Ein Salto Mortale von einem Buch
The Circus umspannt eine Form der Kultur, die sich bis zur Spitze des „Big Top“ aufschwingt und hinabreicht in die Grube des Geek. Daniels aus Archiven, Privatsammlungen und Fotokollektionen erstandenes Panoptikum romantisiert das Schaustellerleben nicht. The Circus zeigt die Tragödien hinter dem grellen Tumult, die menschliche Ausbeutung und die Illusionen. Die todesverachtenden Pirouetten der Akrobaten endeten selten in einem Drama. Am Ende des Nomadenlebens indes wartete oft Armut und Vergessenheit. Die Essays enthüllen die fadenscheinige Kehrseite der glitzernden Pailletten. Die Zeltstadt war weder komfortabel, noch gab es Privatsphäre. Entbehrung und soziale Stigmatisierung waren der Preis für ihre Freiheit zahlten.
Der Bildband öffnet den Vorhang zu Abenteuer, Mythos und Magie. Bis die bunte Welt ihre Betrachter wieder ausspuckt, schwindlig vom hoch und runter schauen an den überbordenden Bildtafeln wie vom Blick in den Zelthimmel. Die gigantischen Klapptafeln der 2008 erschienen Acht-Kilo-Prachtausgabe fehlen der weit schmaleren Neuauflage. Dennoch ist The Circus ein Salto Mortale von einem Buch. Cornell Capa, Charles und Ray Eames und Stanley Kubrick sind nur einige der Künstler, deren Fotografien dazu beitragen, den amerikanischen Zirkus von der Entstehung bis zum Untergang lebendig zu machen. Die Blütezeit des Zirkus wehrte kurz, Jahrtausende ist er gewachsen, in wenigen Jahrzehnten vergangen.
„There ought to be clowns ...
Well, maybe next year.“
(Stephen Sondheim)


Stars in der Manege
Charlie Chaplin und die Marx Brothers traten dort auf, Burt Lancaster arbeitete dort, erste Nickel-Odeons waren Teil von ihm: Zirkus und Kino sind heimliche Seelenverwandte. Sechs Filme, in denen die Manege lebendig wird:
The Circus (1926) - mit dem großartigsten aller Clowns. Chaplin.
Freaks (1932) - Tod Brownings hintersinniges Horrorjuwel mit der Elite der damaligen Side Shows.
I'm no Angel (1933) - Mae West stolziert von der Wanderbühnes in eine glänzende Zirkusarena. Löwen und Männer fressen ihr aus der Hand.
The Geatest Show on Earth (1952) - Abenteuer! Gefahr! Liebe! Dramatik! Und alles in Technicolor. Als es noch Zirkus gab - und wahre Melodramen.
Lola Montez (1955) Unglück, Liebesleid und Trauer hinter der glitzernden Fassade - doch der große Lebenszirkus geht weiter.
The 7 Faces of Dr. Lao (1964) „The world is a Circus if You look at it the right way.“ Und hatten wir nicht alle unsere Lieblingsattraktion? Pan, Medusa, das Seeungeheur ...