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    Eric Hobsbawm: Wie man die Welt verändert

    14.09.2012

    Der Kommunismus ist tot,
    lang lebe der Marxismus!

    Eric Hobsbawm beweist in Wie man die Welt verändert. Über Marx und Marxismus sein ungebrochenes Interesse für Karl Marx. Von MARC STROTMANN

     

    Die Wirtschaftskrise und der drohende Zusammenbruch der Eurozone sind wie Wasser auf den Mühlen linksorientierter Kapitalismuskritiker. Karl Marx sagte den Untergang der Marktwirtschaft voraus, welche durch die Diktatur des Proletariats und schließlich durch die klassenlose Gesellschaft abgelöst werden sollten. Löst sich jenes Versprechen nun mit 100 Jahren Verspätung doch noch ein? Es sei wieder einmal an der Zeit, Marx ernst zu nehmen, schreibt Eric HobsbawmDer britische Historiker unternimmt eine Zeitreise durch mehr als 150 Jahre marxistischer Geschichte vom Kommunistischen Manifest über die Studentenbewegung bis in die Gegenwart.

     

    Eric Hobsbawm, geboren 1917 in Alexandria, ist emeritierter Professor für Geschichte an der University of London. Seit 1984 hat er den Lehrstuhl für Politik und Gesellschaft an der New York School for Social Research inne. Innerhalb der britischen kommunistischen Bewegung galt Hobsbawm als einer der führenden Köpfe.

     

    Auge für Details

    Hobsbawm schildert die Vorläufer des Marxismus, die Marx und Engels in ihren Arbeiten geprägt haben, von Hegel bis Henri de Saint-Simon, von Charles Fourier bis Robert Owen. Anschließend widmet sich der Historiker den herausragenden Schriften Karl Marx’, dem Manifest der Kommunistischen Partei und den Grundrissen und analysiert die unterschiedliche Wirkung zum Ende des 19. Jahrhunderts innerhalb Europas.

     

    Es folgt die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der sich eine internationale Arbeiterbewegung, aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich des bevorstehenden (Ersten) Weltkrieges nicht entwickeln kann. 1917 kommt es in Russland unter Lenins Führung zur Oktoberrevolution und der Errichtung des ersten kommunistischen Staates.

     

    Im weiteren Verlauf beschreibt Hobsbawm den Vormarsch marxistischer Bewegungen während des zurückliegenden Jahrhunderts. Die antifaschistische Bewegung in den 30er und 40er Jahren, sowie die Studentenrevolten Ende der 60er Jahren sorgten für einen regen Zulauf und einer wahren Marx-Manie. Kommunistische Schriften wurden gelesen und diskutiert, es entstanden neue Strömungen, die sich allerdings immer mehr von der marxistischen Orthodoxie entfernten. Die folgende Krise des Marxismus fand im Zusammenbruch der Sowjetunion ihren vorläufigen Höhepunkt.

     

    Ein Kapitel behandelt zudem Antonio Gramsci, einen der Begründer der Kommunistischen Partei Italiens. Hobsbawm bezeichnet den 1937 verstorbenen Journalisten und Autor als einen der wichtigsten marxistischen Denker des 20. Jahrhunderts. Gramsci prägte den Hegemonie-Begriff im marxistischen Diskurs und stellte im Gegensatz zu Marx die Politik, nicht die Ökonomie in den Vordergrund seiner Analyse.

     

    Lebendige Geschichte

    Wie man die Welt verändert ist ein umfassendes Werk marxistischer Geschichte. Die einzelnen Epochen werden ausführlich diskutiert und analysiert. Besonders hervorzuheben ist, dass Hobsbawm zu keiner Zeit Gefahr läuft, zu kurzsichtig zu agieren. Seine Darstellungen zeigen auf, wie unterschiedlich sich der Marxismus – insbesondere in Europa – auswirkte.

     

    Gerade mit Blick auf den Buchtitel, kommt allerdings der Gegenwartsbezug nicht genug zum Tragen. Wie verändert man die Welt? In Zeiten der Eurokrise rücken die Lehren Marx' wieder in den Vordergrund, der lange Zeit als überlegend geltende Kapitalismus gerät ins Taumeln. Doch die interessante Frage, wie Karl Marx die moderne Gesellschaft analysieren würde, stellt sich Hobsbawm nicht und lässt damit Potenzial liegen, welches Zündstoff für so manche hitzige Debatte hätte liefern können. Leider fehlt es Hobsbawm Rhetorik an Lebhaftigkeit, seine Ausführungen glänzen durch Ausführlichkeit, bestechen aber auch durch sprachliche Nüchternheit. Wer einen flammenden Appell für die Auferstehung marxistischen Ideenguts erwartet, wird enttäuscht.

     

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