Schräger schwarzer Humor
So schön das Buch ist, so spannend oder grotesk-komisch einige der Geschichten auch sind, ganz schlau bin ich aus dem Buch nicht geworden.
Anfangs rätselte ich, wer nun als Zielgruppe in Frage kommen würde. Bei Märchen von Hans Christian Andersen und den Brüdern Grimm, Texten von James Krüss und Christine Nöstlinger denkt man zuerst an Kinder. Allerdings gibt es nicht viele Kinder, die mit dem schrägen, teilweise auch schwarzen Humor der meisten anderen Storys zurechtkommen. Der Verlag meint, dass das Buch Vorlesegeschichten für Kinder beinhalten würde. Ich dachte im ersten Moment, als mir das Buch in die Hände fiel, eher an eine Gute-Nacht-Lektüre für mich.
Da ich drei Testleserinnen im Alter von fünf bis neun zu Hause habe, machte ich einen Zielgruppentest. Und das für mich überraschende Ergebnis war, dass beinahe alle Storys gut ankamen. Nur die Ein-Satz-Geschichte von Franz Hohler wurde nicht als Gute-Nacht-Geschichte akzeptiert. Nicht nur, weil sie den Witz an dem Satz nicht verstanden, sondern ganz einfach wegen ihrer Kürze: „Es war einmal ein Zwerg, der war 1,89 m groß.“ Punkt. Aus. Ende. Dazu die Zeichnung von Ungerer: Ein Mann sieht sich durch ein Mikroskop einen kleinen Mann an. Das wars. Vollkommen unverständlich war ihnen auch die Geschichte von Joachim Ringelnatz in ihrer verschnörkelt-altertümlichen Sprache. Auch die Aussage von Kurt Tucholskys Kurzprosa verfehlte ihre Wirkung.