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Freitag, 28. November 2014 | 18:46

Marie T. Martin: Luftpost

11.07.2011

Die Meisterin der Mikrogroteske

In Marie T. Martins soeben beim Leipziger poetenladen-Verlag erschienenem Debütband Luftpost zählen die Sätze. Von LEIF NYBELEN

 

Jeder Satz ist wie ein Nukleus, ein Kern mit der Anlage zu vielen fruchtbringenden Geschichten. Deren Luzidität besteht in der Vereinzelung dieser Sätze, die in schwierigen Situationen überlebenswichtig werden. Es kommt dabei auf jedes einzelne Wort an. Die Sprache bringt dabei die Figuren in den Erzählungen auf den Boden zurück.

 

Marie T. Martin verfasst ihre Geschichten in luftigen, gar leichtbekleideten Sätzen, die mit dem Reiz von Netzstrümpfen, die nur ein bisschen Haut zeigen und das Bedeckte eher andeuten als aufblitzen zu lassen, die nicht erklären, was nicht erklärt werden kann, aber ist. Es genügt das Wissen darum, um darüber nachzudenken: »Er weiß, dass der Schleier da ist, manchmal kann er ihn fast greifen und im Traum sieht er ihn.«

 

Die 1982 in Freiburg i.B. geborene Autorin, 2009 mit dem renommierten Rolf-Dieter-Brinkmann-Preis der Stadt Köln ausgezeichnet, hat am Leipziger Literaturinstitut studiert und nach dem Abschluss sehr konzentriert an ihrem ersten Buch gearbeitet. Dieser schön gestaltete Band enthält fünfzehn Geschichten, die Verhältnisse von Menschen und Dingen genau und dezidiert ausleuchten.

 

Und dabei kann es sich um sehr unterschiedliche Beziehungen handeln: Es geht z. B. um die Beziehung zur Luft, zur Hitze, zur Post, ebenso wie zu den Zitronen oder zu Zebrastreifen. Es besteht eine besondere Art Liebe zwischen den Dingen und Menschen. Das große Ganze geht dabei gerade nicht im Kleinen auf, die winzige Beobachtung aber auch nicht im Fabulieren über die Welt und das Leben. Beides bleibt dennoch unübersetzbar und unersetzlich.

 

Der Alltäglichkeit der Lebensentwürfe zwischen Aufwachsen, Ausziehen, Lieben, Trennen, Alleinsein, Familiengründung, Feiern und Arbeiten wirft Marie T. Martin, die Meisterin der Mikrogroteske, ein schalkhaftes Augenzwinkern entgegen, das man beim Lesen gerne erwidert: »Ich denke immer dasselbe. An die Musik und an Sarahs Brüste. Die Mulde über ihrem Hintern. Und an meinen Sachbearbeiter.« Es sind nicht die außergewöhnlichen Ereignisse, die Luftpost aufgreift, nicht die unerhörten Begebenheiten, es sind eher die atmosphärischen Nuancen, die kurzen Blicke, die unbemerkbaren Ereignisse, die das dahintreibende, beinahe belanglose Leben der Protagonisten vorantreiben.

 

Was passiert, passiert. Ebenso wie das Leben. Aber dass es passiert, ist sehr viel wert. Der besondere Wert von Martins Erzählungen liegt in ihrer Humanität. Und das dies so selten geworden ist, das ist nun doch ziemlich unerhört.

 

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