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Donnerstag, 24. April 2014 | 01:48

Alexander Pechmann: Das Haus des Bücherdiebs

22.11.2010

Rettet die Bücher!

Ein liebevoller Aufstand gegen die Ausrottung des Buches - Alexander Pechmanns Roman Das Haus des Bücherdiebs. Von CHRISTIANE MIETH

 

Im heutigen Zeitalter des IPads, Laptops und E-Books sind gedruckte Bücher vom Aussterben bedroht. Sie mutieren zu einer untergehenden Spezies und erleiden zunehmend das Schicksal, in verwahrlosten Büchereien, verlassenen Bibliotheken und eingestaubten Kellerregalen für immer zu verschwinden. Alexander Pechmann setzt sich in Das Haus des Bücherdiebs aufopferungsvoll für die Rettung der Bücher ein und ruft zum globalen Handeln auf. Bücher müssen überleben.

 

Pechmanns Bücherasyl

Das Haus des Bücherdiebs kann damit als eine Initiative für den Erhalt des geschriebenen Blattes gelesen werden. Schon seinen ersten Roman, Die Bibliothek der verlorenen Bücher, widmet Alexander Pechmann den verstoßenen Büchern, die kein Mensch lesen will oder die nur in verschrobenen Kunstgeistern existieren. Der Herausgeber und Übersetzer (u.a. Mary Shelley und Herman Melville) ist beinahe ebenso ein Büchernarr wie seine Figuren. Von dieser Leidenschaft getrieben gründet er das Haus des Bücherdiebs.

 

In diesem Haus stehen die brüchigen Büchertürme, die die armen Brüder Collyer erschlagen haben. Dort stehen die Bücher, für die Don Vincente über Leichen ging. Die Bücher, die Virginia Woolf eigens mit ihrer Handpresse gedruckt hatte. Selbst der „Familien-Shakespeare“ der anständigen Henrietta Bowdler, die auf Gummi gedruckte Odyssee Homers für die Badewannenlektüre und die Manuskripte Aristoteles, die ihre ganz eigene Odyssee in das Haus führte. Alexander Pechmann hat hier ein Asyl für Bücher in Not erbaut.

 

Verrückt, manisch, wahnsinnig

Doch dieses Haus gehört nicht nur dem Autor ganz allein. Es ist eine WG vieler großer Köpfe des Literaturkanons, deren Sammlerleidenschaft zu manischer Bibliophilie wurde. Von Habgier besessen überschritten sie die Grenzen des gesunden Menschenverstandes, bis sie schließlich an ihrem Wahn zu Grunde gingen, begraben unter der Last ihrer meterhohen Bücherstapel.

 

,,Gute Bücher müssen bewahrt werden!"

Alexander Pechmann schreibt rührende Geschichten über vollkommen kuriose Buchschicksale. Der Leser schüttelt beständig den Kopf, schmunzelt in sich hinein oder starrt fassungslos auf die beschriebenen Seiten in seiner Hand. Sicherlich stellt er sich die Frage, ob diese Geschichten tatsächlich wahr sind, doch schon allein die Möglichkeit hat ihren Reiz. Und im Grunde interessiert der Wahrheitsgehalt niemanden mehr, wenn die Geschichte nett erzählt ist. Außerdem dienen die abstrusen Erlebnisse Tolstois, Hemingways & Co. doch nur dazu, die Leitparole dieses kleinen charmanten Bändchens zu propagandieren: Rettet die Bücher!


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