Vom Catering zum Soulfood
Nächste Station ihres Aufstiegs in der Gastrowelt sind Jobs im knallharten Catering-Gewerbe. Gelungen sind die Beschreibungen der wechselnden Mode-Häppchen und der sich stets wiederfindenden Typen innerhalb einer Küchenmannschaft. Gerne folgt man an späterer Stelle auch einem Rückblick auf eine Europareise, bei der Gabrielle viele Dinge wahrnimmt, die ihr später dabei helfen, eine Vision für ein eigenes Restaurant zu entwickeln. Die Chance dazu ergibt sich dann aber eigentlich ungeplant und eher zufällig. Statt auf essbares Blattgold in Champagner-Gläsern setzt Gabrielle lieber auf ehrliches, aber hochwertiges Soul-Food.
Spätestens als Hamilton den Stress als Restaurantbesitzerin und Chefköchin in Personalunion beschreibt, fragt man sich als Leser aber langsam, warum diese Frau eigentlich stets 16 Stunden am Tag schuftet – längst, nachdem Geldnot als Argument ausscheidet. Noch rätselhafter scheint, warum eine »stramm marxistische Feministin (und) Lesbe« ohne Zeit für ein Privatleben plötzlich auf die Idee kommt zu heiraten. Man könnte jetzt lapidar den deutschen »Untertitel« Mein Leben ohne Rezept bemühen oder die Tatsache, dass der italienische Ehemann sich bis dahin nicht um eine Aufenthaltsgenehmigung gekümmert hatte, in den Mittelpunkt rücken.
Doch spätestens, als es ans Kinderkriegen geht, obwohl scheinbar keinerlei Kommunikationsebene zwischen den Partnern vorhanden ist, widmet man sich schön still und leise der Küchenpsychologie. In der Folge wird ein Besuch bei Hamiltons Mutter beschrieben, die sich nicht wirklich gerechtfertigten Vorurteilen der Tochter ausgeliefert sieht – und der Leser reist wiederholt mit zur neuen Familie nach Italien. Die Trennung der Eltern scheint Wunden hinterlassen zu haben, die nun mit einer Mischung aus Suche nach verlorenem Familienglück und der wahrhaftigen Welt des guten alten Europa geheilt werden sollen. Man spricht zwar davon, dass »life stranger than fiction« sei – die bessere Geschichte kommt dabei aber deshalb nicht zwingend heraus.