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Kimberly Witherspoon, Andrew Friedman: Kulinarische Katastrophen weltberühmter Köche

31.12.2010

Zu viele Köche ...

Das fünf Jahre alte Erfolgsrezept Kulinarische Katastrophen weltberühmter Köche wird wieder aufgewärmt. Mit britischen und heimischen Ingredienzen verfeinert, soll das Menü deutsche Feinschmecker anziehen. Doch die Speisen auf den Tellern von Kimberly Witherspoon und Andrew Friedman munden eher wie ein Eintopf, meint DANIEL WÜLLNER.

 

Schauen wir in eine beliebige deutsche Kochsendung, so strahlen uns am Ende nur glückliche Menschen entgegen. Gerötet vom Wein, gesättigt von der Hauptspeise und befriedigt vom Nachtisch, kann man ihnen den Genuss förmlich am Gesicht ablesen. Nur sehr selten sind die Kartoffeln zu salzig oder das Fleich zu zäh. Im Fernsehen werden all' diese Malheure nachträglich fein säuberlich herausgeschnitten. Anders verhält es sich da mit der Erinnerung - ihr entgeht nichts. Das gilt auch für Sterneköche.

 

Ein Koch ist im Grunde seines Wesens Perfektionist. Er hat alle Zutaten handverlesen und zu jedem Zeitpunkt schon mal was vorbereitet. Gerne referiert er, wie er welche Zutat behandelt hat und auf welcher Temperatur der Ofen vorgeheizt werden muss. Was aber, wenn doch mal etwas schief geht? wie geht der Perfektionist mit dem Schandfleck auf seiner weissen Schürze um? Das handliche Buch mit dem vortrefflichen Namen Kulinarische Katastrophen weltberühmter Köche besucht die Köche dieser Welt und fragt nach, welche Erinnerungen über mehr oder weniger fatale Fehler zurückgeblieben sind.

 

Neue Zutaten

Bereits vor fünf Jahren erschien der Band in Amerika mit internationalen Köchen (von Ferran Adrià bis Anthony Bourdain). Der Berliner Taschenbuch Verlag hat einfach noch ein paar Köche der britischen Ausgabe (wie z.B. Jamie Oliver und Tom Aikens) beigemengt und das Ganze mit heimischen Chefköchen (unter anderen Johann Lafer und Sarah Wiener) abgeschmeckt.

 

Was sich auf der Karte nach einem wohlmundendenen Gericht anhört, wird bei der Lektüre zum biederen Eintopf. Wirklich exzellente Geschichten bekommen wir nicht vorgesetzt. Das liegt zum Teil daran, dass die Köche als Ich-Erzähler auftreten. Sie bestimmen, was in den Topf kommt und was nicht. Welcher Chefkoch würde schon gerne eigene Fehler eingestehen. So werden lieber kleine Missgeschicken aus der eigenen Biografie herausgeangelt oder andere Schuldige gesucht - langsamer Transport, schlechte Küche, dummes Personal oder der Hummer selbst.

 

Langweiliger Geschmack

Wirkliche Freude an der Verköstigung der literarischen Speisen in Kulinarische Katastrophen weltberühmter Köche kommt nur selten auf. Wenn einem Molekularkoch die simpelsten Gesetze der Physik einen Strich durchs Menü ziehen, wenn ein achso humorvoller britischer Fernsehkoch auf einmal relativ unwitzig erscheint und wenn ein deutscher Koch ein Auto voller »Hühneli« in die Schweiz überführen will, dann genießt man die köstlicheste von allen Freuden, die Schadenfreude.

 

Der eigentliche Prozess des Kochens wird oftmals komplett ausgesparrt. Die Handlung verläuft in vielen der Geschichten einfach zu gleichförmig, als dass wirklich Spannung aufgebauen werden kann. So werden dem Leser langweilige Biografie-Ragouts vorgesetzt oder ein ungewürztes Potpouri aus Geschichten serviert.

 

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