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    Dienstag, 25. April 2017 | 16:32

    Harald Haarmann: Die Indoeuropäer

    25.11.2010

    Sprachforschung als kriminalistische Spurensuche

    Wie legten indoeuropäische Steppennomaden aus Südrussland die kulturelle Grundlage der bedeutendsten Weltsprachen? Sie domestizierten das Wildpferd! Wer meint, dass Sprachwissenschaft sich einzig und allein im Wälzen von verstaubten Grammatiktafeln erstreckt, wird durch die Lektüre von Harald Haarmanns knappen und präzisen Buch Die Indoeuropäer schnell eines anderen belehrt. Von MARIA-BERNADETTE EHRENHUBER

     

     

    Um Sprachwissenschaft ernsthaft zu verstehen, bedarf es einer gehörigen Portion Interdisziplinarität. So wie Haarmann, der zu den weltweit bekanntesten Vertretern seiner Gilde gehört, zeitgemäße Sprachwissenschaft betreibt, bewegt sie sich im großen Bereich der Kulturwissenschaften. Erzählt wird in präziser und schnörkelloser Sprache, die man bei manchen Kulturwissenschaftlern sehnlichst erhoffen mag, von der Urheimat, den Lebenswelten und natürlich der weit verzweigten Sprache der Indoeuropäer. Ergänzt wird der Text mit 18 Schwarz-Weiß-Abbildungen und 4 Karten.

     

    Die nach der letzten Eiszeit nach Norden wandernden Vertreter der höheren Säugetiere brachten neben den Menschen auch Schafe, Ziegen und Pferde in den Raum zwischen den Flüssen Dnjepr im Westen und Samara im Nordosten. Dort gelang den Menschen etwas, was maßgeblich den Verlauf der Geschichte bestimmte, nämlich die Domestikation des Wildpferdes. Auf dem Rücken der Pferde konnten die Indoeuropäer eine kulturelle Expansion weltgeschichtlichen Ausmaßes erreichen. Die Viehnomaden aus der südrussischen Steppe brachten das Pferd als Haus- und Nutztier in alle Welt und verbreiteten damit auch ihre Sprache.

     

    Die Wandertätigkeit der Indoeuropäer führte sie ab ca. 4000 v. Chr. nach Westeuropa, wo sie sich mit den zumeist Ackerbau betreibenden Alteuropäern vermischten und so bedeutende Sprachgruppen wie das Griechische, Keltische, Germanische, Italische und Slawische schufen. Die alteuropäischen Wurzeln in der Sprache zeigen sich vor allem in Wörtern aus der Landwirtschaft. Die Migration nach Osten ab ca. 2500 v. Chr. brachte die Indoeuropäer in den Mittleren Osten und nach Indien, wo die iranischen und indischen Sprachgruppen entstanden, die eng miteinander verwandt sind.

     

    Prägnante Einführung

    Seit Jared Diamonds grundlegenden Arbeiten über das Entstehen von Kultur ist evident, dass die ökologischen Voraussetzungen in den jeweiligen Habitaten der frühen Menschen das Fundament von Kulturen ergeben hat. Das kulturelle Erfolgsrezept der Indoeuropäer war das Vorhandensein des Pferdes in ihrem Siedlungsgebiet. Eine Folge davon ist die weltweite Verbreitung der Sprachen aus der indoeuropäischen Sprachfamilie, die Harald Haarmann in seinem empfehlenswerten Text übersichtlich und auch für interessierte Laien verständlich darstellt.

     

    Das Literaturverzeichnis im Anhang lädt zum Weiterlesen ein. Übrigens sind auch die anderen Bücher des Sprachwissenschaftlers Haarmann spannend. Wer allerdings zu einer kurzen, prägnanten Einführung greifen möchte, hat mit dem vorliegenden Band aus der Reihe Wissen gute Gelegenheit dazu.


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    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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