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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 30. Mai 2017 | 05:41

    Alan Bennett: Die souveräne Leserin

    12.11.2012

    Bibliomanie im Buckingham Palace

    Alan Bennett lässt Die souveräne Leserin mit viel britischem Witz und Humor durch Monarchie und Alltag schmökern. God save the Queen! Von INGEBORG JAISER

     

    Man stelle sich vor: Rumpelnd hält ein Bücherbus der City of Westminster just vor der Küchentür des Buckingham Palace. Aufgeregt hoppeln die kurzbeinigen Corgi-Hündchen über den Hof und kläffen sich die Seele aus dem Leib. Da stapft die Queen neugierig die Stufen des Hintereingangs hinab und bemüht sich geflissentlich, den riesigen Lieferwagen zu erklimmen, um sich für ihre lärmenden Hunde zu entschuldigen.

     

    Bücher, Butterbrote, Kartoffelbrei

    Überraschendes tut sich im Innern des Busses auf: Bücher, Bücher, Bücher – sollte man da nicht pflichtschuldig wenigstens eines entleihen? Unsicher in dieser unbekannten Materie, wählt die Queen blindlings einen Roman von Ivy Compton-Burnett, denn diese Dame wurde von ihr selbst einst geadelt. Auch wenn sich diese Wahl als dröger Fehlgriff entpuppt, wird die Lektüre gewissenhaft durchgezogen (»Bücher, Butterbrote, Kartoffelbrei – was auf dem Teller ist, wird aufgegessen«). Doch das Eis ist gebrochen. Für weitere Ausleihtransaktionen wird der aufgeweckte, bibliophil angehauchte Küchenjunge Norman rekrutiert, auch wenn dessen eigene Vorlieben und Neigungen leicht vom königlichen Interessenprofil abweichen.


    Normans rasanter Aufstieg vom Tellerwäscher zum literarischen Assistenten missfällt zwar dem restlichen Hofpersonal, doch die Queen findet offensichtlich Gefallen daran. Wie auch am Lesen. Bislang erschien es ihr eher ungehörig, Hobbys zu haben. »Ihr Beruf verlangte, Interesse zu zeigen, aber keine Interessen zu haben. Und außerdem war Lesen nicht Tun. Sie war ein Mensch der Tat.« Und doch ist der Funke übergesprungen.


    Erstmals schützt die Queen eine Erkältung vor, um sich ungestört ihrer geliebten Lektüre zu widmen. Repräsentationspflichten und Reisen werden nur noch mit einem Konvolut von Büchern angetreten. Und wenn der Herzog von Edinburgh vor dem Schlafengehen nach seinem »alten Mädchen« schaut, brennt noch die Nachttischlampe. Selbst auf Staatsbanketts unterwandert die Queen den üblichen politischen Small Talk mit neugierigen literarischen Fragen und ist gar nicht amüsiert, wenn der französische Präsident so gar keine Meinung zum Skandalschriftsteller Jean Genet hat.

     

    Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Fantasie freizusetzen

    Lesen macht Spaß. Lesen verändert. Mit fortschreitender Lektüre vernachlässigt die Monarchin ihre royalen Pflichten und ihren Pragmatismus, wird aufgeschlossener, offener, leichtfertiger. Kleine Verspätungen gehören zur Tagesordnung, der zelebrierte tägliche Garderobenwechsel gerät in den Hintergrund. So what? Die Lust des Lesens ist erhaben über jegliche höfische Etikette, über alle Zwänge des Alltags. Resolut erklärt Her Royal Highness: »Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Phantasie freizusetzen«.

     

    Mit ungeheurem Witz und Charme legt der leider in Deutschland wenig bekannte britische Dramatiker Alan Bennett die Wonnen des Lesens offen. Sein schmales, kaum 200 Gramm leichtes Bändchen ist eine subversive, höchst amüsante Liebeserklärung – an die Literatur und die Queen. Anlässlich ihres 60. Thronjubiläums hat der Wagenbach Verlag eine einmalige limitierte Sonderausgabe seines Erfolgstitels Die souveräne Leserin herausgebracht: die royale Ausstattung wartet mit feiner blauer Seide, Silberprägung, farbigem Vorsatzpapier und Fadenheftung auf. Auf dem Cover lugt die Queen forsch hinter einem Vorhang hervor. Von diesem kleinen, feinen Prunkstück wünschen wir jedem Bücherbus auf der Welt gleich mehrere Exemplare!

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