an: Nichtstun kommt nicht gut an, außer man nutzt es (angeblich) zielgerichtet, um danach umso tatkräftiger zu Werke zu schreiten und möglichst große Spuren zu hinterlassen.

 

Vielleicht hätte ich nach dem Lesen dieser Anleitung zum Müßiggang ja eine andere Sicht der Dinge. Allerdings muss ich zugeben, dass das Buch immer noch verschweißt auf meinem Wohnzimmertisch liegt. Ich bin die letzten Tage lieber durch die vorweihnachtlich verschneiten Isarauen spaziert, als mir auf knapp dreihundert Seiten erklären zu lassen, dass Muße gut tut. Entscheiden Sie für sich selbst bezüglich Muße und Müssen. Gerade die angeblich so „stade Zeit“ vor Weihnachten ist bestens dafür geeignet, zu überprüfen, ob man sich von Erwartungshaltungen und Vorgaben stressen lässt oder Zeit findet, dass Jahr nach eigenen Maßstäben entspannt ausklingen zu lassen! Muße mag Ihnen dabei behilflich sein. Ich werde es lesen, wenn ich selbige dazu habe.

 

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