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    Dienstag, 25. April 2017 | 16:22

    Kurt Flasch: Meister Eckhart

    01.07.2010

    Ein Meister in neuem Licht

    Das Bild dieser zentralen Geistesgröße des Mittelalters ändert sich. Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zwingen zum Umdenken. Kurt Flasch zieht Bilanz. Von FRANK KAUFMANN

     

    Was wurde nicht schon alles über Meister Eckhart geschrieben! Seit über hundert Jahren hat er Konjunktur. Von völkisch-nationalen Kräften wurde er vereinnahmt, als deutsche Ikone stilisiert und immer wieder wird er als Meister der Mystik gefeiert. Nachgewirkt hat er bis in unsere Tage als einer, der aus einem religiösen Erleben schöpft, aber „kein durchgearbeitetes System“ zu bieten habe, wie es noch im Störig (Weltgeschichte der Philosophie) zu lesen ist.

     

    Mystikindustrie für Weltflüchtlinge

     

    Kurt Flasch, der sich hier zum wiederholten Mal als Eckhart-Kenner ausweist, macht mit diesem tradierten Bild Schluss. Die Kennzeichnung Eckharts als „Mystiker“ hält er für „entbehrlich“. Erst recht erteilt er eine Absage an esoterische Weltflüchtlinge und vergrätzte Kirchenabtrünnige, die Eckhart seit langem als ihre Identifikationsfigur ausgemacht haben und für die er als Vorbild für eigene mystische Einheitserlebnisse herhalten muss. Flasch nennt das „Mystikindustrie“, die er nicht bedienen wolle. Stattdessen setzt er das Denkerische dagegen. Aus Eckharts Texten spreche ein „Philosoph des Christentums“ und der Versuch, den christlichen Glauben mit den Mitteln der Vernunft zu begründen.

     

    „Wenn Gott die Wahrheit ist und wenn das Christentum wahr ist, dann muß man ihm das anmerken. Dann gehört es allen Menschen, nicht nur Christen.“

     

    Dass Meister Eckhart in eine Denktradition eingeordnet werden kann, widerspricht nicht dem Außenseiterbewusstsein, das Flasch ihm immerhin zubilligt. Der Autor erhöht unsere Sensibilität und das Verständnis für das geistige Umfeld des um 1260 in der Nähe von Gotha Geborenen. So profitiere Eckhart von einer „enormen intellektuellen Entwicklung des Westens“, die sich seit Beginn des 13. Jahrhunderts abzeichnete. Solchermaßen versteht er Eckharts Denken aus dem Denken seiner Zeit heraus und vermeidet damit den Irrtum, Eckhart sei in seiner Zeit grundlegend missverstanden worden.

     

    Exaktes Grundlagenwerk

     

    Flasch zeichnet Eckharts Schicksal, seinen Werdegang, von Paris, Erfurt über Straßburg, die Stationen im Denken, als durchaus folgerichtig und viel weniger geheimnisvoll nach, als gemeinhin üblich. Ebenso sein tragisches Ende in Avignon, der Inquisitionsprozess und die Verurteilung seiner Schriften als „Teufelssaat“ durch den Papst. Während sich im Denken seiner Zeit der Thomismus durchsetzte, erprobt Eckhart auf seine Weise ein „neues Vernunftvertrauen“ und hatte damit, aus der Sicht seiner Zeitgenossen „mehr wissen wollen, als sich gehört“. Dieses Bemühen um Wissen zeichnet Flasch anhand der wichtigsten Texte Eckharts durchaus spannend nach.

     

    Flaschs Absage an jegliche Form bequemer und leicht zu konstruierender Verschwörungstheorien, passt wiederum dazu, mit welcher Klarheit er Eckharts Leben und Werk analysiert. „Meister Eckhart. Philosoph des Christentums“ ist ein exaktes Grundlagenwerk, das einen lebendigen Einblick in die Eckhart-Forschung der letzten Jahrzehnte gewährt und nun auch jedem interessierten Laien zugänglich wird.

     

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