Leere ist das Leitmotiv in Colm Tóibíns erstem Erzählband – Leere und Schweigen, Abwesenheit und Verlust. Zehn Geschichten umkreisen dieses allgegenwärtige Thema: die kürzeste kaum zehn Seiten lang, die längste eher eine eigenständiger Novelle. Einige dieser Stories sind bereits in anderen Publikationen erschienen, fügen sich nun jedoch zu einem umfassenden Komplex zusammen, aufrecht gehalten durch das Spannungsfeld zwischen zwei Gegenspieler: Mütter und Söhne.
Harmonisch sind die beschriebenen Beziehungen selten. Es fehlt an Vertrautheit, Nähe, Wärme. Die Mütter halten sich auf Distanz, auch wenn sie vermeintlich das Beste für ihre Kinder wollen. In Der Gebrauch der Vernunft versucht ein Krimineller vergeblich, die in einem Raubüberfall gestohlenen Gemälde zu Geld zu machen. Als er voller Wut erfährt, dass seine Mutter in alkoholisiertem Zustand Details über ihn ausplaudert, fasst er einen trotzigen Entschluss. Er wird die Kunstwerke einfach verbrennen, vor allem Rembrandts Bildnis einer alten Frau, die ihn an eine »sauertöpfische alte Nonne« erinnert.
In der Erzählung Die Parole kämpft die verwitwete, hoch verschuldete Geschäftsfrau Nancy ums pure Überleben. Ihr verstorbener Mann hat den gemeinsam geführten Supermarkt hoffnungslos mit Hypotheken überlastet. Energisch und zäh arbeitet Nancy ein neues Geschäftsmodell aus: Sie eröffnet einen Fish-and-Chips-Shop, der tatsächlich boomt. Doch als ihr Sohn Gerard sich erfolgreich einarbeitet und seine Zukunft in dem Laden sieht, wird er herb enttäuscht: Seine Mutter will das Geschäft verkaufen, um nach Dublin zu ziehen.