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Dienstag, 21. Februar 2017 | 01:39

Paul Trynka: Iggy Pop

29.05.2008

Iggy-Roman

Kratzer und Blutergüsse trug Iggy Pop nicht nur von seinem spektakulären Autounfall 1965 davon, den er mit Freundin Lynn Klavitter in einem 57er Chevy-Kombi glimpflich überlebte. Verwundungen bis hin zur selbst aufgeschlitzten Brust während eines Konzertes zählten zum blutigen Rockeralltag des Sängers. Von KLAUS HÜBNER

 

Bill Clintons Autobiographie umfasst etwa eintausend Seiten, ein Buch über Helmut Kohl immerhin 379 Seiten, eine Biographie über Thomas Mann kommt auf 504 Seiten. In diese Dimensionen dringt Paul Trynka mit seiner 527 Seiten starken Biographie über Iggy Pop problemlos vor. Kein Wunder, beschreibt er doch (fast) jedes Partikelchen aus dem Leben des als James Osterberg am 21. April 1947 in die Nachkriegswelt hinein geborenen, als Iggy Pop bekannt gewordenen Musikers. Damals ahnten weder der Porträtierte noch dessen Familie, dass er eines Tages als wilder Dämon des Rock’n’Roll sein Publikum verschrecken und begeistern würde.

Paul Trynka ist Redakteur der Musikzeitschrift „Mojo“ und hat nach eigenem Bekunden mehr als 250 Interviews für diese Biographie geführt. Was man ihm abnehmen kann, denn die Masse der winzigen bis überbordenden Informationen sprengt fast den Rahmen dieses Buches. Das Leben des „Godfather of Punk“ wirbelte um Affären, Exzesse, Pleiten und Krankheiten, es schnellte aus der Normalität von Alltag und Schule in eine lang andauernde, selbstzerstörerische Party empor. Trynka schildert dieses außergewöhnliche Leben so hautnah, als sei er in jeder Phase dabei gewesen, als habe er dem Sänger der Stooges und Kumpan von David Bowie bei jeder Gelegenheit ein Mikrofon vor den Mund gehalten.

Mehr Roman als Biographie, zeigt das Buch die zwei Seiten des James Osterberg, der als wilder Exzentriker die Bühnen der Welt unter seine Fittiche nahm, der aber außerhalb des Rampenlichtes als ein verträglicher, liebreizender und sympathischer Zeitgenosse auftrat. Iggy Pop zeichnete ein Bild vom Rockerdasein, das über die Standardfunktionen hinaus ging. Er setzte deutliche Zeichen, die den Normalbürger vom Freak unterscheiden. Und er besaß die nötige Verrücktheit, die man braucht, um aus der Masse herauszuragen und um die weit verbreitete Spießigkeit der Fans vom eigenen Tun fernzuhalten.

Erst am Limit entscheidet es sich, ob jemand will, was er tut oder nur tut, was er will. (Iggy Pop). Diese Unterschiede herauszuarbeiten ist Paul Trynka überwiegend gelungen.

 

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